Agnostizismus
Freies Denken
Unerkennbarkeit

Die Illusion der Gewissheit
>>>



"Was wir wissen,
ist ein Tropfen,
was wir nicht wissen,
ein Ozean."

Isaac Newton
(1643-1727)
Englischer Physiker, Mathematiker, Astronom,
Alchemist, Philosoph und Verwaltungsbeamter


"Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, Alters,
seiner ethnischen oder Religionszugehörigkeit
sowie aufgrund seiner sexuellen Orientierung
benachteiligt werden."


Das neue österreichische Gleichbehandlungsgesetz,
das am 1. Juli 2004 in Kraft getreten ist.
Das Gesetz setzt zwei EU-Richtlinien, Antirassismusrichtlinie
und Rahmen-Gleichbehandlungsrichtlinie, um.
Quelle:
www.dbj.co.at



"Immer wieder müssen wir feststellen,
dass Christen sich um ihr eigenes, jenseitiges Heil kümmern
und sich im Diesseits allenfalls an einen fahrenden Zug anhängen
und dies meist im Schlafwagen.
Weder bei der Frage nach einer Atombewaffnung
noch beim Umweltschutz gehören sie zu den Schrittmachern ...
Während viele Agnostiker die Übel der Welt zu bekämpfen trachten,
kreist das Neue Testament kaum um empirisches Leid,
sondern um Schlimmeres, um ewige Verdammnis.
Vor ihr sollen Menschen bewahrt werden."




Prof. em. Dr. Horst Herrmann
(b.1940)
Deutscher Kirchenrechtler, Kirchenkritiker
Soziologe, Schriftsteller


"Menschen heißen Gott gut, weil sie ihn noch nicht kennen
oder weil sie sich an ihn gewöhnt haben
oder weil sie so erzogen sind - das heißt in allen Fällen.
Und doch ist damit weder Gottes Existenz noch seine Güte bewiesen."

"Ich wurde am 1. VIII. 1940 in Schruns in Vorarlberg [Österreich] geboren. Die Kindheit verbrachte ich in Tuttlingen/Donau.
Nach dem Abitur (1959) studierte ich Theologie und Rechtswissenschaften in Tübingen und München.

1964 wurde ich in Stuttgart zum Priester geweiht, promovierte 1967 in Bonn zum Dr. theol.,
arbeitete dann am Vatikan und habilitierte mich in Bonn.
1970 wurde ich als jüngster deutscher Hochschullehrer zum ord. Professor für katholisches Kirchenrecht
an die Westfälische Wilhelms Universität in Münster berufen.
1974/1975 war ich Prodekan und Dekan des Fachbereichs Katholische Theologie.

"Alles wissen wir! Die ganze Himmelsfamilie kennen wir, das Organigramm ist uns bekannt, was jeder Einzelne für Funktionen hat auch,
was der liebe Gott selbst von uns will und was nicht sowieso - und was passiert, wenn wir nicht parieren, trichtert man schon
den kleinen Kindern vorsorglich ein, dann sitzt' s besser - da ist doch alles organisiert wie in einem Großkonzern,
der die Vormachtstellung auf dem Weltmarkt anstrebt. Das Ganze menschelt verdächtig!"


Nach schweren Auseinandersetzungen um meine Forschung und Lehre und nach meiner Weigerung, meine Thesen
zu widerrufen und künftig keine ähnlichen zu vertreten, wurde mir 1975 die kirchliche Lehrbefugnis entzogen.
Dies war der erste Fall dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland.

"Wie könnte der Schöpfer des Himmels und der Erde, der mächtige Erschaffer von Milliarden Sonnensystemen, wenn er auch
noch gut und gerecht ist, Flutkatastrophen und Vernichtungslager mit Monstern in Menschengestalt zulassen?
[Theodizee Problem n. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)]
Theologen haben sich bemüht, das angebliche Wohlwollen Gottes mit den irdischen Leiden in Einklang zu bringen.
Dieses Bemühen ist verständlich, denn nur zu einem Wesen, das gut und gerecht ist, können Menschen Vertrauen aufbauen.
Nur ein solches Wesen ist der Garant für Moralität. Nur wenn Gott auch gut und gerecht ist, macht die Idee einer ausgleichenden
Gerechtigkeit im Jenseits Sinn ... Wir haben Gründe für die Annahme, dass ein Gott, der sich im Diesseits nicht als gerecht offenbart,
es auch anderswo nicht sein wird. Weil Gott im Diesseits nicht gerecht ist, sollten wir ihn überhaupt nicht gerecht nennen und die
Vorstellung einer ausgleichenden Gerechtigkeit im Jenseits, die Idee künftiger Belohnungen und Bestrafungen für diesseitiges Verhalten
aufgeben. Auch hier befinden sich Theisten in einer prekären Lage: Weil das Diesseits nicht gerecht ist, behaupten sie eine
ausgleichende Gerechtigkeit, also ein gerechtes Jenseits. Aber weil das Diesseits nicht gerecht ist, leuchtet die Vorstellung
eines gerechten Jenseits kaum ein. Warum sollte Gott dort gerecht sein, wenn er hier nicht gerecht ist?"


Nach jahrelangen weiteren Streitigkeiten (erstes und einziges so genanntes Lehrbeanstandungsverfahren der Deutschen
Bischofskonferenz) und der kirchenoffiziellen Verurteilung (auch durch die vatikanische Glaubenskongregation trat ich 1981
aus der Kirche aus, wechselte in den Fachbereich Sozialwissenschaften und war in Münster
bis zu meiner Emeritierung 2005 Inhaber eines Lehrstuhls für Soziologie.


"Der bekannteste Lösungsversuch, der alle Übel der Welt auf die menschliche Willensfreiheit zurückführt, setzt die Klärung
der Frage voraus, ob menschliche Freiheit notwendigerweise ihren Missbrauch einschließt. Müssen Menschen, um nicht
bloße Automaten zu sein, von Fall zu Fall das Böse wählen oder nicht? Wird die Frage bejaht, stellt sich die Frage, warum
dann die ersten Menschen und mit ihnen alle anderen bestraft werden. Denn sie hatten nur das ihnen von Gott geschenkte
überragende Gut der Freiheit genossen. Wird hingegen die Frage verneint, wird also behauptet, dass menschliche Freiheit
ihren gelegentlichen Missbrauch nicht notwendigerweise mit einschließt, taucht die Frage auf, warum Menschen ihre Freiheit
so oft missbraucht haben und missbrauchen ... Weil weder die Existenz Gottes noch seine Güte und Barmherzigkeit bewiesen
werden können, sollten wir auch den angeblichen göttlichen Heilsplan nicht "gut" und "gerecht" nennen. Es ist problematisch,
den eigenen Willen vor dem Hintergrund göttlicher Forderungen aufzugeben, den eigenen Willen gleichsam Gott

zu überantworten. Nicht die Verteidigung Gottes angesichts der Leiden der Welt ist plausibel, die Anklage ist es."

In Münster etablierte ich 1982 die so genannte Frauenforschung und forschte in den von mir erstmals entwickelten
Richtungen wie der feministisch infantistischen Väterforschung sowie der Soziologie der Partnerschaft und Soziologie
der Foltermentalitäten und -methoden. Ich habe an die 1.000 Vorträge im In- und Ausland gehalten und arbeite seit
Jahrzehnten als der am häufigsten zu Religionsthemen eingeladene deutsche Hochschullehrer in allen
wichtigen Medien mit (SPIEGEL, STERN, FOCUS, Talkshows, Podiumsdiskussionen).

Seit 1977 bin ich auf Empfehlung von Heinrich Böll [1917-1985, 1972 Literatur Nobelpreis] Mitglied des P.E.N.
Außerdem war ich Herausgeber der im Goldmann Verlag erschienenen Bibliothek des Querdenkens.
Unter dem Pseudonym Peter Simon veröffentlichte ich zwei Kriminalromane aus dem Vatikan.
(P.E.N. = Poets Essayists Novelists)


"Offensichtlich sind die Menschen und die Umstände, in denen sie leben, schlecht geschaffen, und die Schuld fällt auf denjenigen zurück,
der die Welt angeblich aus dem Nichts gemacht hat. Denn woher, wenn nicht vom Schöpfer, sollte die behauptete Verderbtheit der
Menschennatur stammen? Woher der Wunsch einiger, so zu sein wie Gott? Und warum wird weiterhin verkündet, das Negative sei im
Schöpfungsplan gar nicht vorgesehen, sondern durch die Verfehlungen der ersten Menschen in die Welt geraten? Mit dem Hinweis auf die
menschliche Willensfreiheit lässt sich das Problem - Woher kommt das Böse? - nicht lösen ... Die Position der kirchlichen Theologie
setzt im Übrigen voraus, dass es eine menschliche Seele gibt, die unsterblich ist und empfinden kann, da sie das Objekt künftiger
Belohnungen und Bestrafungen sein wird. Die Seele erfährt entweder ewige Seligkeit, höchst Angenehmes, oder ewige Verdammnis,
höchst Unangenehmes. Was sich in der Hölle abspielen soll, hat eine krankhafte religiöse Fantasie überdeutlich gemacht. Aber wodurch
zeichnet sich der Himmel aus, das gewollte, geträumte, gedachte Oben? Es werde kein Leid mehr geben, auch keinen Tod, hören wir.
Thomas von Aquin [1225-1274] hat eine konkretere Beschreibung himmlischer Freuden geliefert: Dem "ersten Lehrer der heiligen
katholischen Kirche" zufolge gehört es zu den Glückseligkeiten der Geretteten, die Leiden der Verdammten in der Hölle beobachten
zu dürfen. Ist aber Freude am Leid anderer nicht die klassische Definition von Sadismus?
Für viele Menschen wäre ein solcher Himmel die Hölle."


Von mir liegen an die 60 Bücher (in mehrere Sprachen übersetzt) und etwa 200 Beiträge zu religions- und patriarchatskritischen Themen
vor. Besonderes Interesse finden meine Biographien (Nero, Girolamo Savonarola, Thomas Müntzer, Martin Luther, Johannes Paul II.);
meine Luther-Biographie wird seit 25 Jahren in Deutschland am meisten verkauft.

Mit Karlheinz Deschner (1924-2014,deutscher Schriftsteller, Religions- und Kirchenkritiker), mit dem ich seit Jahrzehnten eng
befreundet bin, veröffentlichte ich "Der Antikatechismus. 200 Grunde gegen die Kirchen und für die Welt" (1991).

"Für immer noch viel zu viele ist es schwer zu ertragen, dass der Mensch wie alle anderen Lebewesen auf sich selbst geworfen bleibt.
Sein Schicksal steht nirgendwo geschrieben, seine Existenz ist nicht ohne Weiteres schon sinnhaft, er kann sich bei seiner Suche
nach Sinn auf nichts berufen. Das ist schlimm für Träumer, doch eine Erleichterung für jeden, der aufgeklärt und stark genug ist,
keine Sinnstifter, "Vorbilder" und selbst ernannte Heilsbringer zu brauchen. Ein Mensch eben, der sich, ausgerüstet mit dem Wissen

um die eigene höchst profane Herkunft, imstande sieht, sein Herz in beide Hände zu nehmen, sein Schicksal tapfer zu bewältigen
und seinen eigenen Lebenssinn zu suchen - selbst auf die Gefahr hin, dabei zu scheitern."
(Der Abschied von der "Krone der Schöpfung" ebenda S. 185)

Biographische und schriftstellerische Meilensteine waren "Ein unmoralisches Verhältnis. Bemerkungen eines Betroffenen zur Lage
von Staat und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland " (1974), ein Buch, das zum Entzug der Lehrerlaubnis führte, "Die Kirche
und unser Geld " (1990), eine Publikation, die in und außerhalb der Großkirchen lebhafteste Diskussionen auslöste, "Vaterliebe.
Ich will ja nur dein Bestes" (1990), eine in dieser Form sonst nicht anzutreffende Abrechnung mit dem Patriarchat, und
"Agnostizismus" (2008), das einzige auf dem Buchmarkt befindliche Buch zu diesem Thema (Abgrenzung zum Atheismus)."
Quelle: www.horstherrmann.com

"Zu dem Gedanken eines Welt-Schöpfers ist die Philosophie der Griechen
nie herabgesunken, vor diesem krassesten aller Anthropomorphismen
hat sie ihr gesunder Instinkt immer glücklich bewahrt"
Christian Friedrich Hebbel
(1813-1863)

Anthropomorphismus: Das Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Tiere, Götter, Naturgewalten und Ähnliches
(Vermenschlichung). Die menschlichen Eigenschaften können sich dabei sowohl in der Gestalt als auch im Verhalten zeigen.




"Die biblischen Schriften in ihrem Gottes- und Menschenbild sind mit humanen und freiheitlichen Grundsätzen nicht
zur Deckung zu bringen. Das vermeintlich positive Bild der Bibel rührt vor allem daher, dass sie nur bruchstückhaft
zur Kenntnis genommen wird. Den Gläubigen wird von den Kirchen eine entschärfte Version angeboten, eine Text-
auswahl, die nur die Stellen den Gläubigen meint anbieten zu können, die gut verdaulich sind. Ein saftiger Braten
wird wegen seiner Gemüsedekoration den Gläubigen so als vegetarisches Gericht verkauft. Es ist die Steinbruch-
methode, die aber nicht nur die Kirchen bewusst, sondern die auch private Bibelleser unbewusst anwenden,
das Heraussuchen von erbaulichen und positiven Stellen und das weglassen und herausfiltern von allem, was
diesem Schema nicht entspricht. Und es ist die Person Jesus von Nazareth, die für die Christen
zentrale Bedeutung hat. Wenn man ihn versteht, meint man die Bibel,
auch das Alte Testament, verstanden zu haben."
Heinz Werner Kubitza
(Dr. theol., Tectum Wissenschaftsverlags Inhaber):
„Der Jesuswahn. Wie die Christen sich ihren Gott erschufen.
Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung“
Kapitel: 1. Der peinliche Gott des Alten Testaments. Seite 15
TECTUM Verlag 2011
www.tectum-verlag.de

"Ist Skepsis angebracht?
Der Philosoph Bernulf Kanitscheider [b.1939] stellt fest, dass Skepsis gegenüber einem höchsten Wesen, das die Welt erhält,
steuert, lenkt und bewacht, alt ist. Schon Protagoras (490-411 v.u.Z.) kommt zu dem Schluss, dass die Frage nach der Existenz
der Götter nicht lösbar sei, weil sie in menschlichen Zeiträumen keine Entscheidung erlauben würde. Immer wieder haben
skeptische Philosophen auf die beiden Defekte der Gottesidee hingewiesen, dass es sich nicht klären lässt, welche Eigenschaften
dieses außer-, über- oder unterweltliche Wesen besitzt, und dass aus dieser Unklarheit die Unsicherheit folgt, wie ein derart
begrifflich vages Seiendes empirisch festgemacht werden könnte. In der griechischen Antike wurden Weltbilder entworfen,
in deren Rahmen die Natur, der Mensch, Erkenntnis und Sprache ohne Rückgriff auf irgendeine außerweltliche Instanz
verstanden werden können ...

Im Mittelalter [6.-15.Jhd.], das nicht so religionshörig war wie oft behauptet, war Gottes Wille dennoch die primäre Normen
gebende Instanz. Allerdings probierten Philosophen immer wieder den Aufstand der philosophischen Vernunft gegen die Autorität
der Schrift, was zu zahlreichen Verboten und Verfolgungen führte. Siger von Brabant (um 1235-1284) ging in seinem Widerstand
am weitesten.

Es wäre auch schwierig zu verstehen, dass eineinhalb Jahrtausende niemandem Zweifel gekommen wären.
Allein die Tatsache, dass die mittelalterliche Theologie nach neuen Beweisen für die Existenz Gottes gesucht hat -
eine Tradition, die bis in die Gegenwart fortsetzt -, muss Bedenken erregen. Wären die Glaubensinhalte
evident gewesen, hätte es dieses Zuganges nicht bedurft ...

In der Renaissance wuchs mit dem Selbstbewusstsein und der Zuversicht auch das Vertrauen in die Vernunft. [Giovanni]
Pico della Mirandola (1463-1494) stärkt in seiner Oratio de dignitate hominis ["Rede über die Würde des Menschen"] die
Zuversicht in die Eigenleistung und Gestaltungskraft des Menschen. Allmählich findet eine Entkoppelung der Handlungsebene
von der metaphysischen Welt statt. Handlungsalternativen werden stärker auf ihre Konsequenzen hin
betrachtet als auf ihre Ursachen.

Als dann im 18. Jahrhundert die erste Säkularisierungswelle [Verweltlichung] durch die europäische Gesellschaft läuft,
fragt der Philosoph Paul Dietrich d'Holbach [1723-1789], ob einem überzeugten Gottesleugner moralisches Handeln
zugetraut werden könne
. Dies war verständlich unter der Annahme, dass die einzige moralische Rücksicht, die jemand
bei einer Handlung nehmen könne, der Wille Gottes sei, wenngleich es praktische Hinsichten geben könnte,
Hindernisse wie Polizisten und weltliche Gerichte.

"Gibt denn niemand die Tatsache zu denken, dass von unserem großen Sechsfachgestirn -
Goethe, Herder, Klopstock, Lessing, Schiller, Wieland: nie sah die Welt gleichzeitig ihresgleichen! -,
dass von diesen Sechsen nicht einer katholisch war; dafür aber drei - die besseren Drei! -
erklärte Feinde jeder positiven Religion, deutlicher: des Christentums?

(
Arno Otto Schmidt [1914-1979])


Abgesehen von der Frage nach der Begründung einer Ethik auf religiöser Basis können wir überlegen,
ob die Religionen das moralische Verhalten gefördert haben, ob die Religionen mit ihrem Normensystem
zum Lebensglück, zur Lebensbewältigung und Lebensfreude etwas Positives beigetragen haben. Ich
erinnere hier an den Dalai Lama, der 2007 eine säkulare Ethik pries,
die ihm wichtiger ist "als jede Religion".


Hier sind religions- und kirchengeschichtliche Forschungen wichtig. Sie stellen heraus, dass die mit Gewalt und
Grausamkeit beladene Geschichte der Christen auch ihrerseits die Verhaltensmuster ihrer Anhänger propagiert hat
und dass der Foltertod des Stifters sich tausendfach bei Häretikern, Apostaten und Ungläubigen wiederholte.

Alle griechischen alternativen einer von Metaphysik freien Vernunft Ethik wurden zudem diffamiert. Dabei hätten sie,
wären sie in der Spätantike nicht verdrängt worden, mehr Friede und Freundschaft bringen können. Erst in der Neuzeit
hat sich das logische Schema der Verteidigung von ethischen Systemen gewandelt. Es wurde erkannt, dass
auf Gott bezogene Normsysteme logische Defekte haben, weil sie eine Letztbegründung gar nicht leisten können.
Und jedes Heranziehen von außerweltlichen Instanzen bei der Etablierung von Normen- und Wertesystemen
bleibt ein Irrweg.

"Denn während des ganzen Christlichen Zeitraums liegt der Theismus wie ein drückender Alb auf allen geistigen,
zumal philosophischen Bestrebungen und hemmt, oder verkümmert, jeden Fortschritt. Gott, Teufel, Engel
und Dämonen verdecken den Gelehrten jener Zeiten die ganze Natur: Keine Untersuchung wird
zu Ende geführt, keiner Sache auf den Grund gegangen"

(Arthur Schopenhauer [1788-1860])

Auf den Grund gehen? Mit den Mitteln von gestern?
Ich zitiere eine Stimme von vielen, die sich mit der Bremswirkung religiös begründeter Argumente befassten. Der Sozialethiker
Hartmut Kreß [b.1954]: "... grundsätzlich sei die Frage aufgeworfen, ob die kirchlichen, insbesondere die katholischen Einwände
gegenüber der humanen embryonalen Stammzellforschung und der Fortpflanzungsmedizin nicht sogar Auswirkungen besaßen,
die für den naturwissenschaftlich-medizinischen Erkenntnisgewinn nachteilig sowie ethisch kontraproduktiv waren und die innerhalb
der Rechtsordnung Engführungen mit sich brachten ... Die religiösen Argumente, die auf katholischer Seite eine Rolle spielen -
darunter die Seelenlehre und das aus ihr abgeleitete katholisch-naturrechtliche Verständnis menschlicher Entwicklung - sind
dem Erkenntnisniveau, das die Naturwissenschaften und die Medizin über den menschlichen Lebensbeginn erreicht haben,
nicht mehr adäquat ... Läge es nicht nahe, dies innerkirchlich selbstkritisch zu thematisieren?"


Wichtig ist, dass ein weltanschaulich neutraler Staat sich künftig nicht mehr an partikularen und partiell veralteten Positionen
orientiert, auch wenn katholische Spezialitäten als "zeitlos und allgemein menschlich" ausgegeben werden.

Zeitlos?

Unter wissenschaftlich geschulten Zeitgenossen gilt der Grundsatz, dass Behauptungen belegt werden müssen, bevor sie
Anerkennung beanspruchen können. Diese Belege beizubringen, bleibt in abgehobenen konfessionellen Kreisen unüblich.
Umso entrüsteter reagieren diese, wenn eine solche Forderung laut wird. Agnostiker aber kommen aus dem Staunen über Leute,
die ihren Katheder [Pult, Hochschulamt] noch immer nicht verlassen haben, nicht heraus. Ins Staunen geraten können Agnostiker

vor allem, wenn es um die Beweislage in Sachen Gott geht.

Die so genannten Gottesbeweise ... Versuche, die Existenz eines Gottes oder Ursprungsprinzips - teilweise unter Einbeziehung
empirischer Beobachtungen unter Gläubigen - zu beweisen oder zumindest Hinweise darauf zu finden. Diese Methode steht
zumindest tendenziell im Gegensatz zu jeder Form eines Verständnisses von Religion, das die Erkenntnis Gottes als Mysterium
versteht, und das sich somit der Mitteilung und logischen Analyse entzieht.

Ein allgemein anerkannter schlüssiger Beweis für die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes
konnte bisher nicht erbracht werden ...

Siehe ZITATE: Hans Albert / Stelle keine festen Behauptungen auf >>>

"Wir befinden uns in der Lage eines kleinen Kindes, das in eine riesige Bibliothek eintritt, die
mit vielen Büchern in verschiedenen Sprachen angefüllt ist. Das Kind weiß, dass jemand die Bücher
geschrieben hat. Es weiß aber nicht, wie das geschah. Es versteht die Sprache nicht, in der sie
geschrieben wurden. Das Kind erahnt dunkel eine mysteriöse Ordnung in der Zusammenstellung
der Bücher, weiß aber nicht, was es ist. Das ist nach meiner Meinung die Einstellung
auch des intelligentesten Menschen gegenüber Gott."

Albert Einstein
(1879-1955)
Theoretischer Physiker, Nobelpreis 1921/22


Und Sie selbst?
Zur Einführung wieder Fragen:

Muss nicht irgendjemand die Welt geplant und geschaffen haben?
Gibt es kein Gewissen, das auf Gott verweist?
Lenkt Gott nicht spürbar das Leben jedes Menschen?
Würde aber Gott, wenn es ihn gäbe, so viel Unrecht und Leid auf der Erde zulassen?
Bleibt es nicht der wirksamste Trick der Götter, unsichtbar zu sein?


Ich schlage zwei Denkschritte vor:
1. die grundsätzliche Kritik an "Gottesbeweisen"

2. die Darstellung einzelner "Gottesbeweise"

"Wenn man für die Naturwissenschaft und ihren Kontext den Begriff Gott hineinbringt,
um sich die Zweckmäßigkeit der Natur erklärlich zu machen und hernach
die Zweckmäßigkeit wiederum braucht, um zu beweisen, dass ein Gott sei,
so ist in keinen von beiden Wissenschaften innerer Bestand"
Immanuel Kant
(1724-1804)

Deutscher Philosoph der Aufklärung

Zum Schluss einige Fragen:
Ist mein Leben nicht sinnlos, wenn es mir nicht gelingt, Gott zu erkennen?
Kann ich überhaupt Gutes für die Nächsten tun, wenn ich Gott nicht liebe?
Oder ist es nur ein frommer Wunsch, dass Gott die Menschen liebt?
Muss Gott nicht in der Verfassung der EU stehen, weil er unser alle höchste Instanz ist?
Hat er keinen Anspruch, zumal Europa christliche Wurzeln hat und ohne das Christentum
nicht da stünde, wo es jetzt steht?
Muss immer wieder Rücksicht auf Menschen genommen werden,
die ihren Glauben verloren haben und unsere
christliche Vergangenheit leugnen?


"Die Theologen wollen mit Gewalt aus der Bibel ein Buch machen, worin kein Menschenverstand ist.
Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man bedenkt, was für Zeit und Mühe auf ihre Erklärung
gewendet worden ist; und was war am Ende, nach Jahrtausenden, der jedem Unbefangenen
von vornherein selbstverständliche Preis all der Bemühungen? Kein anderer als der:
Die Bibel ist ein Buch, von Menschen geschrieben, wie alle Bücher."

(Arno Schmidt [1914-1979)]



"Alle miteinander sind die Götter unserer Kultur Herrscher-Bilder, Gewalt-Väter.
Ob die gängige Religionswissenschaft sich intensiv genug mit diesen Vorstellungen,
ihren Begründungen und ihren Konsequenzen für das Leben der Menschen befasst hat?

Nun berufen sich die Kirchen relativ selten auf das Alte Testament. Sie leben aus dem "Neuen".
Nach Meinung vieler Christen soll in diesem alles anders sein als im jüdischen "Alten". Doch wie
immer ist auch hier Vorsicht geboten. Gewohnte Herrschaftsstrukturen finden sich wieder, und
der Vatergott, den die neutestamentlichen Autoren - Autorinnen gibt es wieder nicht - schildern,
scheint seit Jahwes Tagen nichts hinzugelernt zu haben. Zwar ist jetzt ständig vom Vater die Rede
und "Vater" wird zur steten Bezeichnung Gottes. Doch wiederholt sich
das Schema von Gewalt und Liebe des Vaters.

Gehorsam und Liebe: "Wie ein Vater seine Kinder liebt, so liebt der Herr die, die ihn fürchten" (Psalm 103/13)
Es sieht - im Gegensatz zu vielen Predigtversuchen - nicht so aus, als handle es sich hier, auf beiden Seiten, um die reine Liebe.
Dafür verknüpfen die Texte der Bibel viel zu häufig Elemente von Herrschaft und von Furcht vor der Herrschaft mit Vaterliebe.
Gottes Gewalt bleibt beherrschend: Weh dem, der mit seinem Schöpfer rechtet, er, eine Scherbe unter irdenen Scherben.
"Sagt denn der Ton zum Töpfer: Was machst du? Weh dem, der zum Vater sagt: warum hast du gezeugt?" (Jes 45,9-10).
Vom geliebten Sohn wird Gehorsam verlangt: "Ich ziehe Kinder groß und bringe sie hoch, doch sie benehmen sich schlimm
gegen mich. Ein Ochs kennt seinen Herrn, ein Esel die Krippe des Meisters, doch Israel kennt nichts
" (Jes 1,2-3).
Das auserwählte Volk (Jes 43,21) ist widerspenstig. So klagt - ein typisch patriarchaler Beweisgang - ein enttäuschter Vater.
Deswegen muss er strafen, denn wen der Herr liebt, den haut er, wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat (Spr 3,12).
Strafe ist Ausdruck wahrer Vaterliebe. Die Fronten in der Beziehung zwischen Vater und Sohn, zwischen Gott und Mensch
sind nach dem Zeugnis der Schriftväter klar. Autorinnen gibt es übrigens keine.

Tausend Theologen haben über Jahrhunderte hinweg alles erklärt, doch nichts geklärt.

So wie der Gott des Neuen Testaments handelt, muss er ein Vater sein. Auf der einen Seite steht die unumschränkte
Herrschaft Gottes, die so genannte Allmacht: "Auch Vater heißt keinen auf der Erde, einer euer Vater, und der ist
im Himmel
" (Mt 23.9). Andererseits wird diese Gewalt durch den Verweis auf Liebe schmackhaft gemacht,
auf Liebe, die den wahren Söhnen gilt: "Seht, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat; wir sollen Kinder Gottes heißen,
und wir sind es
" (1.Jo 3,1). Die Adoptierten müssen diese Liebe gehorsam anerkennen: "Harret aus in der strengen Zucht:
Als Söhnen begegnet euch Gott! Wo wäre der Sohn, den der Vater nicht in Zucht nähme? Würdet ihr ohne Züchtigung bleiben,
wie sie doch alle kosten müssen, so wäret ihr unechte Kinder, keine Söhne. Und wenn wir unsere irdischen Väter zu strengen

Erziehern hatten und ihnen Ehrfurcht erwiesen, sollen wir uns da nicht gehorsam unterordnen dem Vater unsrer Seelen,
um das Leben zu haben?
" (Heb 12,7-9). Liebe des Vaters ist Strenge, so lautet die zeitlose Gleichung. Und Gehorsam
gegen die Vatergewalt ist Liebe zum Vater. Verharmlosung, Verniedlichung und Verkitschung Gottes
in das Gemütliche würden dem Geheimnis Gottes nicht gerecht.

"Der Gott, der sterben lässt, um Gott zu besänftigen ... Hundert Folianten,
die für oder wider das Christentum geschrieben worden sind,
ergeben eine geringere Evidenz als der Spott dieser Zeilen"
(Denis Diderot 1713-84)

Die Beziehungen zwischen Vater-Gott und Menschen-Sohn sind zu Organisationsmustern (patterns) versteinert.
Liebesleistungen wie Gebet, Reue und Gehorsam lösen die Leistung der Vaterliebe Gottes aus.
Wie?
Ein Gott, der seine Menschen liebt, vorausgesetzt, sie glauben an ihn?
Ein Gott, der mit der Hölle droht, wenn seiner Liebe nicht geglaubt wird?


Liebe? Oder gereizte Rachsucht?
Was nur kann einem Gott daran liegen, seine Kreaturen ausgestreckt vor sich liegen zu sehen?
Sich von Untertanen geliebt zu wissen? Seine Freude am Unterwerfen als Entsprechung
zum Despotentum [Gewaltherrschaft] der Epoche gedeutet zu sehen, die ihn schuf?


Gottes Tugenden sind patriarchal, an mannmenschlichen Maßstäben ausgerichtet geblieben.
Als solche haben sie sich bewährt. Sie haben sich auch ohne große Liebesgesten als
verwendungsfähig erwiesen. Noch immer bestimmen sie das Leben von Millionen.


Die Werteväter der Religion können zufrieden sein. Einen Zustand der Gesellschaft, in der Priester den Wert
der Dinge bestimmen, heißen sie "Reich Gottes". Sie kennen die Mittel und Methoden, die ihnen diesen Zustand
aufrechterhalten, und sie nennen sie das "Willen Gottes".


Und wie steht es um Sie?
Können sie noch beten oder schöpfen Sie neue Kraft nicht aus Gebeten?
Erreichen Gebete überhaupt einen Gott?
Stimmen Sie dem Satz zu: Wenn Beten nützt, dann nicht, weil Gott hilft,
sondern weil es von Fall zu Fall beruhigt?"



"Die Frage, ob es einen Gott gibt

Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe.
Herr K. sagte: "Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten
je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde.
Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallenlassen.
Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein,
dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott."
Berthold Brecht
(1898-1956)
Deutscher Dramatiker und Lyriker
Aus: „Geschichten vom Herrn Keuner“ Seite 20
SUHRKAMP 2011 (1953)


"Unter Theismus (griech. theos Gott) ist die religiöse oder philosophische Überzeugung vom Dasein eines höchsten,
überweltlichen, persönlichen Wesens zu verstehen, dass die Welt erschaffen hat, erhält und regiert. Zu beachten ist,
dass Gott zwar in der Welt wirkt, etwa durch Wunder und Offenbarungen, jedoch in der Substanz von ihr verschieden ist.
Der religionsphilosophische Begriff Theismus wurde in der Aufklärung gegenüber dem des Atheismus geprägt,
aber auch in Abgrenzung zum Deismus ["Der Glaube an Gott aus Gründen der Vernunft"] verwandt.

Theismus fächert sich auf in: MONOTHEISMUS ("es gibt nur einen Gott"), POLYTHEISMUS ("es gibt mehrere Götter"),
HENOTHEISMUS ("es gibt mehrere Götter und unter ihnen einen höchsten"), MONOLATRIE ("es gibt mehrere Götter,
aber ich verehre nur einen"). Theistische Religionen sind unter anderem Christentum ["Gott"], Isalam ["Allah"],
Judentum ["JHWH, Jahwe, Jehovah"] und Hinduismus [Brahma, Shiva, Vishnu, Krishna, Ganesh usw.].

Die Forderung nach einem einzigen, exklusiven Gott ist nach dem Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek [b.1928]
eine relativ späte Erfindung in der Religionsgeschichte. Sie sollte die überkommene Götterwelt ordnen. Damit erschien sie
für alle nützlich, die sich in einer chaotisch erscheinenden Welt der Götter nicht mehr zurechtfanden. Zudem gewannen
Werteväter Befriedigung: Höher hinauf konnte ein Mensch nicht mehr denken. Kein Wunder, dass der Höchste
zugleich der Allwissende, Allmächtige, Allliebende sein musste. Und im patriarchalen Umfeld machte sich ein Vater-
gott besonders gut, der alle Muttergottheiten ebenso unter sich ließ wie die mannigfachen anderen Götter,
die künftig - voller Stolz, den einzig wahren Gott gefunden zu haben - als bloße Götzen
bezeichnet werden konnten.

"Der Theismus behauptet, der Atheismus leugne Gott. Den Beweis bleibt jeder schuldig.
Denn niemand kann Gott, niemand jedoch auch seine Nichtexistenz beweisen. Und da
ein höchstes Wesen weder zu verifizieren noch, infolge unserer Erkenntnisbegrenzung,
auszuklammern ist, erscheint die agnostische These konsequenter und eher
zu verantworten als die atheistische."
(Karlheinz Deschner)

Theisten, die an einen Gott, vorzugsweise den eigenen, glauben und diesen Glauben verteidigen, müssen Grenzziehungen
gegenüber Andersdenkenden schätzen. Sie haben viel zu tun, wenn sie sich abgrenzen: vom AGNOSTIZISMUS, vom
IGNOSTIZISMUS, vom ATHEISMUS, vom KOSMOTHEISMUS, der die Welt als eine Einheit begreift, die sich selbst ordnet,
ohne eines Schöpfergottes zu bedürfen, von jeder WELTANSCHAUUNG, bei der Gott anders wahrgenommen wird,
vom DEISMUS, vom PANDEISMUS, der zwar einen Gott als Schöpfer der Welt annimmt, aber nicht an dessen weitere
Einwirkung auf sie glaubt, vom PANTHEISMUS, der die Welt als Teil einer sich entwickelnden Gottheit sieht,
vom THEOKRATISMUS, der in Gott den Herrscher und nicht nur den Schöpfer sieht.

Und Sie? Stellen Sie sich bitte die folgenden Fragen:
Warum glauben sie an Gott - warum nicht?
Welche Rolle haben Erziehungseinflüsse, Personen und Ereignisse in Ihrem Leben gespielt?
Welche Elemente des Glaubens sind Ihnen besonders wichtig?
Welche Ereignisse oder Erkenntnisse haben Ihren Glauben gestärkt?
Wo bestehen Zweifel am eigenen Glauben?


Theisten
haben alle Hände voll zu tun. Ständig werden ihre Hauptannahmen bezweifelt, ständig wuchern weitere "Ketzereien".
Da heißt es aufmerksam und auf dem neuesten Stand zu bleiben. Eine junge Disziplin, "Neuro-Theologie" genannt, betreibt
beispielsweise die Aussöhnung der Erzfeinde Wissenschaft und Religion. Gott soll biologisch nachweisbar sein, Glaube
evolutionär festgelegt. Forscher vermuten, dass sich zumindest der Sitz der Religiosität lokalisieren lasse - im Scheitellappen.
Und schon lässt sich folgern: "Da wird Atheismus zur biologischen Anomalie. Andere Studien belegen, dass fromme Menschen
gesünder und glücklicher leben und besser wirtschaften, womit Gottlosigkeit nicht nur zum Gesundheitsrisiko, sondern auch
zum Armutsfaktor wird" (Sonja Zekri, b. 1967, deutsche Journalistin) ...

Theologie kann dem Verstand immer wieder Einhalt gebieten, und sie tut es. Gründe für den Zweifel am Glauben werden
neutralisiert mit der Formel: Wer bist du, dass du mit Gott zu rechten wagst? Verstehen wir ihn doch nur
in Menschenbegriffen, und Paradoxien fallen zu unseren Lasten."


"Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung
und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage.
Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe
und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssen."

Albert Einstein
(1879-1955)
Theoretischer Physiker, Nobelpreis 1921/22

Aus: Jürg Frick: „Das Ende einer Illusion. Denkanstöße zu Ethik und Pädagogik der Bibel“
Seite 162. ANGELIKA LENZ 1999


"Ich beschränke mich darauf, unter Religion - abseits von den beanspruchten Deutungsmonopolen -
die alienistische (außen-/fremdbestimmte) Bindung oder Orientierung einzelner Menschen und Gruppen
an meist als überweltlich angesehene Vorgaben zu verstehen. Bindung hilft den Gebundenen,
personale Identität aufzubauen. Dabei wird Religion in den Dienst der Bewältigung bestimmter
personaler und gesellschaftlicher Probleme gestellt; Gottheiten, deren gelungenster Trick
es seit alters ist, unsichtbar zu bleiben, dienen hierfür sowieso ...

"Religion ist der Glaube, der annimmt, dass
alles zu seinen Gunsten geschaffen wurde.
Es ist unvorstellbar, dass die Welt zivilisiert wird,
solange dieser primitive Standpunkt
nicht überwunden ist"

Henry Louis Mencken
(1880-1956)
US-amerikanischer Schriftsteller, Journalist


Ein Prozess der Purifizierung ist im Gange.
Die Trennung von institutionalisierter Religion und allgemeiner Frömmigkeit macht Fortschritte, und angestrebt ist
die Neuidentifikation des Glaubens unter den veränderten sozialen Bedingungen einer fröhlichen Gottlosigkeit.
Doch für nicht wenige bleibt Religion eine Versicherung im Diesseits gegen das Feuer im Jenseits
...

Religionen, die sich ernst nehmen, können possessionistisch (Wahrheit besitzend) und sekurantistisch (Sicherheit
denkend), doch nicht tolerant sein. Und auch nicht gottgläubig: Der religiöse Fanatiker hofft im Grunde nicht auf Gott.
Er will Gott nicht Gott sein lassen, sondern ihm mit seinen Wünschen und Machenschaften zuvorkommen.
Religions- und Sinnmaschinerien tun das ihre. Der Mensch kann keinen Wurm erschaffen, doch Dutzende
von Göttern. Gott ist das einzige Wesen, das, um zu herrschen, nicht zu existieren braucht
...

"Religion ist Reklame für den Tod,
Religion ist die raffinierteste Mordmethode,
mit der Menschen sich gegenseitig
umbringen"

Theodor Lessing
(1872-1933 ermordet)
Deutsch-jüdischer Philosoph


Im Unterschied zum Wissen hat der Glaube den Vorteil, dass er alles glauben kann. Mit leerem Kopf nickt es sich leichter.
Geschlossene Geister und ihr fixiertes, unfreies Denken bleiben gegenüber einem rationalen Diskurs resistent, auch therapieunwillig.
Zu fragen und zu zweifeln - die edelsten Leistungen des Menschen - wurden Sünde, todeswürdige Verbrechen. Keine Religion der Welt
hat die Menschen mehr Blut und Tränen gekostet als die abendländische. Von der Erinnerung an einen Geschundenen wurde sie
zur Religion der Schinder, lange Zeit hindurch zum blutrünstigsten Glaubensverband der Geschichte. Den Wahn erkennt allerdings
derjenige niemals, der ihn selbst noch teilt. Nur wer zu denken lernte, hasst nicht mehr.

Nähme die Mehrzahl der Christen noch heute die Bibel beim Wort, unterschieden sich
westliche Staaten kaum von der Mullahherrschaft im Iran.

Religiöser Wahn bleibt einer der Eckpfeiler des Terrorismus. Noch jeder totalitäre Glaube hat Leichenberge versetzt.
Wir erleben die Flucht in die Märchenwelt der Schwarz-Weiß-Malerei und in die Terrorwelt des Fundamentalismus.
Strikt Gläubigen geht es kaum um historische, philosophische, ethische Probleme, um Wahrheit, bescheidener gesagt,
um Wirklichkeit, sondern um ihr eigenes Problem. Sie können ohne ihren Glauben nicht leben ...


Fan-Gruppen, die mit zwanghafter Loyalität an ihrer Religion hängen, zeigen in der Regel eine klare Sozialstruktur und bewegen
sich in einem Rahmen von Regeln, Konventionen und Ritualen. Alle wissen, wie sie sich mit dem Rudel zu identifizieren haben.
Ihr Wissen orientiert sich an Rollen. Die Novizen mussten solche Normen häufig schmerzhaft erlernen. Sie haben sich
im Lernprozess der Konfessionalisierung langsam verändert: Köperhaltung, Gesichtsausdruck und Gestik
passen nach einiger Zeit zum Rudel. Ihr Denken und Fühlen schließlich auch
...

Der innerste Kreis religiöser Vergesellschaftung? Am augenfälligsten in der Kirche vorgeführt:
Zum Wesen auch dieses Männerbundes, Klerus genannt, gehören besondere Berufung, Auswahl, Abgrenzung.
Diese sind ohne Aggression nicht zu haben. Wer nicht mitmacht oder wen die Gruppe nicht dabei haben will,
muss vergrault, verjagt werden
. Und um seine Rückkehr, die wieder aufgeworfene Fragen und Zweifel
bedeuten würde, definitiv zu unterbinden, wird er entmenschlicht ...


Sie
[Gläubige] verstehen nicht, dass es neben ihnen Menschen gibt, die anders denken, fühlen und handeln.
Ihrerseits lassen sie ihr Leben von ihrer Kirche regeln und sich selbst disziplinieren. Sie akzeptieren die Außenleitung,
verlangen nach einer absoluten, keinen Zweifel zugänglichen geistigen und moralischen "Ein-für-alle-Mal"-Ordnung.
Sie lassen die eigenen Bedürfnisse durch die Erwartungen und Wünsche anderer angeblich berufener Menschen lenken.
Sie bilden eine Art sozialer Antenne aus, die hauptsächlich die Signale des religiösen Herrschaftsmonopols empfängt.
Sie verfügen über Wahrnehmungsabwehr, Verdrängung und Immunisierung gegen Kritik und geben diese als Glauben aus.
Sie lassen sich Wahrheit wie Wirklichkeit exklusiv und unfehlbar deuten und verzichten - Alienismus [Fremdbestimmung]
in Reinkultur - zugunsten einer möglichst totalen Fremdbestimmung durch Religionsexperten auf den Selbststand
im Denken, Fühlen und Handeln. Leugnen und der Vorwurf an andere, sie hätten "das Wesentliche
nicht verstanden", tun ein Übriges ...


Nach dem Philosophen Ludwig Andreas Feuerbach (1804-1872) projizieren Menschen ihre Wünsche
"nach drüben und draußen" und fertigen sich ihren Gott selbst. Dem stimme ich zu - mit einer wichtigen, wenn auch
zumeist verdrängten Einschränkung: Nicht die Menschen sind es, sondern die "Werteväter", die in der Gottesfrage ihre
Interessen bedienen und dem Rest erklären, das sei das Beste für sie
. Kaum jemand wird heute noch behaupten, es
seien Frauen oder Kinder statt Patriarchen gewesen, die für das geltende Gottesbild verantwortlich gemacht werden
können. Der durchweg patriarchal bestimmte Gott kann sich nicht von seinen Schöpfern lösen; er handelt genauso,
wie es seine Väter wollen und selbst praktizieren. Seine Kinder leben aus ihrer Belohnungserwartung. Nähmen wir
ihnen die affektive Bindung an ihren Vater-Gott, an ihre Mutter Kirche,
käme religiöse Herrschaft schnell an ihr Ende ...


Solange in den religiösen Systemen unserer Breiten das typische Schema von oben und unten, Sünde und Erlösung,
Gnade und Strafe, Mensch und Gott beibehalten wird, muss es Herren und Knechte geben ...
Das Problem
der religiösen Herrschaft und Macht von Menschen über Menschen bleibt ein Gottesproblem. Es ließe sich,

wenn überhaupt, nur durch innovative Gottesbilder mildern - und konsequenterweise allein
durch die Aufgabe des Kirchengottes und damit der Kirche selbst lösen.

"Der Staat nimmt die Religion mehr in Schutz, als sie,
hätte sie etwas Stolz, zulassen dürfte"

(Friedrich Dürrenmatt, 1921-1990)

Und

"Der Staat, der sich die Krücke der Religion borgt,
zeigt uns nichts weiter, als dass er lahm ist,
und dem Tyrannen steht es wohl an,
religiöse Ergebung zu predigen"

(Johann Gottlieb Fichte, 1762-1814)

Sicherheit suchen und Frieden suchen ist nicht dasselbe.
Wer Sicherheit sucht, misstraut und trifft Vorkehrungen,
die das Misstrauen anderer nähren. Rücksicht auf das Recht anderer, das ist Frieden. Große Aggressionen lauern
wie kleine Gehässigkeiten unter der Decke der Alltäglichkeit: Revierverhalten, Territoriumsängste, abgrenzen,
ausgrenzen, abwehren, Menschen als Träger von Ideologien sehen, Feindbilder pflegen. Sprache, ein vorgefertigtes

soziales Vokabular, ist Trägerin von Aggression im Umgang mit Anvertrauten, Schwächeren, anderen ...

Die menschliche Konstante Xenophobie, also Angst vor Fremden und Hass auf Fremde, ist, alle Reden von Nächstenliebe
beiseite gelassen, zumindest in der christlichen Religion nicht überwunden worden, nicht einmal sonderlich gemildert.
Das Hindernis auf dem Weg zum Frieden sind Religiöse selbst. Religion ist mit verantwortlich über die Unaufgeklärtheit
des menschlichen Denkens und Handelns. Und Selbstgewissheit, das weiß agnostisches Denken gut, bleibt
der friedensfeindlichste Faktor. Vor allem in der Rivalität der Anschauungen, die für sich beanspruchen, allein
selig zu machen und zu sein, kann eine Ursache von Gewalt, Aggression und Krieg gesehen werden.
Die Eigenart dieses - auch religiösen, auf den wahren Gott, die wahre Religion, die wahre allein selig machende Kirche
bezogenen - Rivalisierens besteht nicht so sehr darin, dass es sich auf begehrte Objekte richtet,
sondern auf das Begehren selbst.

Das Objekt ist nicht als solches begehrenswert, sondern weil es von Rivalen begehrt wird.
So gesehen muss eine Situation
völliger Lähmung menschlichen Zusammenseins eintreten, eine sich fortzeugende, im eigentlichen Sinne grenzenlose Frustration
und Aggression. Entladungen der eigenen Aggression, Freude über den Sieg über den Glaubensrivalen, Jubel über das eigene
Überleben, das siegreich befestigte Bewusstsein, den besseren Gott, die bessere Kirche zu haben, sind typisch.
"Wir sind nicht besser als andere, doch unser Gott ist es" - Kardinal Joachim Meisner, b.1933, Erzbischof von Köln.
Absolutheitsansprüche geraten heute mehr und mehr in die Defensive; umso hartnäckiger geben sie sich.
Je mehr Menschen merken, dass kein Gott sie beschützt, desto mehr meinen sie, ihn beschützen zu müssen.
Der Bekenntniszwang bleibt eine typisch religiöse Erscheinung. Bekenntnis aber zielt auf Bekehrung! ...


Kein einziger von den Hirten, die mittlerweile die Menschenrechte erfunden haben möchten, hat sich je
dafür entschuldigt, dass seinesgleichen uns um wesentliche Inhalte des Menschseins betrogen hatte.
Keine Reue, kein Pardon ... Das Christentum ... war sogar der
"Hauptfeind des moralischen Fortschritts in der Welt"
(Bertrand Russel)."

"Religion stützt sich weithin, wenn nicht völlig, auf Angst vor dem Geheimnisvollen,
Unerklärlichen, vor Niederlagen, vor Zweifeln, vor dem Tod.
Ist aber Angst nicht die Mutter der Grausamkeit."

Bertrand Russell
(1872-1970)
britischer Philosoph, Mathematiker, Logiker
1950 Nobelpreis für Literatur




Agnostizismus
"Eine moderne Lebenshaltung"

agnōstikismós, a-gnoein: nicht wissen, unbekannt, unerkennbar

Der Begriff des Agnostizismus wurde maßgeblich durch Thomas Henry Huxley (1825-95), einem brit. Arzt,
Biologen, Prof. f. Physiologie und vergleichende Anatomie in London (1869) geprägt. 1869 gründete er
gemeinsam mit anderen Anhängern der Darwinschen Lehre die noch heute
hochgeschätzte Fachzeitschrift Nature.

Der Agnostizismus ist ein alter philosophischer Ansatz,
auch wenn der Fachbegriff jung ist.


Agnostische Haltungen lassen sich schon bei:
Buddha, Laotse, Konfuzius, den Vorsokratikern [7-Weisen: Thales von Milet, Pittakos von Mytilene,
Bias von Priene, Solon von Athen, Kleobulos von Lindos, Myson von Chenai, Chilon von Sparta],
Sophisten [Protagoras aus Abdera, Gorgias aus Leontinoi, Hippias von Elis, Prodikos von Keos,
Antiphonaus Athen; Kallikles, Kritias und Thrasymachos von Chalkedon],
Epikur und selbst im Alten Testament [Buch Kohelet/Prediger] finden.

Auch in der Neuzeit und Gegenwart finden sich agnostisch bestimmte Philosophen:
David Hume, Rene Descartes und Immanuel Kant. Hinzu treten die Denkrichtungen des Humanismus,
des Konstruktivismus [Ernst von Glasersfeld, Heinz von Foerster, Paul Watzlawick,]
und des Kritischen Rationalismus (Karl Popper, Hans Albert)


"Eine philosophische Haltung, nach der es von dem Seienden,
von den Dingen an sich
, vom Absoluten
kein definitives Wissen gibt und geben kann
.

Agnostizismus ist jedoch alles andere als ein Glaubensbekenntnis
oder eine Ersatz-Religion.


Es handelt sich um eine Methode - "das starke Leben mit der Stimmenthaltung"-,
deren (dessen) Kern in der Anwendung eines Grundsatzes liegt:


Folge deiner Vernunft, soweit sie dich trägt,
ohne einer anderen Erwägung dein Ohr zu leihen
,
und gib Folgerungen
, die nicht nachweisbar sind,
nicht für sicher aus
.

Der Agnostizismus stellt die Frage,
woher wir eigentlich wissen,
dass die Quellen unseres Wissens
und erst recht unserer Überzeugungen
überhaupt zuverlässig sein können.


Die forschungspraktische Grundhaltung, nichts ungeprüft zu lassen
und nicht mit endgültigen Resultaten zu rechnen, wird als
methodologischer oder pragmatischer Agostizismus bezeichnet
.

Agnostizismus ist in einem umgreifenden Sinn der Versuch einer
besonnenen und gelassenen Antwort auf Lebensfragen schlechthin,
ja einer "Diagnostik und Therapie des Denkens".


Der akzeptierte Zweifel, der vor Stress bewahrt, auch vor dem,
den mancher Kirchenglaube mit sich bringt, kann
zum willkommenen Weggefährten werden.

In Bezug auf Religion, durchaus nicht seinem exklusiven Terrain, geht der Agnostizismus davon aus,
dass Götter mit den Mitteln menschlicher Vernunft nicht erkennbar sind - intelligibler A. oder dass,
für die Annahme von Göttern nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten, die Beweise/
Belege fehlen - szientistischer A.. Der vor allem im angel-sächsischen Raum so genannte
schwache A. sagt, dass Götter möglicherweise nicht oder noch nicht erkennbar sind
("Ich weiß nicht, ob Gott existiert"), der starke A., dass Götter mit den Mitteln der
menschlichen Vernunft prinzipiell nicht erkennbar sind ("Niemand kann wissen,
ob es einen Gott gibt"). "Gott? Mir ganz egal" kennzeichnet den so
genannten apathischen A./Ignostizismus.


Der aporetisch-änigmatische A. nimmt Ausweglosigkeit ernst, die nicht überschritten werden
kann (Aporie). Er will das Rätsel (Aenigma) der Welt nicht lösen, doch bewusst machen.
So kann die menschliche Befindlichkeit in ihrer Ausgesetztheit und Unklarheit
sogar als absurd erscheinen."


"Während der analytische Agnostizismus sich an Geschichte weder methodisch noch faktisch interessiert und sich von ihr
aus nicht ernstlich tangieren lässt, erkennt der aporetische Agnostizismus einen geschichtlichen Zusammenhang,
ja eine humane Solidarität an, die ihn mit all jenen verbindet, die in der Geschichte um die Gottes- oder Transzendenz-
problematik sich abgemüht haben: leidend, fragend, klagend, verstummend, revoltierend, sich unterwerfend.
Der aporetische Agnostizismus setzt also eine Hauptlinie des Philosophierens, aber auch die Tradition des bewussten,
leidvollen Existierens fort, indem er jene geschichtlichen Erfahrungen zulässt, präzisiert, ja radikalisiert, die man
als Leiden an Gott, Leiden an der Welt, Leiden am Problem des Bösen bezeichnen kann, jedoch auch das Verlangen,
dass dieses Leiden enden, Klarheit und Versöhnung wirklich werden, Hoffnungen und Sehnsüchte
nicht unerfüllt bleiben mögen."
(Heinz Robert Schlette)

Was macht das Leben als Agnostiker aus?
Das ist vielleicht eine so gute Frage, dass sie sich gar nicht eindeutig beantworten lässt.
Manchmal gibt es keine Antworten, es gibt nur Vorschläge, Angebote, Ideen und Denkanstöße
- und die Antworten? Die muss dann jeder für sich selbst finden.
Frei sein, kann manchmal auch anstrengend sein ...

Es mag paradox erscheinen, doch trägt das agnostische Leben im Ungewissen
ein Mehr an Selbstsicherheit in sich als das ständige Glauben- und Bekennen-Müssen.
Agnostiker betrachten ihre Skepsis nicht als Bedrohung ihrer Menschenwürde, im Gegenteil.

Während Kirchengläubige sich keine Zweifel erlauben dürfen, und schon gar nicht auf Dauer,
macht die skeptische Haltung des Agnostikers frei, und das ein Leben lang.
Der Zweifel wird als Begleiter hin zu neuem Wissen, nicht als Feind für das eigene Weltbild erlebt.
So gesehen können wir den Zweifel und damit die ganze Kette der abwechselnden Meinungen
in der Frage nach Wahrheit oder Falschheit als willkommene Weggefährten begrüßen,
ohne uns an eine Verehrung des Fragezeichens zu verlieren. Neugierde, die immer gilt, und
Experimentierfreude dürfen es schon sein. Sie machen ein lebendig und jung bleibendes
Denken ohne Dogmen aus. Agnostiker sind jedenfalls keine kritischen Welterlöser,
die neuerdings die religiösen Welterlöser abgelöst hätten.

"Die Geschichte vom unsichtbaren Gärtner
Es waren einmal zwei Forschungsreisende, die kamen zu einer Lichtung im Dschungel,
wo viele Blumen und Kräuter wuchsen. Da sagte der eine Forscher:
"Es muss einen Gärtner geben, der dieses Stück Land bebaut."
Der andere widersprach: "Es gibt keinen Gärtner."

Da schlugen sie ihre Zelte auf und überwachten die Lichtung. Aber kein Gärtner ließ sich blicken.
"Vielleicht ist es ein unsichtbarer Gärtner." So zogen sie einen Zaun aus Stacheldraht und setzten
ihn unter Strom. Und sie schritten ihn mit Spürhunden ab. Kein Schrei aber ließ jemals vermuten,
dass ein Eindringling einen Schlag bekommen hätte. Keine Bewegung des Drahtes deutete jemals
auf einen Unsichtbaren hin, der hinüberkletterte. Auch die Spürhunde schlugen niemals an.
Dennoch war der Gläubige noch nicht überzeugt. "Es gibt doch einen Gärtner, unsichtbar,
unberührbar, unempfindlich gegen elektrische Schläge, einen Gärtner, der keine Spur
hinterlässt und keinen Laut von sich gibt, der aber heimlich kommt
und sich um den Garten kümmert, den er liebt."


Schließlich sagte der Skeptiker verzweifelt:
"Was ist denn eigentlich von deiner ursprünglichen Behauptung übrig geblieben?
Wie unterscheidet sich denn dein unsichtbarer, unberührbarer, ewig ungreifbarer Gärtner
von einem eingebildeten oder gar von überhaupt keinem Gärtner?"
"

Quelle: Anthony Flew (1923-2010, englischer Philosoph): "Der unsichtbare Gärtner", in: Paul Matthews van Buren (1924-1998),
"Reden von Gott - in der Sprache der Welt – zur säkularen Bedeutung des Evangeliums" Zwingli Verlag, Zürich 1965, S. 8f.

Die Geschichte vom Gärtner zeigt, wie eine Aussage Schritt für Schritt durch Qualifikationen
eingeschränkt wird, bis die ursprüngliche Aussage aufgegeben ist und ein sinnloser Satz
übrig bleibt. Die Hypothese stirbt an tausend Qualifikationen. In der fortschreitenden
Einschränkung durch Qualifikationen sieht Antony Flew [1923-2010]
die spezifische Gefahr theologischer Sätze
...

Damit aber wird "Gott" [der Gärtner] zum Abladeplatz aller Fragen,
auf die wir keine Antwort wissen und wissen können.


Mag auch noch so viel Leid, Unglück, Not, das Verhungern von Millionen Unschuldiger
über die Menschheit kommen, der Glaubende wird sich von seiner Aussage, dass
Gott den Menschen liebt, nicht abbringen lassen. Er betreibt, so der Philosoph Hans Albert,
eine Strategie der Immunisierung. Da Antworten im Übrigen neue Fragen aufwerfen,
wird sich der "Abladeplatz" nie völlig leeren.

ZITATE: Hans Albert / Stelle keine festen Behauptungen auf >>>

In der Praxis besagt die Haltung des Agnostikers:

"Ich meine nicht, dass es sicher ist, dass es nichts Derartiges wie Gott gibt.
Nein, ich glaube, dass das genau auf der gleichen Ebene liegt, wie die Götter des Olymps oder
die nordischen Götter; auch sie mögen existieren, die Götter des Olymps oder der Walhalla.
Ich kann nicht beweisen, dass sie nicht existieren, aber ich glaube, der Gott der Christen
besitzt keine größere Wahrscheinlichkeit als sie. Ich meine, sie sind bloße Möglichkeiten"
(Bertrand Russel)

Das Problem agnostischer Toleranz
Toleranz beschreibt die Fähigkeit, eine Form, oder - bis zur jeweiligen Toleranzschwelle - viele Formen des Andersseins
oder Andershandelns, insbesondere Herkunft, Religion, Neigungen, Moral oder Überzeugungen, zu verstehen suchen,
nicht zu bekämpfen. Toleranz bezeichnet allgemein das Dulden oder Respektieren von Überzeugungen, Handlungen oder
Praktiken, die einerseits als falsch und Norm abweichend angesehen werden, andererseits aber nicht vollkommen abgelehnt
und nicht eingeschränkt werden. So der Philosoph Rainer Forst [b.1964]. Als herrschende Einstellung einer Gruppierung
oder Gesellschaft meint Toleranz das Gewähren lassen von Einzelnen oder Gruppen, deren Glaubens- und
Lebensweise vom etablierten religiösen oder gesellschaftlichen System abweicht.
Sie ist nicht gleichbedeutend mit Übereinstimmung.

Und Intoleranz?
Ein Beispiel: Heute ist Intoleranz umschrieben, indem Begriffe wie "pauschal", "undifferenziert" u. Ä.
gebraucht werden, lauter Todschlagwörter im mittelmäßigen Wissenschaftsbetrieb. Einem Autor
wird eine undifferenzierte, pauschalierende Sicht unterstellt, eine neue Strategie der Selbst-
immunisierung unter pseudowissenschaftlichem Anspruch. Doch niemand sagt definitiv,
was Wissenschaft ist, niemand kann sagen, was endgültig Wahrheit bedeutet
...

Toleranz im Sinne eines Toleranzbereiches, so der Soziologe Roland Seim [b.1965], wird
bei gewaltlosem, auf Einigung zielendem Verhalten geübt. Toleranz kann so Gewalt vermindern.
Intoleranz und Anpassungsdruck können Gewalt und soziale Destabilisierung bewirken.

Toleranz bedeutet folglich die Schaffung eines Spielraums für Menschen mit "abweichendem"
sozialem Verhalten und anderen Normen. Toleranz richtet sich auf Menschen, denen wegen
ihrer Andersartigkeit ein sozialer Ausschluss droht. Anstelle eines rigiden Vorgehens gegen das
Abweichende erfordert Toleranz, dass von einer Norm abweichende Menschen oder Gruppen
diesbezüglich nicht behindert werden.


"Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet,
den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden"
(Friedrich Nietzsche)

Toleranz bedeutet auch, dass wir die Benachteiligungen des Anderen gegenüber
dem Gleichen aufzuheben suchen. Wie Vorstellungen von gleich und anders unterliegen jedoch
einem starken Wandel. Historisch gesehen waren politische und religiöse Toleranz die wichtigsten
Aspekte der Toleranz, da Unterschiede in politischen und religiösen Systemen zu zahllosen Verfolgungen
und anderen Verbrechen geführt haben. Die Autoren der Aufklärung, besonders Voltaire und Lessing,
verhalfen der religiösen Toleranz zum Durchbruch und waren von großem Einfluss
auf die westlichen Gesellschaften.

Der Satz "Es gibt nur eine Sache, die ich nicht zulassen kann: Intoleranz" verdeutlicht,
dass es Begrenzungen der Toleranz gibt. Insbesondere kann eine tolerante Gesellschaft keine solche
Intoleranz zulassen, die sie zerstören würde. Daher können wir von einem Paradoxon der Toleranz
sprechen. Wer Intoleranz toleriert, ist sowohl tolerant als auch intolerant. Wer Intoleranz nicht toleriert,
erscheint intolerant, bewahrt aber Toleranz.
Besonders deutlich wird dieses Problem anhand einer
Massenmeinung A und einer Massenmeinung B. Beide Meinungen sind verschieden, halten sich
für richtig und die andere für verwerflich. Die Prinzipien beider sind unbeweglich.

In vielen Ländern kommt es zu Problemen mit der Toleranz bei Homosexualität, Konsum von Alkohol und
anderen Drogen, kritischer politischer Literatur und Publizistik oder abweichenden sexuellen Handlungen.
Dabei sind die Probleme in manschen Fällen bedingt durch den Konflikt zwischen persönlicher Freiheit des Einzelnen
und potenzieller Schädigung von Dritten - etwa durch Passivrauchen. Hierbei ist zwischen der Person mit ihrer
Einstellung und ihrer Handlung mit ihren Auswirkungen zu unterscheiden. Der Toleranzbegriff bezieht sich
auf die Einstellungen und Denkweisen einer Person, während eine Handlung, besonders eine schädigende,
sich dem Toleranzbegriff entzieht.

In der Sozialethik bedeutet Tolerieren, dass ein Mensch oder eine Gruppe nach Maßgabe der Gleichberechtigung
störende Einflüsse, die von anderen Menschen oder Gruppen ausgehen, nicht mit Sanktionen ahndet. Da Toleranz
auch Fanatiker entwaffnen kann, haben überzeugungsstarke soziale Bewegungen mitunter Schwierigkeiten,
ihnen argumentativ entgegenzutreten. Herbert Marcuse [1898-1979] wählte den Begriff "repressive Toleranz",
um die Ausweitung der Toleranz auf Situationen, Verhaltensweisen und Machtverhältnisse zu kennzeichnen,
welche "die Chance, ein Dasein ohne Furcht und Elend herbeizuführen, behindern".
Nein, Agnostiker sind durchaus nicht immer und überall "tolerant
...

Der eingeübte Agnostizismus unterstützt unser geistiges Wohlbefinden. Ich bezeichne ihn als eine wirksame
Therapie des Denkens: Agnostisches, überlegtes, selbst beherrschtes Denken entspannt einen Menschen, weil dieser
nicht immer wieder seine Ängste im Diesseits bedenken und für jene im Jenseits voraussorgen muss. Agnostisches
Denken führt mit der Zeit zu einer besonderen Einstellung, nämlich zur Fähigkeit, auch in heiklen Situationen eine
unvoreingenommene Haltung zu bewahren und den Verstand die Oberhand behalten zu lassen. Agnostisches Denken
ist von Besonnenheit und Gelassenheit geprägt. Es ist das Gegenteil von Unruhe, diesseitiger und "jenseitiger"
Lebensangst und Glaubensstress
...

Agnostizismus ruht in sich selbst, gerade weil er eine Methode der offenen Flanken ist. Er glänzt nicht mit
Widerspruchslosigkeit. So werden Sie mir Widersprüche nachweisen können; ich freue mich darauf. Auch
wenn sie stets bereit sind, sich korrigieren zu lassen, vermögen Agnostiker nicht zu lösende Denkprobleme
auszuhalten bis zuletzt. Sie haben es nicht nötig, früher oder später wieder eine Macht einzuführen,
die dem Wissen womöglich durch Glauben - Sicherheit schaffen soll.

Agnostisches Leben ist nicht egoistisch: Auch wenn ihm vorgeworfen wird, sein Selbststand im Denken lasse sich nicht
beraten, ist es, wenn überhaupt, ungleich weniger egoistisch bis narzisstisch als etwa religiöse Systeme. Diese leben
nach wie vor in einer "Rette-deine-Seele"-Welt. Sie erwecken zumindest den Eindruck, alle Realität der Dinge gruppiere
sich um sie und ihre Probleme wie Interessen herum, ja alle Antworten seien vor allem ihretwegen,
zu ihrem Vorteil und Gewinn gegeben.

Agnostisches Denken ist eine methodische Voraussetzung für die Befreiung der Philosophie von der Theologie.
Es bereitet eine Trauerarbeit am Ende des Christentums mit vor, auch wenn es sich nicht nur
um Probleme einer Religion kümmert, sondern umfassender ausgerichtet ist.

Ein aporetisch-enigmatischer Agnostizismus erscheint aufrichtiger als der kalt wirkende analytisch-rationalistische.
[Aporie: Ausweglosigkeit, Enigma: Rätsel] Er bringt die Überzeugung zum Ausdruck, dass einerseits die Rechnung des
Menschen in seiner Welt ohne Gott nicht aufgeht, umgekehrt aber auch nicht mit dem Glauben an Gott. Hinsichtlich der
Gottesfrage finden sich heute viele Menschen in einer merkwürdigen Situation. Einmal erscheint die Existenz Gottes als die
größte Selbstverständlichkeit, sodass wir uns fragen, wie jemand daran ernsthaft zweifeln kann. Ein andermal erscheint die
Annahme der Existenz Gottes als unannehmbare Zumutung, angesichts der wir am liebsten das Handtuch werfen
möchten. Gleichgültigkeit oder Feigheit antworten da freilich nicht, Gelassenheit und Besonnenheit schon
...

Agnostizismus lebt nicht in Gleichgültigkeit dahin, weil sich seine Vertreter praktisch um nichts kümmern,
sich für nichts interessieren. Das Gegenteil ist wahr: Agnostikern ist nichts gleich gültig. Sie wollten seit jeher wissen,
was vorgeht, auch wenn sie davon ausgehen, dass das jeweils erreichte Wissen kaum das endgültige sein kann.
So gesehen ist Agnostizismus die allem Neuen am meisten aufgeschlossene Denk- und Lebenshaltung.
Ist eine solche nicht wertsteigernd und bereichernd?

Eines der größten Missverständnisse ist, agnostisches Denken als rein theoretisierende, abgehobene Angelegenheit,
als elitäres Gedankenspiel zu betrachten. Das Gegenteil ist richtig: Agnostizismus trifft das Leben, den Alltag.

So einfach ist das - und so komplex. Ich denke selbst, um mich aus dem möglicherweise endlosen Kreisverkehr
der Fremdbestimmungen zu lösen. Ich möchte weder von einem Gott, also alienistisch, noch von Menschen und
schon gar nicht von Wertevätern vorausgedacht, mitbedacht und in ein fertiges theistisches oder atheistisches
Denksystem verpackt werden. Ich plädiere für Souveränität [Selbstbestimmung] und versage mich der Fremd-
bestimmung, die mein Denken, Fühlen und Handeln lenken will. Autarkie, Selbststand, galt in der griechischen Antike
als Weisheit. Und Selbstfindung kann nicht schaden, auch wenn es sich um eine anspruchsvolle und anstrengende
Angelegenheit handelt.

Werden Probleme richtig angegangen, haben sie ihr Gutes. Über sie nachzudenken,
bedeutet sich selbst zu belohnen.

Obwohl ich weiß, dass wir am Vorabend einer Revolution des Wissens um Vernunft und freien Willen stehen und ich
mein Denken niemals ganz werde befreien können, versuche ich ein eigenständig befreites Denken und Leben, für
dessen Möglichkeiten ich mich entschieden habe und immer wieder entscheide. Den Schmerz des Vorläufigen
und Nicht-zu-Lösenden auszuhalten, ist in dieser Entscheidung enthalten.

Theisten und Atheisten haben sich dagegen bereits entschieden. Darin zeigt sich ein wichtiger Unterschied zum Agnostizismus.
Dieser bedeutet - nicht nur in Bezug auf die Frage nach Gott oder nach dem Christentum - "die Bedingung der Möglichkeit freier
positiver oder negativer Entscheidung"
(Heinz Robert Schlette). Er macht diese Bedingung erst in vollem Umfang bewusst.

In ethischer Hinsicht bedeutet ein humanistischer Agnostizismus als Lebensform, für die mein Denken sich entscheidet,
die Abwehr bestimmter Zeitbedingtheiten und -beliebigkeiten, aber auch der antihumanen Fehlhaltungen von Menschen,
von denen ich exemplarisch Fanatismus nenne, zudem Intoleranz, Alienismus, Possessionismus, Sekurantismus,
Dichotomie zwischen Freunden und Feinden.

Was meinen Sie zu alldem?

Sie können sich im Zerpflücken meiner Formel - Cogito, ne cogiter - üben.
Oder sie übernehmen und als Basis für weitere Formeln nutzen.
Cogito, ne cogiter - Ich denke, um nicht gedacht zu werden.

Ist es jedoch schon bedenklich, den Menschen mit Hinweis auf nicht zu beweisende Wesen
Furcht und Schrecken einzujagen
und Ethik auf eine Illusion zu gründen, so lenkt es
die Aufmerksamkeit der Handelnden in eine falsche Richtung,
wenn sie das Gute aus Furcht vor Strafe tun
...

Grundsätzlich:
Eine Gottbezogene Ethik ist wie eine Pyramide aufgebaut. Als oberste Instanz dient eine personale Gottheit,
die Normen diktiert und deren Befolgung überwacht. Sie ist aufgrund ihrer Unzugänglichkeit nicht anzusprechen.
Mit ihr kann nicht diskutiert oder gar gerechtet werden, sie bleibt "inappellativ". Die in den heiligen Schriften
niedergelegten offenbarten Gebote gelten als indiskutabel. Ein Diskurs, der seinen Namen verdient,
kann unter solchen Vorgaben nicht geführt werden. daher muss jede theistische Ethik in
zeitloser Sterilität verharren, weil Weisheit und Güte Gottes eine Perfektion der obersten Normen
implizieren, die jede kritische Diskussion erstickt.

Bleibt Gott nicht anzusprechen, ist es unerlässlich, dass sich Vermittlungsinstanzen bilden,
die seinen Willen auslegen. So wird es möglich, zu beliebig vielen Fragen Stellung zu nehmen
und für die Resultate dieser Tätigkeit Gehorsam einzufordern, als hätte Gott selbst gesprochen
.

Neuere Beispiele sind Homosexualität, Schwangerschaftsabbruch, Geburtenkontrolle.
Die Reihe ist fortzusetzen. Über die ähnlich endlose Reihe vergangener Fehldeutungen schweige ich besser.
Es ist eben nicht leicht, sich wie die Päpste als Sprachrohre eines Gottes zu betätigen, dessen Existenz noch
nicht einmal zu beweisen ist, und der sich, wenn er denn existierte, für das Schweigen entschied.

Sie sehen, der Konflikt zwischen Religion und Agnostizismus ist alt,
und es hat sich über die Jahrhunderte nicht viel verändert.

Im Blickpunkt einer tatsächlich wirklichkeits- und menschennahen Ethik, so Bernulf Kanitscheider [b.1939],
muss die Beziehung des einen zum anderen Menschen stehen. Beide wollen glücklich werden und ein
erfülltes Leben führen. Um die entsprechenden Handlungsnormen zu erarbeiten, sind weder absolute Werte
noch übernatürliche Kontrollinstanzen dienlich. Nur der Rückgriff auf das aufgeklärte, langzeitlich orientierte
Selbstinteresse
hilft weiter. So besteht kein Zweifel, dass nicht alle simultanen Interessen aller in einer
Gemeinschaft lebenden Menschen zugleich erfüllt werden können. Es gibt Konkurrenz und Handlungs-
spielräume, Güter, Subventionen und vieles mehr. Hier müssen einvernehmliche Regelungen getroffen
werden, damit allen wenn auch nicht das maximale, so doch ein optimales Glück zuteil wird.

"Das Geheimnis des Anfangs aller Dinge
ist von uns nicht zu lösen, und
ich muss damit zufrieden sein,
Agnostiker zu bleiben"
Charles Darwin
(1809-1882)
Britischer Naturforscher
Einer der "Väter" der Evolutionstheorie


"Zehn Gründe, agnostisch zu leben

Millionen Menschen haben sich für ein agnostisches Leben entschieden,
auch wenn sie selbst das nicht in jedem Fall artikulieren können oder wollen.

Ich fasse Gründe zusammen, die für eine agnostische Lebenshaltung sprechen.
Es steht jedem frei, diese angstfrei und rational zu überprüfen, sie zu modifizieren,
sich anzuschließen - oder das Ganze als für ihn persönlich unpassend abzulehnen.




1. Lebensentwürfe zu erproben, verleiht Lebenssinn

Der „Zeitgeist"-Vorwurf trifft agnostisches Denken nicht, wenn Agnostiker auch bewusst in der Gegenwart leben
und nicht nur auf die Zukunft starren (carpe diem-Prinzip: Pflücke, nutze den Tag!). Sie erproben fürs Leben gern,
doch sie geben das Geprüfte nicht als allgemein gültig aus, sondern wahren die Freiheit anderer Menschen.

Suchen ist ihnen lieber als Ein-für-allemal-gefunden-haben. Eine Rückkehr zur Religion erscheint ihrer Sinnsuche
nicht angemessen. Agnostizismus ist sowieso kein alternatives theologisches System, keine verbindliche Anleitung
zur Welterklärung. Agnostiker lassen nicht immer Absicht walten, doch Vorsicht - vor allem gegen die Zuversicht,
die manche wohlfeil im Munde führen.



2. Sich kein beliebiges Denken zu erlauben, steht Denkenden gut an

Über Parkplätze des Denkens verfügen Agnostiker nicht, sofern sie nachdenklich bleiben und nicht denkfaul werden.
Sie müssen selbst entscheiden, an welcher Stelle ihr Denken pausieren darf. Niemand setzt dem agnostisch Denkenden
einen Reflexionsstopp entgegen. Das bedeutet auch, dass der Agnostiker im Ungefähren leben muss.
Weltsichten sind nicht einheitlich, sondern zusammengesetzt.

Agnostiker lassen sich jedoch keiner Diktatur der Beliebigkeit unterwerfen. Agnostizismus bedeutet zwar kein
dogmatisches, sondern ein offenes System. Gleichgültigkeit bedeutet das aber nicht. Diese ist kein Lebenselixier.
Agnostisches Denken öffnet keine Tür in ein „Paradies der Beliebigkeit" (Joachim Kahl).



3. Selbst die Vernunft nicht als fehlerfrei zu betrachten, vermeidet Irrwege


Agnostiker trauen nicht blindlings der Vernunft, zumal unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Erkenntnis
begrenzt bleiben. Stellen sie Fortschritte in Erkenntnis und Wissen fest, freuen sich Agnostiker.
Doch sie sind sich bewusst, dass es sich nur um Marken auf einem langen Weg handelt,
dessen Ende niemand kennen kann.



4. „Ewigen" Wahrheiten Zeit zur Selbstwiderlegung zu geben, macht Spaß


Agnostiker finden nicht ständig irgendwelche ewigen Wahrheiten. Sie bleiben offen für die bessere Einsicht.
Sie leugnen nicht die Möglichkeit von Phänomenen, von denen unsere Schulweisheit nur träumt,
schwärmen aber nicht ins Blaue hinein, geben nicht vor, zu wissen, was sie nicht wissen.
Ihnen erscheint selbst das Erörtern transzendenter Fragen nicht sinnlos.
Eine definitive Antwort schließen sie allerdings aus.



5. Keine Angst vor dem zu haben, was wir ohnehin nicht wissen können, beruhigt


Agnostiker halten es für unvernünftig, etwas zu fürchten, solange wir nicht wissen, ob es uns schadet oder nützt.
Und da wir beispielsweise nicht wissen, ob die Person im Zustand des Todes Schaden nimmt,
ist es unsinnig, den Tod als Endzustand zu fürchten.



6. Ehrlich durch das Leben zu gehen, macht Menschen zu Menschen


Die Urteilsenthaltung der Agnostiker ist keine entscheidungsschwache Feigheit. Sie wirkt resignativ, ist
jedoch ehrlich. Sie arbeitet und erbt nicht nur, wie es Kurt Tucholsky [1890-1935] anderen vorgehalten hat:
„Diese Kirchen schaffen nichts, sie wandeln das von andern Geschaffene,
das bei andern Entwickelte in Elemente um, die ihnen nutzbar sein können."



7. Bereitschaft zum Frieden, nicht aber zu flügellahmer Toleranz zu zeigen, spart Energie


Agnostiker sind fähig und bereit für Frieden. Ihre Toleranz hingegen ist nicht unbegrenzt. Sie hat mit Starkgläubigen

jeder Herkunft Probleme. Orthodoxe ("Rechtgläubige") sehen im jeweils Anderen das notwendige Nebenprodukt
einer Identitätsbildung, weil die Bestimmung der eigenen Identität immer durch eine Abgrenzung vom Nichtidentischen
vorgenommen werden muss. Der in-group der Gläubigen steht damit die out-group der Anders- oder der Nichtgläubigen
gegenüber. Diese Grenzziehung bedeutet, sich den Ambivalenzen menschlicher Lebensmöglichkeiten
und -erfahrungen zu verschließen.



8. Bescheidenheit gegenüber den Fragen der Welt zu beweisen, beglückt


Agnostiker halten Gewinne an Bescheidenheit für menschlichen Fortschritt. Sie leben in intellektueller Demut
vor den Rätseln der Welt. Die Welt ist für sie nicht so eindeutig zu erklären wie für Orthodoxe jeder Lesart.
Agnostiker neigen mehr zum Infragestellen als zum Jasagen, mehr zum Widerspruch als zu irgendeinem Konsens,
zur Entgötzung mehr als zur Vergötzung von Vorbildern und Systemen - und freuen sich, wenn sie durch die Realität
bestätigt werden (Karlheinz Deschner).



9. Auf Rechthaberei zu verzichten, bewahrt vor Stress


Agnostiker haben es nicht nötig, ihre Lebenshaltung ständig als überlegen auszugeben, wie das Theisten, aber auch Atheisten tun.
Agnostiker wissen, dass ihre Haltung vor jener Langeweile bewahrt, die zusammen mit der anderen „Lebensebbe" (Ernst Bloch),
dem Überdruss, weithin die Menschen prägt. Agnostisches Denken hält neugierig, es macht weltoffen und kreativ - aber nicht arrogant.
Eine typische Großmannsucht darf nur denen bescheinigt werden, die stets ein „Ich-bin-besser-als-du"-Gesicht tragen,
weil sie zu wissen glauben, was wahr ist und wie allein richtig zu leben ist.



10. Selbst denken spart Geld


Agnostiker sind Aufklärer, keine Missionare. Sie schätzen nicht die Mitläufer und Nachläufer,
nicht die kritikimmunen Überzeugungen. Sie gründen weder Parteien noch Sekten
und müssen keine Funktionäre bezahlen."


"Agnostizismus - Freies Denken für Dummies"



Prof. em. Dr. Horst Herrmann
(b.1940)
Deutscher Kirchenrechtler, Kirchenkritiker
Soziologe, Schriftsteller




"Wer immer bisher das Christentum kritisierte,
musste den Vorwurf hören, er streite gegen eine Karikatur.
Fahrlässig oder böswillig entstellt, einseitig, vorurteilsvoll sei sein Bild von ihm.
Das wahre Christentum sei ganz anders und werde von der Kritik nicht betroffen.

Um diesem apologetischen Manöver ein für allemal den Anschein der Legitimität zu entziehen,
muss der Kritiker darauf verzichten, selber das Wesen des Christentums bestimmen zu wollen,
und den Theologen folgen, die da sagen: "Was Christentum ist, bestimmen wir."

Die Methode, von dem auszugehen, was die Christen selber als christlich ausgeben, scheint
in eine unaufhebbare Verlegenheit zu führen: Die Christen wissen selber nicht, was christlich ist.
Was die einen als heiligsten Willen Gottes befolgen, gilt andere als dämonischer Irrweg."


Joachim Kahl
(b.1941)
Deutscher Philosoph, Soziologe, Politologe, Theologe, Religionskritiker
„Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott“
Kapitel I:
"Von der Unmöglichkeit, inhaltlich eindeutig und verbindlich zu bestimmen, was christlich ist"
Seite 16. Rowohlt Verlag Erstausgabe 1968; Mit Einführung von Gerhard Szczesny (1918-2002)


"Warum wagen es die Theologen nicht, in die Glut zu blasen,
die da unter der Asche einer archaischen Sprache schwelt,
um neu zum Leben zu erwecken, was sich unter
einer dicken Schicht historischer Ablagerungen
auch heute noch durch seine Ausstrahlung
bemerkbar macht?

Warum nur immer diese ängstliche Abwehr allen
derartigen Ansätzen und Versuchen gegenüber?


Warum so viel Kleinmütigkeit bei denen, die doch
davon überzeugt sind, im Besitz einer unantastbaren,
endgültigen Wahrheit zu sein."

Hoimar von Ditfurth
(1921-1989)
Deutscher Arzt, Journalist
in seinem Buch "Wir sind nicht von dieser Welt"
(1981, S.139f)

Aus: Prof. Dr. Franz Buggle (1933-2011, FA f. klinische Psychologie, Religionskritiker)
„Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann.
Eine Streitschrift“ Seite 50, 344. ALIBRI 2004 (1992) ISBN 3-932710-77-0
Hoimar von Ditfurth: „Wir sind nicht von dieser Welt - Naturwissenschaft, Religion
und die Zukunft des Menschen“ HOFFMANN und CAMPE 1982





"Denkverzicht und "schizoides" Akzeptieren widersprüchlicher Positionen werden als
verarbeitete Vereinbarkeit "verkauft". Wenn der berühmte Wissenschaftler X gläubig ist,
so müssen Glaube und Wissenschaft ja vereinbar sein.
Die Kirchen arbeiten ... sehr gerne
und mit einigem Erfolg mit dieser Strategie ... wo man in einer verhängnisvollen Tradition
weltanschauliche Standpunkte immer noch viel mehr autoritativ als argumentativ übernimmt
und beibehält, dank ... des verbreiteten Opportunismus, der inneren Abhängigkeit und der
mangelnden "metaphysischen Zivilcourage" (Günther Anders, 1902-92) vieler Wissenschaftler."

Franz Buggle
(1933-2011)

Prof. Dr. f. klinische Psychologe, Religionskritiker
Aus: „Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift“
B. Die selektive, verfälschend-idealisierende Darstellung der Bibel durch [Hans] Küng und seine Versuche,
eine auch heute noch akzeptierbare Interpretation des Kreuzestodes Jesu zu finden. Unterkapitel c. Weitere Abwehrstrategien:
Die bloße Nennung von Problemen soll ihre Lösung vortäuschen. Uminterpretation problematischer Handlungen und Eigenschaften
des biblischen Gottes in ihr Gegenteil. S. 236 ALIBRI 2004 (1992)


"Gegenüber allen Dogmen verweise ich auf einen anderen Weg, auf den der grundsätzlichen Vorsicht
gegenüber allen ein für alle Mal festgezurrten Wahrheiten. Deshalb untersuche ich
die Möglichkeiten für einen religionsunabhängigen Unterricht. Dann betrachte ich
das Phänomen, dass wir ringsum auf Gläubige stoßen, auf Ganzgläubige,
auf Halbgläubige und auf Viertel- bis Achtelgläubige.

Wofür brauchen sie sogar eine eigene Institution zur Wahrung ihres Glaubens?
Warum kommt Religion, in deren Glauben so viele hineingeboren worden sind,
mit der Realität kaum zurecht? Weshalb fühlen sich Kirchenvertreter genötigt, Anders-
denkende zu unvollkommenen Menschen zu erklären und sie damit zu entmenschlichen?
Weshalb sind "echte Gläubige" auf Stimmenfang? Sind sie zur Missionierung gezwungen?
Deuten sie Unglauben immer schon als Unmoral, zumindest als Ungehorsam gegenüber Gott?
Da ist Vorsicht geboten ...


Ziel der Wissenschaft ist es, Ideen zu finden, die das Sperrfeuer einer Argumentation aushalten ...

Seine Meinung angesichts von Belegen zu ändern, diese Triebkraft intellektuellen Wachstums,
wird im aktuellen kulturellen Klima als Schwäche gedeutet ...


Jene Menschen hingegen, die sich auf fixierte Meinungen stützen, sind ohne diese Stütze
sofort hilflos. Wird ihre Überzeugung beschädigt, fühlen sie sich verletzt und angegriffen.
Und schlagen zurück. Ihr Lamento ist voller Aggression ...


Es ist nicht nur möglich, sondern geboten, die Ideen anderer Menschen aufrichtig, aber fair zu kritisieren.
Wir tragen für unsere öffentlichen und privaten Diskussionen die Verantwortung, wissenschaftliche Bildung
zu fördern, die auf einer Orientierung an Belegen statt auf Voreingenommenheit basiert ...


Glaube, hier im Sinn von blindem Vertrauen auf Autoritäten und Verzicht auf selbständiges Nachdenken
verstanden, kann als Gewöhnung an geistige Grundsätze ohne Gründe umschrieben werden.

Falls aber in einer Diskussion auch Gründe beigebracht werden sollen, können wir davon ausgehen,
dass in religiösen Diskursen meist die folgenden Argumente zählen:


Was Dauer aufweist, ist im Recht:
Da die Kirche schon 2000 Jahre existiert,
muss sie gottgewollt sein.

Was nicht lästig fällt, ist im Recht:
Da viele sich beim Beten glücklich fühlen, muss
die Annahme von Gottes Existenz richtig sein.

Was Vorteile bringt, ist im Recht:
Da Kleriker (Priester) Vorzüge genießen, muss eine Kirche erhalten werden,
die ein Oben (Hirten) und ein Unten (Schafe) kennt.

Wofür Opfer gebracht wurden, ist im Recht:
Da Nonnen ihr Leben der Enthaltsamkeit geopfert haben, muss
ihr Lebensentwurf gottgefälliger sein als die Ehe ..."


"Gesagt werden kann immer nur:
nach den bisher gemachten Erfahrungen scheint alles fraglich,
scheint die Fraglichkeit die eigentliche Wirklichkeit zu sein.
Offen muss dagegen bleiben, ob die weitere Erfahrung
dies bestätigt oder nicht; denn auch die Behauptung
der Fraglichkeit von allem darf von ihrem Wesen her
nicht zur unfraglichen These erstarren."

Wilhelm Weischedel
(1905-1975)
Deutscher Philosoph




"Was können wir unter fundamentalistischem Denken und Leben verstehen?
Eine unserer häufigsten und wirkmächtigsten Erfahrungen ist das Erlebnis,
dass wir uns täuschen können: täuschen in uns selbst, täuschen in anderen,
täuschen in Personen und in "Wahrheiten".

Fundamentalisten sind Menschen, denen solche Erfahrungen fehlen,
weil sie kein Gespür für Irrtum haben oder dieses unterdrücken.


Agnostisches Denken nimmt die grundsätzliche Möglichkeit des Irrtums ernst
.
Freies Denken, für das der Agnostizismus steht, ist eine, besser gesagt, die
Antwort auf fundamentalistisch fixierte Überzeugungen und Verdrängungen ...


Agnostisch Denkende müssen sich nicht ständig zwischen einem Ja und einem Nein entscheiden.
Sie sind zufrieden mit Offenheiten aller Art und keinem festen System verpflichtet - in der
so genannten Gottesfrage weder einem Religionsfixierten noch einem atheistischen.


Es leuchtet ein, dass Vertreter des gebundenen Denkens, nicht zuletzt die Missionare einer Dogmen-Kirche,
ständig Vorbehalte gegen freies Denken äußern. Sie können sich nicht vorstellen, dass Menschen ihr Glück
in der Freiheit finden. Sie wollen nicht glauben, dass frei Denkende nichts so wenig vermissen
wie die abgeworfenen Fesseln.


Daher müssen Religiöse, um ihre eigene Fesselung nicht zuletzt vor sich selbst zu rechtfertigen, jedes
undogmatische Denken schlecht reden. Es darf ihrer Ansicht nach nicht sein, dass andere Menschen
andere Meinungen über wahre Freiheit haben als sie selbst - und sich als glückliche, angstfreie
und gelassene Menschen fühlen."


"Meister, gibt es ein Leben nach dem Tod?" -
"Das weiß ich nicht." -
"Aber bist du denn nicht der Meister?" -
"Doch, aber kein toter Meister"

Zen-Buddhismus
Eine in China ab etwa dem 5. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung
entstandene Strömung oder Linie des Mahayana-Buddhismus
(Meditations-Buddhismus).




"Vielleicht leben Sie schon agnostisch - TEST

Ihr langjähriger Partner, Ihre langjährige Partnerin eröffnet Ihnen beim Frühstück,
er/sie wolle sich wieder zum Glauben bekennen und künftig an jedem Tag des Herrn
zum Gottesdienst gehen.


Wie reagieren Sie?

a) Sie nehmen an, dass es sich um einen Scherz, den Schub einer Geisteskrankheit
oder den Versuch handelt, eine Affäre mit dem Pfarrer zu vertuschen.
Jedenfalls können sie nicht glauben, dass der Vorschlag ernst gemeint ist.

b) Sie Verlangen, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin zunächst einen Gottesbeweis erbringt, und
wappnen sich mithilfe späterer Abschnitte dieses Buches für die mögliche Diskussion.

c) Sie trennen sich noch vor dem Ende des Frühstücks von Ihrem, Ihrer Liebsten,
setzen ihn/sie vor die Tür und lassen die Schlösser auswechseln.

Haben Sie nach diesem Selbsttest nach New Humanist Magazine eine abschließende Antwort erwartet,
muss ich Ihnen sagen: Fertig ist bei unsereinem gar nichts. Nur so viel: es braucht nicht jedes Mal
die Antwort c) des
"Ganz-und-gar" Menschen zu sein, damit Sie sich als "echter" Agnostiker
oder als "wahre" Humanistin fühlen dürfen.

Die Antwort b) des
"Wir-sind-doch-auch-gute-Menschen" Denkens geht auch durch.

Und a) spricht für den heiteren, gelassenen Agnostizismus des "Es-ist-doch-alles-nicht-so-wichtig"
Menschen
, etwa im Sinne von George Bernhard Shaw [1856-1950, 1925 Literatur-Nobelpreis].

Wir werden sehen, dass es sich dabei weder um eine Haltung der Gleichgültigkeit
noch um Feigheit handelt."
...


"In einer Gesellschaft, die zum Tummelplatz von Ratgebern verkam, gibt es
mehr Menschen, die das richtige Leben lehren, als solche, die richtig leben.


Wer nicht auf sich selbst vertraut, wird immer Helfer brauchen.

Früher waren sie schwarz gekleidet und man nannte Sie "Vater" oder "Ehrwürden"
jetzt tragen sie weiß und man nennt Sie "Herr Doktor". Der Profit bleibt.

Es war immer schon etwas teurer, Rat zu suchen und sich belehren zu lassen,
als selbst zu denken."

"Agnostiker halten Gewinne an Bescheidenheit für menschlichen Fortschritt.
Sie leben in intellektueller Demut vor den Rätseln der Welt. Die Welt
ist für sie nicht eindeutig zu erklären wie für Orthodoxe jeder Lesart.
Agnostiker neigen mehr zum Infragestellen als zum Jasagen,
mehr zum Widerspruch als zu irgendeinem Konsens,
zur Entgötzung mehr als zur Vergötzung von Vorbildern
und Systemen - und freuen sich, wenn sie
durch die Realität bestätigt werden.

Dr. phil. Karlheinz Deschner
(b.1924) deutscher Schriftsteller
Es studierte Jura, Theologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte
und promovierte schließlich in der Germanistik zum Dr. phil.




"Angebot an Lernwillige

Wer für sein Leben hinzulernen möchte,
wird Angebote prüfen.


Zehn Gebote oder andere Weisungen im herkömmlichen Sinn kann es
für Agnostikerinnen und Agnostiker nicht geben.

Vergleiche dazu unten: Die zehn Angebote des evolutionären Humanismus


Eine gute Welt braucht keine Worte, die vor Jahrtausenden von unwissenden Männern
gesprochen wurden. Sie benötigt statt einer Fesselung des freien Denkens
einen furchtlosen Blick auf Gegenwart und Zukunft.


Die Annahme von Angeboten in Ihrem Leben wird weder von selbsternannten Autoritäten
noch von einer höheren Macht überwacht oder belohnt. Sie unterliegt allein
der lebenslangen Überprüfung durch Sie selbst.


"Die erste Meinung, welche uns einfällt, wenn wir plötzlich über eine Sache befragt werden,
ist gewöhnlich nicht unsere eigene, sondern nur die landläufige, unsrer Kaste, Stellung,
Abkunft zugehörige; die eigenen Meinungen schwimmen selten obenauf."

Friedrich Nietzsche
(1844-1900)
Deutscher Philosoph, Dichter, klassischer Philologe.

Zu dieser Überprüfung rege ich Sie an

Denken Sie selbst, damit es nicht andere für Sie tun.

Folgen Sie Ihrer Vernunft, soweit sie Sie trägt.

Wägen Sie ab, prüfen Sie gerade das, was Sie für abgeschlossen halten.

Geben Sie Annahmen, die nicht zu belegen sind, nicht für sicher aus.

Seien Sie auch mit Vorläufigem zufrieden, verzichten Sie darauf,
immer etwas Endgültiges anzustreben.


"Der Geist, den mein Fleisch beherbergt, ist ein noch größerer Betrüger
als sein scheinheiliger Wirt. Ihn anzutreffen, muss ich vor allem fürchten.
Denn nichts, was ich denke, hat mit mir zu schaffen. Nichts anderes ist
jeder Gedanke als das Aufgehen fremder Samen."

Ingeborg Bachmann
(1926 Klagenfurt - 1973 Rom)
Österreichische Schriftstellerin - Pseudonym Ruth Keller


Und blicken Sie jetzt auf Ihre Gegenwart und Zukunft

Sie könnten das einzige Leben, das Sie haben, nach Ihrem eignen Ethik-Codex leben.

Sie könnten Ihre Rechte nur von denen anderer Lebewesen begrenzen lassen.

Sie könnten in Sachen, die Menschen angehen, keine Götter anrufen.

Sie könnten nicht übersehen, was im Namen einer Religion geschehen ist und geschieht.

Sie könnten immer wieder die Kriterien überprüfen, nach denen Sie denken und handeln.

Sie könnten sich Ihr Leben lang um weiteres Wissen bemühen.

Sie könnten anderen Menschen Chancen zum Wissen öffnen.

Sie könnten sich für lebenswerte Bedingungen künftiger Generationen einsetzen.

Sie könnten sich für die anderen Lebewesen auf dieser Erde stark machen.


Sie könnten Freiheit wie Frieden einüben und entdecken, wie viel Sinn Ihr Leben bekommt."

"Was nicht unvoreingenommen untersucht worden ist,
ist nicht sorgfältig untersucht worden.
Der Skeptizismus ist daher der erste Schritt
auf dem Weg zur Wahrheit."

Denis Diderot
(1713-1784)
Französischer Schriftsteller



"Immer wieder predigen Kirchenvertreter die Überlegenheit ihrer Konfession.
Immer wieder unterstellen sie Nichtgläubigen ein "unvollkommenes Menschsein
".

Leben nun aber beispielsweise Menschen in Ländern, die kaum ein Christentum kennen,
von vornherein unmoralischer als im christlichen Abendland?

Sind China und Japan Brutstätten des Verbrechens?

Ist in Korea die Unmoral zu Hause?

Wir stellen fest: Jesus von Nazareth brauchte die Moral nicht zu erfinden,
und der Vatikan hat sie nicht etabliert.

Wozu dann die Kirche?

Wie gut, dass agnostisches Denken es nicht nötig hat, ständig seine Überlegenheit zu beweisen.
Wie schlimm, dass Kirchenleute dies tun müssen, zumal sie kaum davon überzeugt scheinen.


"Kannst du, Alles wohlerwogen, behaupten,
dass durch das Christenthum die Menschheit
wirklich moralisch besser geworden sei?"

Arthur Schopenhauer

Agnostisches Denken versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Dienen Dogmen dem duckmäuserischen (untertänigen) Denken?

Können sie sich zur Größe aufrechter Vernunft erheben?"



"Die Religion eines Menschen ist mit sehr wenigen Ausnahmen
die der Gemeinschaft, in der er lebt, was uns beweist,
dass ihn der Einfluss der Umwelt dazu bestimmt hat,
seine Religion anzunehmen
...

Die Frage nach der Wahrheit einer Religion ist etwas anderes als die Frage nach ihrer Nützlichkeit.
Ich bin ebenso fest davon überzeugt, dass die Religionen Schaden anrichten, wie davon, dass sie
unwahr sind.

Den Schaden, den eine Religion anrichtet, ist doppelter Natur. Erstens
hängt er von der Art und Weise der Gläubigkeit ab, die sie von uns verlangt,

und zweitens vom Inhalt der Lehre, an die wir glauben sollen.


Was nun die Gläubigkeit betrifft: Es wird für tugendhaft gehalten, zu glauben - das heißt,
eine Überzeugung zu haben, die nicht durch Gegenbeweise erschüttert werden kann.
Oder wenn die Gegenbeweise Zweifel hervorrufen, dann müssen sie unterdrückt werden ...

Die Überzeugung, es sei wichtig, dies oder jenes zu glauben, selbst wenn es einer unvoreingenommenen
Untersuchung nicht standhielte, ist fast allen Religionen gemeinsam, und alle Systeme staatlicher Erziehung
sind davon durchdrungen.
Die Folge ist, dass der Geist der Jugend verkümmert und mit fanatischer Feindseligkeit
erfüllt wird, und zwar sowohl denen gegenüber, die einen anderen Fanatismus haben, als auch in
noch größerem Maße gegenüber jenen, die jedem Fanatismus entgegentreten.

Wenn es allgemein üblich würde, Überzeugungen auf Beweise zu gründen und ihnen nur jenen Grad
von Gewissheit zuzuerkennen, den ein Beweis rechtfertigt, würden die meisten Übel geheilt, an denen
die Welt krankt. Jetzt aber ist es in den meisten Ländern das Ziel der Erziehung, zu verhindern, dass
eine solche Gewohnheit um sich greift, und Menschen, die sich weigern, an ein System unbegründeter
Dogmen zu glauben, werden für ungeeignet gehalten, die Jugend zu unterrichten. Diese Übel sind von dem
jeweiligen Glaubensbekenntnis unabhängig und bestehen gleichermaßen in jeder dogmatischen Religion.

Die meisten Religionen haben aber daneben noch besondere ethische Grundsätze, die wirklichen Schaden
anrichten. Wenn sich die katholische Verurteilung der Geburtenkontrolle allgemein durchsetzen könnte,
würde das die Linderung von Armut und die Abschaffung von Kriegen unmöglich machen. Der Glaube der
Hindus, die Kuh sei ein heiliges Tier und es sei verwerflich, wenn eine Witwe wieder heirate, verursacht
ganz unnötiges Leiden. Der kommunistische Glaube an die Diktatur einer Minderheit wahrer Anhänger
hat zu einer ganzen Reihe von Abscheulichkeiten geführt.

Manchmal hört man, nur Fanatismus könne einer sozialen Gruppe zum Erfolg verhelfen. Ich finde, das
widerspricht völlig den Lehren der Vergangenheit. Auf jeden Fall aber können nur solche, die den Erfolg an sich
sklavisch anbeten, ihn ohne Rücksicht auf das Ziel bewundern. Ich meinerseits halte es für besser, wenig und
Gutes zu tun als viel und Schlechtes. Die Welt, die ich mir wünsche, wäre frei von dem Gift der Feindschaft
verschiedener Gruppen und imstande zu erkennen, dass das allgemeine Glück eher durch Zusammenarbeit
als durch Zank erreicht werden kann.


Ich hätte gern eine Welt, in der das Ziel der Erziehung geistige Freiheit wäre
und nicht darin bestünde, den Geist der Jugend in einer Rüstung zu zwängen,
die ihn das ganze Leben lang vor den Pfeilen objektiver Beweise schützen soll.


Die Welt braucht offne Herzen und geistige Aufgeschlossenheit, und das
erreichen wir nicht durch starre Systeme, mögen sie nun alt oder neu sein."


Aus: „Warum ich kein Christ bin“ Vorwort Seite 13f. ROWOHLT 1969 (1963)
Bertrand Russell
(1872-1970)
Britischer Philosoph, Mathematiker, Logiker
1950 Nobelpreis für Literatur




"Die Maschine Religion

Menschen, die sich einer verkirchlichten Religion überlassen, dürfen eine unterdessen maschinisierte
Definitionsmacht an sich erfahren. Die Religionsmaschinerie gleicht einer Konserve ideologischer Kraft.
Ihre Leistungen, die Tausende von Jahren und Millionen von Menschen ihrem Sieg geopfert hat, lassen sich
auf Prinzipien maschineller Produktion reduzieren. Das Ganze wird bedient von eigenen "Wertevätern".

"Werteväter" sind patriarchal bestimmte Männer mit erheblichem Einfluss auf Gruppen oder Gesellschaften.
Sie sind fähig wie bereit, sich eine patriarchale Welt zu schaffen. Sie verteidigen Werte, die ihnen selbst
und ihren Interessen am meisten dienen, als seien sie für alle Menschen in den jeweiligen Gruppen
und Gesellschaften notwendig.

Ich mache das Ganze am Beispiel der katholischen Kirche fest, dem Widerpart agnostischen Denkens.
Wir können vieles gegen diese Kirche sagen, eines steht fest: In der Maschinisierung menschlichen Glaubens
bleibt sie unübertroffen.

►Ein eigens als oberster Bediener der Maschine installierter Heiliger Vater muss definitiv wissen und unfehlbar sagen,
was Glaube ist und was dessen wahre Inhalte ausmacht. Er lehrt, dass die korrekte Befolgung seiner Anweisungen
nicht nur die Gruppe sichert, sondern auch den einzelnen Menschen erlöst. Die Definitionsgewalt des Papstes spricht
sich damit eine oberste Kompetenz gegenüber allen Menschen zu, deren Bestes sie angeblich kennt und will
(Erfindung der Maschine).

►Werteväterschaft ist nach einem festen Grundsatz gegliedert: Oben steht einer, der alles weiß, ganz unten stehen
Millionen, denen gesagt werden muss, was richtig und heilsam ist. Das System hat hierarchischen Charakter:
Es legt von oben her das Oben und das Unten fest (Bauanleitung).

►Die wahre Kirche stellt die exklusive Gruppe dar, in der sich wahrer Glaube konkretisiert. Glaube ohne Kirche bleibt
mangelhaft, und Kirche, die kein Oben und Unten kennt (wie protestantische oder sonstige papstfreie Kirchen),
ist keine richtige Kirche. Effiziente Konstruktion und Kontrolle von religiösem Know-how und Glauben benötigen
also eine eigene Verteidigungsorganisation, die wahre Kirche (Wartung).

►Kraft selbst definierter Kompetenz zergliedert das Wort eines Wertevaters die Realitäten der Welt und rekonstruiert sie
nach einem eigenen, sich selbst dienlichen Wertesystem (Autosystematisierung). Der "Heilige Vater" definiert
zum Beispiel, was Natur ist - und was als widernatürlich gelten muss (Geburtenkontrolle, Homosexualität).
Er hat die Natur voll im Griff.

►Wehe dem, der freies Denken schätzt! Für die Zergliederung und Rekonstruktion einer Welt wird reproduzierender
Gehorsam bei den zuvor als nicht definitionsmächtig definierten Gläubigen eingefordert - und nichts anderes,
keine Diskussion, kein offener Zweifel, keine Ketzerei (Funktionalisierung).

►Systemfremdes, freies Denken und Handeln wird ausgegliedert, weil es
die Leistung der offiziellen Maschine schmälert (Leistungswahrung).

►Niemand, selbst der Heilige Vater nicht, ist perfekt. Wo eine jahrhundertealte Systemtheorie Lücken belassen hat,
stellen Werteväter die Maschine der Vorsehung ihres Gottes, die künftige Systembesserungen antreibt,
ergänzend zur Verfügung (Innovation).

Menschen, die solcher Maschinerien bedürfen, gibt es genug
.

Und Ärzte gibt es in großen Mengen. Vatergewalt muss greifbar bleiben. Noch ins kleinste Dorf gehört ein Wertevater.
Noch die niedrigste Kanzel muss besetzt sein. Werteväter betätigen sich nicht zuletzt gegenüber religiös bestimmten Menschen
als Angst- und Hoffnungsmacher in einem. Die Glaubenden sind angehalten, engsten Anschluss an die Gewaltmacht zu suchen.
Sie erreichen ihr Ziel durch korrektes Paktieren mit der Generalmacht Gott.

Worauf ein Mensch setzt, was er seine Hoffnung heißt, lässt sein Wesen schärfer erkennen, als das,
was er für seine Überzeugung ausgibt. Überzeugungen sind anerzogen, Hoffnungen nicht.

Freilich vererbt sich auch eine Tradition der Hoffnung: Martin Luther [1483-1546] besuchte auf dem Rückweg von Rom [1511]
in Augsburg eine Jungfer Ursel (Anna Laminit [1480-1518]), die - wenigstens für eine gewisse Zeit - bei vielen, darunter dem Kaiser
Maximilian I. [1459-1519], im Rufe der Heiligkeit stand. Luther fragte sie, die schon im Jahr darauf [1512] als Betrügerin entlarvt
werden wird, ob sie nicht gerne stürbe, um endlich dieses Jammertal gegen die jenseitige Glorie einzutauschen. Ihr Nein,
die spontane Antwort auf eine echt lutherische Frage, enttäuscht den jungen [Augustiner] Mönch. "Hier weiß ich, wie es zugeht;
dort weiß ich es nicht", hat sie ihm gesagt.

Und wie steht es heute mit der gläubigen Zuversicht?
An vorderster Stelle, sagen die Kenner frommer Zeitgenossen, steht bei diesen die Hoffnung
auf einen Millionengewinn in Lotto. Ihr folgt, in gebührendem Abstand, die Hoffnung auf Gottes Vorsorge
für ihr bescheidenes Leben. Samstags, solange die Kugeln mit den Gewinnzahlen rollen, holt die letztere Hoffnung
die erstere ein. Doch bereits das Wort zum Sonntag stellt die alte Distanz wieder her. Dem Fernsehprogramm und
seiner Abfolge darf daher gedankt werden, schärfen sie doch, wenigstens in dem einen Fall, den Blick für Wirklichkeit.

Kirchenväter suchen Festigkeit. Sie haben ihre Organisation nicht ohne Grund auf einen Fels gegründet:
"Du bist Petrus, der Felsenmann, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen", sagte der Sohn (Mt 16,18).
Und die Hölle wird sie nicht besiegen. In diesem wichtigen, wenn auch nicht unbestrittenen Satz ist Angst am Werk:
Fels, bauen, besiegen. In einer geschlossenen lernunwilligen Gesellschaft kennen alle ihre Ordnung und ihren Gehorsam.
Hier dürfen Kinder und Väter Väter bleiben. Freiheit bedeutet - in dieser Wertevater-Logik - stets Zuwendung einer Gnade,
Belohnung für erwiesene Liebe zum Vater. Kein selbst erarbeitetes oder erkämpftes Gut ...

"Warum nur einige wenige Systeme zur Herrschaft gelangten?
Weil wir so zäh festhalten an Gewohnheiten, aus Furcht vor einem Denken ohne Verbotstafeln
und Gebotstafeln, aus Furcht vor der Freiheit. Die Menschen lieben die Freiheit nicht.
Wo immer sie aufgekommen ist, haben sie sich verworfen mit ihr ... Diese unwürdige Welt
ist das Ergebnis eines ununterbrochenen Verwerfens der Freiheit"

Ingeborg Bachmann
(1926 Klagenfurt - 1973 Rom)
Österreichische Schriftstellerin - Pseudonym Ruth Keller


Fragen sie sich bitte an dieser Stelle:

Haben persönliche Erlebnisse, Enttäuschungen, Schicksalsschläge
Ihren Glauben aufgeweicht und schließlich zerstört?

Sind Sie aufgeklärter, vernünftiger, selbstständiger geworden?

Haben Sie Ihre Kindheit abgestreift und fühlen inzwischen eine tiefe Abneigung
gegen alle Bevormundung durch Institutionen?

Halten Sie die Kirche für rückständig?

Hat sie auf Ihre eigentlichen Fragen einfach keine Antwort?
Ist sie weithin selbst gott- und glaubenslos?


So wird die Sicht auf die Tatsache, dass wir in eine Religion
oder zumindest in eine religiös bestimmte Umwelt
hineingeboren wurden, etwas klarer
...

Inwieweit kann oder darf Kindern eine abweichende, ja sogar eine satirische Durchleuchtung der Religionen
zugemutet werden? Haben Kinder ein Recht auf Religion? Oder haben sie ein Recht auf Aufklärung
und Satire, auf ein klares Denken jenseits aller Denktabus?
...

Peter Riedesser
[1945-2008], Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bejaht diese Frage in Bezug auf ein Kinderbuch [1], das sich satirisch mit Religion befasst:
"... mein Urteil: 'als Gegengift zu religiöser Indoktrination von Kindern pädagogisch besonders wertvoll!' Schauen Sie sich doch
einmal an, was den Kindern in unseren Kindergärten und Schulen sowie in vielen Elternhäusern beigebracht wird!
Mein Kollege, der Psychologe Axel Verderber, arbeitet zurzeit an der Materialsammlung für ein Buch über die Folgen von
Religionserziehung aus psychologischer und psychiatrischer Sicht. Unter anderem untersucht er Kinderbibeln und musste feststellen,
dass auch in neuesten Ausgaben sehr bedenkliche Aussagen gemacht werden. Zum Beispiel sagt Gott in einer Kinderbibel aus dem Jahr
2002 zu Eva nach dem "Sündenfall", dass sie und alle ihre weiblichen Nachkommen ihre Kinder "unter Schmerzen" zur Welt bringen
müssten; in der Geschichte von der Sintflut wird das Ersaufen fast aller Menschen und Tiere in derselben Kinderbibel damit begründet,
dass es Gott "reute, dass er sie gemacht hat"; die Geschichte von Abraham und Isaak, in der der Vater ohne Widerspruch bereit ist,
auf Befehl Gottes seinen Sohn mit einem Messer zu töten und als Brandopfer darzubringen, wird kommentarlos erzählt; die längst -
auch von Theologen - widerlegte fatale Behauptung, dass die Juden die Hauptschuldigen an der Hinrichtung Jesu gewesen seien,
wird Kindern auch noch im 21. Jahrhundert als wahr hingestellt."


[1]
Michael Schmidt-Salomon (b.1967, deutscher Philosoph, Musiker, Autor, Bürgerrechtler), Helge Nyncke (b.1956, dtsch. Illustrator):
„Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“ Alibri 2007

www.schmidt-salomon.de/ferkel.htm

"... fragte das kleine Ferkel jedes Tier, das sie auf ihrer Wanderung trafen. Aber niemand hatte je etwas von einem Gott gehört, weder
die Gans noch der Hase noch der Maulwurf. Erst der schlaue Fuchs wusste Antwort. "Ich hab' mal ein paar Menschen über Gott streiten
hören", sagte der Fuchs. "Sie haben ihm dort auf dem Tempelberg große Häuser gebaut." "Worüber haben sie sich den gestritten?
fragte der kleine Igel. "Ich glaube, sie sind sich nicht einig, in welchem dieser Häuser der Herr Gott nun wohnt", antwortete der Fuchs
und fügte leise hinzu: "Wenn ihr mich fragt, geht besser nicht dorthin! Die Leute da oben sind ziemlich verrückt!" Das kleine Ferkel und
der kleine Igel bedankten sich artig für den guten Rat des Fuchses. Aber sie waren so neugierig, dass sie trotz der Warnung den Berg
hinaufstiegen. Sie mussten doch herausfinden, was ihnen fehlte! ... Als sie nach vielen Abenteuern wieder nach Hause angekommen
waren, sagte der kleine Igel: "Ferkel, ich weiß jetzt, was uns die ganze Zeit über gefehlt hat ..." "Ohne Gott hatten wir keine Angst"!

www.schmidt-salomon.de/ferkel.htm

Die Gefahren einer religiösen Erziehung werden Riedesser zufolge meist unterschätzt:
"Eine solche Erziehung kann die kognitiven Fähigkeiten durch Denktabus, die emotionale Entwicklung
durch Schuldgefühle und Ängste, die Beziehung zum eigenen Körper durch überholte Moralvorstellungen
beschädigen. Hinzu kommt die Gefahr der Induktion von destruktiven Vorurteilen und die Anstachelung
zur Diskriminierung Anders- und Ungläubiger. Da ist Aufklärung in einer frühen Entwicklungsphase
schon sehr hilfreich."


Jürg Frick, Professor für Psychologie und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich.
Buch: „Das Ende einer Illusion. Denkanstöße zu Ethik und Pädagogik der Bibel“ Kapitel 4: "Was (das!) sollen Kinder glauben?!
Eine Kritik an Ethik und Pädagogik in Kinderbibeln" Seite 139-156, ANGELIKA LENZ ERLAG 1999 www.juergfrick.ch,
Der Text: "Das sollen Kinder glauben?! Eine kritische Analyse von Kinderbibeln aus psychologischer Sicht"
erschien erstmalig in MIZ 1/03,
www.miz-online.de

„Ich meine, es würde sehr lange dauern, bis ein nicht beeinflusstes Kind anfinge, sich Gedanken über Gott
und Dinge jenseits der Welt zu machen ... man führt ihm die religiösen Lehren zu einer Zeit zu,
da es weder Interesse für sie noch die Fähigkeit hat, ihre Tragweite zu begreifen ...
Wenn dann das Denken des Kindes erwacht, sind die religiösen Lehren bereits unangreifbar geworden ...
Wer sich einmal dazu gebracht hat, alle die Absurditäten die die religiösen Lehren ihm zutragen,
ohne Kritik hinzunehmen und selbst die Widersprüche zwischen ihnen zu übersehen,
dessen Denkschwäche braucht uns nicht arg zu verwundern ... Aber ich will meinen Eifer ermäßigen
und die Möglichkeit zugestehen, dass auch ich einer Illusion nachjage. Vielleicht ist die Wirkung
des religiösen Denkverbots nicht so arg, wie ich's annehme ..."


Diese Stellungnahme Sigmund Freuds [1856-1939] in seiner Schrift "Die Zukunft einer Illusion" von 1927
zeigt in aller Kürze seine grundlegend skeptisch ablehnende Einstellung zur religiösen Erziehung von Kindern.
Die nachfolgende Analyse aktueller Kinderbibeln liefert Belege dafür, dass sich Freud
in diesem Punkt nicht täuschte."

Quellen: www.ferkelbuch.de/Verteidigung.pdf, Jürg Frick: „Das Ende einer Illusion. Denkanstöße zu Ethik und Pädagogik der Bibel“
Kapitel 4: "Was (das!) sollen Kinder glauben?! Eine Kritik an Ethik und Pädagogik in Kinderbibeln" Seite 139, ANGELIKA LENZ ERLAG 1999


„So sage ich, dass jedes Kind, noch bevor die Indoktrination durch seine Familie
einen bestimmten Punkt überschritten hat und die Indoktrination durch die Volksschule eintritt,
seinem Wesen nach ein KÜNSTLER, ein VISIONÄR und ein REVOLUTIONÄR ist.
Wie können wir dieses verloren gegangene Potential wiedergewinnen ...?"

David Graham Cooper
(1931-1986)
Südafrik. Psychiater):
Aus: „Der Tod der Familie - Ein Plädoyer für eine radikale Veränderung“
(The Death of the Family. Penguin, 1971) Rowohlt 2001


Christlich bestimmte Foren diskutieren sofort, ob "die Gottlosen" zum Angriff auf die Kleinsten blasen
und das Kinderzimmer zum "atheistischen Missionsgebiet" erklären wollten.

Wie sieht das der Kinder- und Jugendpsychiater?

"... Aufklärung ist nicht gleich Indoktrination! Im Gegenteil! ... die Kinder lernen, nicht jede Aussage - stamme sie
von einem Religionslehrer oder aus einem Buch - für wahr zu halten. Problematisch wäre es, wenn ...
behauptet würde, Atheisten seien die besseren Menschen. Aber das ist nicht der Fall!
Die Grundaussage ... ist doch: Wir Menschen sind alle gleich, Gläubige wie Ungläubige -
auch wenn ein paar "Leute in lustigen Gewändern" das nicht wahrhaben wollen!
Das ist eine sehr schöne, positive Aussage, die auch Kinder gut verstehen können ...
Das ist Aufklärung in bester Tradition!"

"Sind wir so erzogen? Oder einfach nur entsprechend manipuliert, dass wir meinen,
"oben ohne" gehe es nicht? Ohne einen Bezug zu Gott, vermittelt durch die Kirchen,
gehe der Mensch, der Staat in die Irre?
...

Ich blieb jahrelang ein Verführter, der dazu taugen sollte, andere zu verführen.
Die Belästigung, mit deren Hilfe Kleriker mich, im Hinblick auf andere, erzogen, bestand darin,
mein Denken, Fühlen und Handeln derart in Besitz zu nehmen, dass ich alles für wahr hielt, was sie für mich
im Voraus definiert hatten, um es mich glauben zu heißen. Beispiele: Die Liebe eines Menschen darf nicht
dem gehören, was er lieben will und kann. Nicht den Eltern, nicht den Partnern, nicht dem Buch seiner Wahl,
nicht dem selbstständigen Denken. Die Liebe, die die Kirche meint, ist vorprogrammiert, damit sie die wahre sei:
Liebe zum verordneten Denken, Liebe zu den diesem Denken vorgesetzten Vätern, Liebe zu einer Gottheit, die
die Systemwahrer nach ihrem eigenen Bilde und zu ihrem eigenen Profit schufen.
Die Liebe zu den Vätern deckt
jedoch, an der menschlichen freien Liebe vorbei, nur die Gewalt der Väter. Diese Verhüllung soll von Generation
zu Generation unter Gläubigen tradiert werden ...

Ich wundere mich, dass ich dies lernen durfte und ein so schlechtes Exempel kirchlicher Pädagogik wurde ...
Niemand hätte eine Religion - so halte ich fest - wäre ihm diese nicht anerzogen ...

Kirchenfreie Menschen stehen nicht am Abgrund des Menschlichen, stürzen nicht in eine moralische
oder ethische Leere, sind nicht von vornherein zu jeder Schandtat bereit. Zumindest sind sie
nicht schlechter oder weniger staatstragend als jene, die sich zu einer Kirche bekennen.

Im Gegenteil. Rechnen wir schon auf, was ich nicht gerne sehe: Die Großkirchen und viele so genannte
Sekten sind von Unmenschlichkeit wie Gehirnwäsche oder Verfolgung Andersdenkender geprägt.
Es ist daher eine Zumutung, als ein Mensch, der sich von derlei hat befreien können, ausgerechnet
von dieser Seite Appelle an eine traditionelle Moral entgegennehmen zu müssen ...

Sind wir schon Menschen zweiter Klasse, zumindest vergleichsweise leichtgewichtige Denker,
wenn wir innerkirchliche Probleme für überholt, menschenfern, unwichtig halten - und
unser Leben und Denken beherzt in die eigenen Hände nehmen?

Nicht selten gewinne ich den Eindruck, als ertrügen es Gläubige nicht, wenn agnostisch lebende Menschen
sich angstfrei artikulieren. Hoffentlich stellt sich mal ein Christ unserem Menschsein, ohne von vornherein
Mängel auszumachen. Denn immer wieder erlebe ich, wie Bekenntnisse verlangt werden: Ob ich
"wenigstens" noch an Gott glauben würde, wollen ständig Leute von mir wissen.
Ich antworte nicht, denn mich stört zum einen die Aufdringlichkeit der Frage und zum anderen
das "wenigstens". Als sei Gott etwas, das unter einem solchen Wörtchen Platz fände -
nachdem alle wichtigeren Fragen schon abgearbeitet sind. Braucht ein Gott Bekenner,
ist das seine Sache, nicht meine. Ist es Ihre?
...

Millionen Menschen haben erkannt, dass ein Leben ohne Kirchengeregelte Religion nicht jenes Monster darstellt,
als das es Werteväter aus profitlichen Gründen darstellen. Selbst wenn es in frommen Ohren hart klingt:
Auch da draußen leben Menschen, und immer seltener gelingt es den Kirchen,
Vorzüge des Christlichen oder der Kirche zu begründen.

Es ist etwas verwunderlich, wie gehorsamgläubig viele Menschen, die in einen Glauben hineingeboren wurden,
noch immer sind, gerade wenn sie in den meisten Fällen gar nicht wissen, was ihre Kirche ihnen zu glauben
nahelegt (evangelische Version) oder vorschreibt (katholische Version).

Unmündige als verachtenswerte Masse?
Wie viele Kämpfe gegen "Ungläubige" sollen Gottes Vertreter
noch unterstützen, um eine Reich der Liebe
und des Friedens durchzusetzen?


Wie beschwichtigend sollen die Millionen Opfer aufbereitet werden,
damit sich das Gewissen der Vertreter des Glaubens
nicht über Gebühr verletzt fühlt?


Was alles muss noch passieren, bis jene, die ansonsten jedem Glaubensführer
aufs Wort zu glauben bereit sind, sich fähig zeigen, wissenschaftliche Belege
anzuerkennen, die Historie der Religionen als Geschichte der Blut- und Denkopfer
zu begreifen und Konsequenzen zu ziehen?
...

Wie könnten wir, so der Schriftsteller Henry Miller [1891-1980], leben, lieben, lachen
im bleichsüchtigen, Blut hustenden Milieu der Fanatiker,
Zyniker, Doppelmoraltheologen?


Verletzt in meinem sittlichen Empfinden und in meinem demokratischen Rechtsgefühl bin ich indirekt,
und dies noch immer und nicht wenig. Missachtet eine Institution die grundlegenden Rechte der Menschen
Tag für Tag, erweisen sich ihre Vertreter in Moralappellen an andere als wegweisend, in der Anwendung
ihrer Prinzipien nach innen, wo sie schalten und walten können, wie sie wollen,
als zurückgeblieben, bleibe ich verletzt.

Wie Kirchenleute beispielsweise - so die Stellungnahme der Ärztevertretung Marburger Bund von 2007 über die
Arbeitsbedingungen der Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft - mit den eigenen Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern umgehen, betrifft mich persönlich, doch bin ich deswegen nicht schon bereit,
diese Verstöße hinzunehmen. Und Sie? ...

Verdächtig bleiben demgegenüber die Berufstheologen, die hin und wieder suggerieren, das eine oder
das andere Dogma, der oder jener Moralsatz brauche lediglich weniger leidlich interpretiert zu werden,
damit alles wieder im offiziellen Glaubenslot sei. Sie nennt man gerne die Progressiven.

Sollen wir jene achten, die sich ein Dogma herauspicken und dieses etwas neuzeitlicher als üblich deuten,
ohne sich öffentlich die Frage zu stellen, was mit dem riesigen Rest Unvernunft
in den verbleibenden Glaubenssätzen sei?


Müssen wir jene schätzen, die edle Worte für den Pflichtzölibat finden -
und sich im Stillen ihre Lebensgefährtinnen halten?


Ist etwas anderes als Verdacht gegenüber jenen angebracht, die längst schon wissen, wie
viele Opfer Dogma und Moral forderten, jedoch unangefochten auf ihren Kathedern ausharren?
...

"Theologie" heißt die Wissenschaft, die unfehlbar zu sagen weiß, wie
Gott hätte sein können, wenn es nach ihrem Glauben gegangen wäre ...

Ich bin der Meinung, dass genug diagnostiziert worden ist:
Die Religion liegt seziert vor uns. Und alle Therapien haben sich als vergeblich erwiesen.
Religion ist austherapiert. Die so genannte Polypragmasie, die übertriebene Diagnostik und Therapie,
müsste innerreligiös ein Ende haben. Eine Therapie des Denkens wäre erforderlich.
Ich nehme an, dass der Agnostizismus hier weiterhelfen kann. Wir werden sehen ...

"Schafe" brauchen sehr lange, bis sie sich in der ungewohnten Situation zurechtfinden.
Viele schaffen es überhaupt nicht. Sie werden auch in Zukunft die akzeptierte Abhängigkeit

jedem Eigenstand vorziehen ...

Die Zeit der Kirchen, dieser Sinninstanzen unserer Kindheit, geht ihrem Ende zu.
Was bleibt, ist allenfalls ein so genanntes Kultur-Christentum ...

Das Problem der Zukunft, von Millionen Menschen bereits jetzt erfahren, wird es sein,
auf das eigene Ich, auf das freie Denken wie Glauben verwiesen zu sein und seinem Leben
(sowie der Gesellschaft) einen neuen Sinn zuzulegen. Der aufrechte Gang eines Menschen
wird erst möglich sein, wenn er seine Krücken wegwirft und sich auf sich selbst besinnt.

Und das so früh wie möglich, am besten jetzt, nicht in Zukunft ...

Es ist eines denkenden Menschen unwürdig, Vorgänge und Menschen, die er sich nicht erklären kann
und über die ihm zu wenig Informationen zur Verfügung stehen, als unvollkommen ethische Menschen
zu charakterisieren und Andersdenkende als Sündenböcke zu klassifizieren.


Was als Nächstenliebe vermarktet wird, entpuppt sich als Mischung von Opportunismus und Ausbeutung.
Handlungen zum Wohl der einen, werden zum Schaden der anderen vollzogen.

Gerade die so genannte Nächstenliebe kam, wie historisch und aktuell erwiesen,
nicht ohne Diskriminierung jener aus, die nicht ins Bild der Gläubigkeit passten.

Gerade von den angeblich guten Christen werden Geschiedene und Wiederverheiratete, Homosexuelle,
verheiratete Priester, in "wilder Ehe" Lebende und Frauen, die "Geburten kontrollieren", diskriminiert.


Und noch immer werde - so sind viele anscheinend erzogen! - das Adjektiv "christlich" in einem Atemzug mit
"Nächstenliebe" gebraucht. Dabei bringe, das belegt Paul Lafargue [1842-1911, "Die Religion des Kapitals" 1887]
umfangreich aus der vorchristlichen Zeit, Jesus die Nächstenliebe keineswegs in die Welt.

Die als Heiden herabgewürdigten Menschen, die sich bis zur Ankunft Jesu allen Gefühlen des Mitleids
gegenüber ihresgleichen verschlossen haben sollen, brauchen sich - weder damals noch heute -
vor den Christen zu verstecken, im Gegenteil.

Nur der Christ könne ein wahrer, nicht irgendwie verstümmelter Mensch sein, verkündigen Oberhirten
unverdrossen. Nichts Neues: Verächtliche Äußerungen gegen andere haben Methode
...
Tut ein Christ Gutes, kann er nicht nur auf das Zeugnis bewährter Kirchlichkeit zählen.
Hinzu tritt der ewige Lohn, nach Lafargue "der reservierte Platz im Paradies"...

Es ist nicht leicht, einerseits Armut, Opfer, Verzicht zu predigen und nach Lafargue "den Charakter der Armen
zu verderben, ihre Menschenwürde und ihr Selbstgefühl zu untergraben, sie daran zu gewöhnen, mit Schafsgeduld
ihr ungerechtes Los zu erdulden"
-, und andererseits den tatsächlich Armen zu erklären, dass
die bundesdeutschen Großkirchen über den größten nichtstaatlichen Grundbesitz verfügen ...

Goethe sah das Problem, wie den Armen auf der Straße klar gemacht werden solle, "dass Jesus in Sandalen
einhergegangen sei und nun allein der Bischof in einer sechsspännigen Karosse daherbrauset"
.
Doch kaum ein Bischof hat da ein Problem, noch heute nicht ...

Agnostiker wissen, dass die Wissenschaft auf viele Fragen keine Antwort hat,
weil niemand sie hat
...

Die Religionen liefern zwar Antworten auf viele mögliche und unmögliche Fragen,
aber Antworten stehen unter dem Vorzeichen des "Wir glauben, dass es so ist" ...

"Es bleibt wahr: das Märchen von Christus ist Ursache,
dass die Welt noch zehntausend Jahre stehen kann,
und Niemand recht zu Verstand kommt."

(Johann Wolfgang von Goethe)"

"Wir werden von den Eltern in eine religiöse Zwangsjacke gesteckt,
werden getauft oder beschnitten und sollen im Glauben unserer Erzeuger
großgezogen werden ... Werden die Kinder aber groß und wollen

nichts mehr mit Kirchen und religiösen Dingen zu tun haben -
das im Geburtsregister eingetragene Stigma
werden sie nicht mehr los."

Magnus Hirschfeld
(1868-1935)

Arzt, Sexualwissenschaftler


Ich gehe in ein Zentrum menschlicher Fragen und suche nach dem Tod und seinem Sinn.
Denn gerade hier scheint der Gottglaube sein Territorium besetzt zu haben.
Hier verteidigt er seine Bastionen. Sind es seine letzten?

Versuchen Sie bitte einen Selbsttest:

Gibt es wirklich ein Leben nach dem Tod, nachdem ich mich vor Gott verantwortet habe,
oder ist das nur ein (gar nicht so) frommer Wunschtraum?

Muss ich nicht etwas für die Menschen tun, die auch kein Leben vor dem Tod führen?

Wie wäre es mit der Devise des Alten Fritz [Friedrich II ( der Große) von Preußen,1712-86]:
Gott, falls es dich gibt, sei meiner Seele gnädig, falls ich eine habe?


Näheres unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Agnostizismus

****
"Es ist die ganze Kirchengeschichte
Mischmasch von Irrtum und Gewalt"

Zahme Elegien (1788–90)

"Der Religionsunterricht, den Goethe zunächst bei dem Frankfurter Senior Johann Philipp Fresenius [1705-61], einem Freund
der Familie, später auch bei seinem Onkel, dem Pfarrer Johann Jakob Starck erhielt, sagte ihm wenig zu, war doch der kirchliche
Protestantismus, den man uns überlieferte, eigentlich nur eine Art von trockner Moral: an einen geistreichen Vortrag ward nicht gedacht,
und die Lehre konnte weder der Seele noch dem Herzen zusagen. Einzig die Beschäftigung mit dem
Alten Testament, vor allem den
Geschichten um die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, regt seine Phantasie an. Seine Haltung zur Kirche und den christlichen

Dogmen blieb auch später distanziert bis ablehnend. So charakterisierte er beispielsweise die Kirchengeschichte als „Mischmasch von
Irrtum und Gewalt“ und besonders die christliche Lehre von der
Erbsünde entfernte ihn schon früh
von der lutherischen Orthodoxie seiner Zeit."
(Quelle: Internet)

"Wie einer ist, so ist sein Gott,
darum ward Gott so oft zu Spott"
Zahme Xenien
(1797)

Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)


"O Freund der Mensch ist nur ein Tor,
Stellt er sich Gott als seinesgleichen vor"
Der ewige Jude
(1773)


****
"Warum sagst du [Gott], dass wir die Religion vergessen sollen?

Weil Sie für euch nicht gut ist.
Du musst verstehen, dass die organisierte oder institutionalisierte Religion,
wenn sie Erfolg haben will, die Leute glauben machen muss, dass sie sie brauchen.

Wenn die Leute an etwas anderes glauben sollen,
dann müssen sie erst den Glauben an sich selbst verlieren.

Also besteht die erste Aufgabe der organisierten Religion darin,
euch den Glauben an euch selbst zu nehmen.

Die zweite Aufgabe besteht darin, euch zur Erkenntnis zu bringen,
dass sie die Antworten hat, die ihr nicht habt
.

Und die dritte und wichtigste Aufgabe besteht darin, euch dazu zu bringen,
dass ihr diese Antworten fraglos akzeptiert
.

Wenn ihr anfangt zu fragen, fangt ihr an zu denken!
Wenn ihr denkt, fangt ihr an, zur Quelle im Inneren zurückzukehren.
Das kann die Religion nicht zulassen, weil ihr dann vermutlich
mit einer anderen Antwort aufwarten werdet, als sie sich
ausgetüftelt hat. Also muss sie euch dazu bringen, dass ihr
an eurem Selbst zweifelt; sie muss euch dazu bringen, dass
ihr an eurer Fähigkeit, richtig denken zu können, zweifelt.

Für die Religion ergibt sich sehr oft das Problem, dass das auf sie zurückschlägt, denn wie solltet ihr,
wenn ihr eure eigenen Gedanken nicht mehr ohne Zweifel akzeptieren könnt, nicht auch an
den neuen Gedanken über Gott zweifeln, die sie euch eingeimpft hat? Und schon bald zweifelt ihr
sogar an meiner Existenz - an der ihr bezeichnenderweise zuvor nie gezweifelt habt. Als ihr euch
auf euer intuitives Wissen verlassen habt, habt ihr mich vielleicht nicht zur Gänze verstanden,
aber ihr wusstet definitiv, dass ich da war! Die Religion bringt die Agnostiker hervor!

Jeder klar denkende Mensch, der sich anschaut, was die Religion getan hat, muss annehmen,
dass die Religion keinen Gott hat!
Denn die Religion hat die Herzen der Menschen mit der Furcht
vor Gott erfüllt, wohingegen einst der Mensch Alles-Was-Ist in all seinem
Glanz und seiner Herrlichkeit liebte.

Die Religion hat dem Menschen befohlen, sich vor Gott zu beugen,
wohingegen einst der Mensch sich ihm freudig entgegenstreckte
.

Die Religion hat dem Menschen die Last der Sorge, Gottes Zorn auf sich zu ziehen, aufgebürdet,
wohingegen einst der Mensch Gott aufsuchte, damit er ihm seine Last erleichterte!
Die Religion hat dem Menschen erzählt, dass er sich für seinen Körper und seine natürlichen Funktionen schämen müsse,
wohingegen einst der Mensch diese Funktionen als das größte Geschenk des Lebens feierte!
Die Religion hat euch gelehrt, dass ihr einen Mittler braucht, um Gott erreichen zu können, wohingegen ihr euch einst
selber gelehrt habt, Gott zu erreichen, indem ihr einfach ein Leben in Güte und Wahrheit geführt habt.
Und die Religion hat den Menschen befohlen, Gott zu lieben und zu verehren, wohingegen die Menschen
einst Gott liebten und verehrten, weil es unmöglich war, es nicht zu tun!

Wo auch immer die Religion hinkam, hat sie Uneinigkeit geschaffen - was das Gegenteil von Gott ist.
Die Religion hat den Menschen von Gott getrennt, den Menschen vom Menschen, den Mann von der Frau.
Manche Religionen sagen sogar dem Mann, dass er über der Frau steht, während sie zugleich behaupten,
dass Gott über dem Mann steht, womit sie die Bühne für die größten Zerrbilder bereitet haben,
die einer Hälfte des Menschengeschlechts je aufgehalst wurden.
Ich sage dir dies:
Gott steht nicht über dem Mann, und der Mann steht nicht über der Frau - das ist nicht "die natürliche Ordnung der Dinge" -,
aber es ist das, was alle, die Macht hatten (namentlich die Männer), sich als Zustand wünschten, als sie ihre patriarchalischen
Religionen ausgestalteten, systematisch die Hälfte aus ihrer endgültigen Version der "heiligen Schriften"
herausredigierten und den Rest so verdrehten, dass er in die Gussform ihrer männlich
orientierten Modellvorstellung von der Welt passte.

Die Religion besteht bis auf den heutigen Tag darauf, dass Frauen irgendwie mindere Wesen, irgendwie spirituelle Bürger
zweiter Klasse, irgendwie nicht "geeignet" sind, Gottes Wort zu lehren, Gottes Wort zu predigen
oder den Menschen Sakramente zu spenden.

Wie Kinder streitet ihr euch immer noch darüber, welches Geschlecht
von mir dazu bestimmt ist, meine Priester zu sein!

Ich sage dir dies:
Ihr seid alle Priester und Priesterinnen
. Jede und jeder einzelne von euch.
Es gibt keine Person oder Klasse oder Kaste von Menschen, die "geeigneter" ist,
mein Werk zu tun, als eine andere.
Aber so viele eurer Männer
sind nicht anders als eure Nationen:
vor allem machthungrig.

Sie wollen die Macht nicht teilen, sondern nur ausüben.
Und sie haben dieselbe Art Gott konstruiert:
einen vor allem machthungrigen Gott.
Doch ich sage dir dies:
Gottes größtes Geschenk ist das Teilen von Gottes Macht.
Ich möchte, dass ihr seid wie ich.




Neale Donald Walsch
(b.1943, US Journalist, Verleger)
„Gespräche mit Gott - Gesellschaft und Bewusstseinswandel“
(Conversations With God: An Uncommon Dialogue Bk.2 1997)
4. Auflage GOLDMANN 2008, Seite 362-365


****



Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen
(b.1945, Medizin-Psychologe)
schreibt im Vorwort seines Buches die
„Reimbibel: Heitere Aufklärung über den christlichen Aberglauben“
3. Auflage Books On Demand 2010
www.reimbibel.de


"Die Bibel schrieb die Priesterkaste,
die Menschen andern Glaubens hasste.
Auf ihr beruht der Kirchen Macht,
solang man nicht darüber lacht."


"Christen wirken etwas bedrückt, wenn sie in speziellen Gebäuden gemeinsam aufsagen, was sie angeblich alles glauben.
Ich frage mich dann manchmal: Glauben diese Menschen tatsächlich, dass sie einen allmächtigen und gütigen Vater im Himmel haben,
und die Jungfrau Maria der Christenheit mit Hilfe des Heiligen Geistes einen göttlichen Sohn geboren hat, der sich zur Vergebung der
Sünden von Römern zu Tode foltern ließ, dann wieder lebendig wurde, kurz im Reich der Toten war, leiblich zum Himmel aufgefahren ist
und eines Tages Milliarden von Toten und Lebendigen ins Paradies oder ins ewige Feuer der Hölle schicken wird? Außerdem frage ich
mich gelegentlich, ob Christen eigentlich klar ist, dass ihr Glaube an Gott einen Glauben an die Wahrheitsliebe und psychische
Gesundheit von ihnen unbekannten Menschen voraussetzt, die zu biblischen Zeiten gelebt haben.


"Abgesehen von paar Stellen,
die uns auch nicht sehr erhellen:
Was die Bibel uns berichtet
ist erlogen und erdichtet."


"Geht man allen Religionen auf den Grund, so beruhen sie
auf einem mehr oder minder widersinnigen System von Fabeln.
Es ist unmöglich, dass ein Mensch von gesundem Verstand,
der diese Dinge kritisch untersucht,
nicht ihre Verkehrtheit erkennt."

Friedrich der Große - Alte Fritz
König von Preußen (1712-1786)


Eigentlich müsste das Glaubensbekenntnis so beginnen:

„Ich glaube, dass Gott sich mindestens eine Million Jahre lang nicht für die Menschheit interessiert hat.
Ich glaube, dass Gott sich dann nur um Hebräer gekümmert hat, die er in ägyptische Gefangenschaft geführt hatte.
Ich glaube, dass Gott vor zwei- bis dreitausend Jahren zu mehreren Männern im vorderen Orient gesprochen hat.
Ich glaube, dass diese Männer weder Geisteskranke noch Drogenkonsumenten oder Schwindler waren.
Ich glaube, dass Gott in Gestalt seines Sohnes vor zweitausend Jahren Menschen in Palästina erschienen ist.
Ich glaube, dass Propheten über Jahrhunderte bzw. Jünger über Jahrzehnte hinweg weitgehend
unverändert das Wort Gottes bzw. Jesu mündlich weitergegeben haben.
Ich glaube, dass verschiedene Verfasser dieses Wort im Wesentlichen unverfälscht aufgeschrieben haben.
Ich glaube, dass aus einer Vielzahl zunächst als heilig verehrter Schriften im Laufe der Jahrhunderte meine Kirche
nur die tatsächlich von Gott kommenden als solche erkannt und amtlich zugelassen hat.
Ich glaube, dass diese Offenbarung Gottes durch Fehler beim Übersetzen und häufigen Abschreiben
oder durch absichtliche Streichungen, Änderungen und Zusätze nicht wesentlich verfälscht wurde.
Ich glaube, dass die Bibel von Experten meiner Kirche richtig ausgelegt wird.
Ich glaube, dass sich die etwa vier Milliarden Menschen irren, die an andere Götter
oder an keinen Gott glauben.“
...

"Am Anfang war Gott ganz allein
und sah wohl nicht viel Sinn im Sein.
Ganz langsam nur verging die Zeit
von Ewigkeit zu Ewigkeit."


Die Bibel ist schlecht editiert, sie liest sich schlecht, und sie ist im Grunde blasphemisch.
Sie stellt den Gott der Christen zumindest im Alten Testament nicht als einen Gott der Liebe,
sondern in erster Linie als einen besonders widerwärtigen Psychopathen dar, der immer
wieder in seiner Eifersucht droht und mordet. Die Vorstellung, dass dieser Gott mithilfe
(s)eines Geistes und einer mit einem Handwerker unverheiratet zusammenlebenden
Jungfrau auf die Welt gekommen ist, um zu lehren und sich schließlich hinrichten
zu lassen, damit er den missratenen Geschöpfen, die das glauben und
ihn verehren, vergeben kann, ist an Absurdität kaum zu übertreffen.


"Ich glaub, man hat schon lang entdeckt,
Maria war stets unbefleckt: "Sie war ganz ohne Sünde,
was ich hiermit verkünde."


(Papst Pius IX., Bulle vom 8.12.1854)

"Das Fest der Unbefleckten Empfängnis wurde 1476 von Papst Sixtus IV. eingeführt: Maria sei ohne Erbsünde geboren worden.
Nebenbei: Sixtus ernannte 34 Kardinäle, betrieb ein Bordell, koitierte mit seiner Schwester und seinen Kindern,
segnete die Spanische Inquisition ab."


Es ist für mich nicht vorstellbar, dass ein menschenähnlich denkender und emotional schwer gestörter Gott schon
seit Ewigkeiten existiert und Milliarden von Galaxien sowie Tiere und Pflanzen aus dem Nichts hervorgezaubert hat.
Versuche, auf diesen jähzornigen Gott durch sonntägliche Rituale einzuwirken und ihm durch Predigten, Gesänge
und Orgelklänge eine Freude zu machen, halte ich für töricht. Zu glauben, ein unsichtbares höheres Wesen würde
alle – zur Zeit 6.9 Milliarden - Menschen genau beobachten, strafend und belohnend in ihr Leben eingreifen und für
die Verstorbenen je nach Sündenregister Himmel oder Hölle bereithalten, ist eines im 21. Jahrhundert lebenden
Erwachsenen nicht würdig. Mich beunruhigt, dass derzeit Milliarden von Menschen mehr
oder weniger stark an derartig kindischen Unsinn glauben.

Die Angst spielt oft die erste Geige,
der Christ ist metaphysisch feige.


Mein Entsetzen über die Gräuelmärchen, Widersprüche und Absurditäten der Bibel
sowie über die schamlose Theolügie der amtlichen Deuter und Zeremonienmeister
dieses blutrünstigen Versteckspielgotts hat sich in dem vorliegenden Band
niedergeschlagen.

Die Reimbibel basiert auf der sprachgewaltigen Lutherbibel von 1912:

Die Einheitsübersetzung von 1999 formuliert zurückhaltender, aber auch
diese Version der Heiligen Schrift ist eine schreckliche Schrift:
www.bibleserver.com   www.bibel-online.net

"Der Klerus lehrt Dreifaltigkeit,
ich glaub, da geht er viel zu weit,
denn Vater, Sohn und Heil'ger Geist
sind ziemlich unterschiedlich meist.
Die Trinität kam ziemlich spät."


(1.Konzil von Konstantinopel im Jahre 381)

Diese Sammlung jahrtausendealter Märchen, Sagen, Legenden, Erzählungen und sonstigen Texte hat immer wieder
Unheil über große Teile der Menschheit gebracht. Die Bibel ist intolerant, erklärt Unvernunft zur Tugend und Zweifel zur Sünde.
Sie ist demokratie- und freiheitsfeindlich, ausländerfeindlich, judenfeindlich, frauenfeindlich, kinderfeindlich, schwulenfeindlich
und generell lustfeindlich. Sie stimmt Menschen darauf ein, auch sonstigen im Brustton der Überzeugung vorgetragenen Unsinn
zu glauben: von heilenden Schwingungen in homöopathischen Wässerchen und unseriösen Renditeversprechen bis hin zur
Notwendigkeit, den Jüngsten Tag durch eine nukleare Vernichtung der „Reiche des Bösen“ einzuleiten. Die ethischen Standards
des 21. Jahrhunderts sollten nicht auf irrsinnigen und oft grauenvollen, überwiegend von Nachbarvölkern
übernommenen Geschichten der Eisenzeit beruhen.

"Männer, die die Haare schneiden,
könnte Jahwe einst nicht leiden.
Damals kamen die zu Tode,
doch nun ändert er die Mode."

[Jeremia, 49 (32)]

Ich würde mich besonders freuen, wenn diese „Bibelausgabe“ einigen religiös indoktrinierten Jugendlichen helfen würde,
den christlichen Aberglauben und entsprechende Angst- und Schuldgefühle abzulegen. An sinnvollen Beschäftigungen
mangelt es nicht auf unserem schönen, aber gleichzeitig auch furchtbaren und stark beschädigten blauen Planeten.
Den Himmel sollte man derweil den Engeln, Spatzen und Theologen überlassen.

Ungläubige möchte ich ermuntern, sich in deutlicher Form gegen Diffamierungen durch Christen, gegen
berufliche Benachteiligungen und gegen die penetrante religiöse Propaganda nicht-kirchlicher Zeitungen
sowie der ARD und des ZDFs zu wehren.

(Zum „aggressiven Atheismus“ reimbibel.de/G3.htm)

Skandalös ist auch die staatliche Bezahlung von Bischöfen, Religionslehrern, Militärpfarrern und Mitarbeitern theologischer Fakultäten;
kirchliche Kindergärten werden übrigens nur zu etwa 10 Prozent und kirchliche Krankenhäuser gar nicht von den Kirchen finanziert.
Ungläubige Politiker/innen und andere Prominente bitte ich, sich öffentlich zu ihrer Skepsis zu bekennen. Vor allem gegen die religiöse
Verblödung von Kindern und Jugendlichen sollten aber alle vorgehen, die erkannt haben, dass Religionen grundsätzlich nicht harmlos
sind, sondern spalten und schon Kinder gegeneinander in Stellung bringen.


"In Städten und auch ländlich da trieben's Priester schändlich.
Ministrant: "Ich habe gesündigt."
Priester: "Ja ich weiß."

"Wenn Geistliche Unzucht treiben mit Nonnen, Müttern, Schwestern etc.,
so sollen die in den höheren Weihen befindlichen abgesetzt,
die in den niederen durchgeprügelt werden."

(Konzil von Metz/F im Jahre 753)

Die Internetseite www.godchecker.com
listet über 2850 Gottheiten auf:

"Die Liste habe ich gecheckt
und darauf keinen Gott entdeckt,
der so sympathisch wäre,
dass ich ihn nun verehre.

So leb ich ohne Religion,
ich brauche keinen Himmelslohn,
bekämpfe schwarze Lügen
und hab daran Vergnügen."


Es ist nicht möglich, dass alle Religionen richtig sind, aber es ist möglich, dass alle Religionen falsch sind.
Es hat Jahrhunderte lang einen erbitterten Streit darüber gegeben, welche Schriften in die Bibel
aufgenommen werden sollen.
Siehe auch www.bibelkritik.ch


Zahlreiche Kirchen haben sich von der römisch-katholischen Kirche bzw. von später entstandenen
christlichen Glaubensgemeinschaften abgespalten: die griechisch-orthodoxe Kirche und zahlreiche Ostkirchen;
Lutheraner, Reformiert, Anglikaner; Presbyterianer, Kongregationalisten, Methodisten, Baptisten, Quäker;
Zeugen Jehovas, Neuapostolische Gemeinden, Adventisten, Mormonen usw...

Die großen christlichen Kirchen bezeichnen die kleineren als Sekten.
www.reimbibel.de/L7.htm


"Cranachs Bild hat ein Problem:
Adam schuf der Herr aus Lehm.
Adam hatte keinen Nabel,
Nabel gab´s ab Kain und Abel."


1531



"Adam und Eva im Paradies
(Sündenfall)" von
Lucas Cranach d. Ä.
(1475-1553)

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen
"Reimbibel: Heitere Aufklärung über den christlichen Aberglauben“

3. Auflage Books On Demand 2010

www.reimbibel.de

"Ich wünsche mir, dies sei erlaubt,
dass ihr nicht mehr an Märchen glaubt
und merkt beim Lesen meiner Verse:
die Bibel heiligt das Perverse.

Wenn euch das jetzt erbost,
dann denkt euch nur getrost:
an Sündern, die so sprechen,
wird Er sich schon noch rächen.

Der Herr ist Rachespezialist,
nicht jeder ist ein guter Christ."


Aus: Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen:  „Reimbibel:
Heitere Aufklärung über den christlichen Aberglauben“
3. Auflage Books On Demand 2010




"Die Kirche muss die Wahrheit unterdrücken,
um in der Gesellschaft hoffähig zu bleiben."

Gerd Lüdemann
(b.1946)
Professor für Neues Testament an der Universität Göttingen
Quelle: www.schulfach-ethik.de/ethik/Personen/gerdluedemann.htm


Dr. phil. Karlheinz Deschner
(1924-2014, deutscher Schriftsteller, Religions- u. Kirchenkritiker,
studierte Theologie, Literaturwissenschaft, Geschichte) schreibt im "Nachwort" seines Buches
Abermals krähte der Hahn - Eine kritische Kirchengeschichte
[btb 6. Auflage1996 (1962)]



"Ein protestantischer Pastorensohn, der durch die Bemühungen seiner Frau konvertierte, die sich
inzwischen von der katholischen Kirche löste, während er nicht noch einmal abfallen möchte,
sagte unlängst zu mir: "Man kann alles so und so betrachten". Ja, das kann man.


Man kann aber auch die Quellen lesen und man kann vergleichen, die Argumente der einen
mit den Argumenten der anderen Seite. Dazu fordere ich auf.

Zunächst zum Studium der urchristlichen Literatur, besonders der Bibel, deren Lektüre die Kirche,
so sehr sie es auch heute bestreitet, nicht zufällig dem Volk Jahrhunderte lang verboten hat,
während etwa ein Nietzsche von den Evangelien schrieb, man könnte sie nicht behutsam genug lesen.

Dann studiere man die Sekundärliteratur, und zwar die Arbeiten sowohl der historisch-kritischen,
wie der katholischen oder traditionsfreundlichen protestantischen Theologen.

Ich animiere also noch nicht einmal zum Studium der antichristlichen Wissenschaft.
Es genügt für den Leser, der meiner Darstellung misstraut, nur je ein, zwei Bücher
von historisch-kritischen christlichen Theologen, etwa von Rudolf Bultmann [1884-1976,
evang.Theologe, Prof. f. NT, "Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung"],
Martin Dibelius [1883-1947, Prof. f. NT] , Martin Werner [1887-1964], Carl Schneider [1900-77,
evang. Theologe], Hans Conzelmann [1915-89, evang. Theologe] oder Fritz Buri [1907-95,
Schweizer Theologieprofessor] einzusehen und sie zu vergleichen mit sehr viel mehr
Darstellungen konservativer Theologen und Kirchengeschichtsschreiber.

Ich empfehle ganz besonders die Lektüre katholischer Werke, vorausgesetzt eben,
dass man sie wenigstens mit einigen Werken ihrer Gegner vergleicht.

Niemals kann man sich besser von der historischen Wahrheit überzeugen,
als bei einer solchen Konfrontation.

Meines Wissens verbietet keine freireligiöse oder atheistische Gemeinschaft
ihren Mitgliedern das Lesen katholischer oder protestantischer Schriften.

Warum aber die Verbote der katholischen Kirsche? Warum der Index? [Verbotene Bücher]
Warum der Antimodernisteneid? [Papst Pius X, 1. September 1910] Warum die kirchliche Druckerlaubnis?
Sind ihre Gläubigen und Theologen geistig weniger autark als die Anhänger ihrer Feinde?

Nein, die Geschichte, die Logik und das Ethos richten sich zu eindeutig gegen die Lehre und Praxis der Kirche,
weshalb sie die Aufklärung scheuen und die Lektüre kritischer Werke verbieten muss, während ihre Gegner
es sich sogar leisten können, zum Studium des kirchlichen Schrifttums aufzufordern.

Das ist ein Unterschied, den ich abschließend dem Nachdenken des Lesers empfehle."


"Ich habe noch nie von einem Menschen gehört,
der die Macht attackiert hat, ohne sie für sich zu wollen,
und die religiösen Moralisten sind darin die ärgsten"
Elias Canetti
(1905-1994 Zürich)
1981 Literatur-Nobelpreis


"Zwei Mängel haften den Gläubigen an:
zuviel Ignoranz
, zuwenig Redlichkeit.


Verstockte, hartherzige und hart denkende Christen wissen kaum etwas
von ihrer eigenen Konfession. Auch sind sie in der Mehrheit "Laien".
Einige wenige wissen zwar einiges, doch sie sind nicht redlich genug,
Konsequenzen daraus zu ziehen - ihre Religion aufzugeben.


Dem ersten Mangel, der Ignoranz, kann dieses Buch begegnen, indem es Fakten zum Nachdenken
vermittelt. Den zweiten Mangel kann es nicht beseitigen. Wer unredlich denken und handeln will,
wer gar durch seinen Brotberuf mit der Unwissenheit anderer spielt, wer also
'Kleriker' [Anhänger des Priesterstandes] ist, der ist zwar bloßzustellen,
doch zu helfen ist ihm nicht.

Ein einschlägiger Text des Neuen Testaments - Lk 10, 30-37 beschreibt
den Normalfall christlicher Nächstenliebe:
den Kleriker, der an einem
verwundeten Menschen vorbeigeht, ohne ihm zu helfen.

Geholfen hat dem "unter die Räuber gefallenen" der barmherzige Samariter,
der von den so genannten Guten ausgestoßene Fremde.

Das ist eine zeitlose Geschichte.

Immer wieder sehen - nichts wissen wollen, nichts tun. Millionen von Opfern,
die das Christentum auf dem Gewissen hat, verdauen - nichts bereuen.
Ein Sehen, das nicht hilft, ein Wissen, das nichts nützt. Eine "Räuber-
und Passantengesellschaft", eine christliche Gegenwart ...


Ein 'Anti-Katechismus' ist so lange notwendig, wie die Gründe, die er gegen die Kirchen
und für die Welt nennt, ebenso wenig in den offiziellen Katechismus auftauchen
wie die Fakten aus Geschichte und Gegenwart des real existierenden Christentums.

Die Gewichte, die dieser Anti-Katechismus setzt, sind freilich nicht nur eigen bestimmt.
Sie bemessen sich nach den Vorgaben der Kirchen. Was diesen so wichtig ist,
wie Geld, Macht, Krieg, greift unser Buch ausführlicher auf und an als
die Nebenthemen des klerikalen Alltags wie Geist, Nächstenliebe, Gott.

Hoffentlich lässt sich niemand ins Bockshorn jagen [in die Enge treiben, einschüchtern,
verunsichern oder auf eine falsche Fährte locken] von jenen, die Jahrhunderte hindurch
mit Unwahrheiten bares Geld gescheffelt haben und es weiterscheffeln.


Hoffentlich ist der Mut derer groß genug, die sich nicht mehr anlügen lassen wollen.
Hoffentlich verfliegt der Weihrauch. Hoffentlich wird eines Tages die Luft so rein,
dass Menschen atmen kö
nnen.

Wozu der Mensch da ist? Gewiss nicht, um auf den Knien zu liegen
und jene auch noch zu bezahlen, vor denen er kniet,
die ihn belügen und beherrschen.


Aus: Karlheinz Deschner, Horst Herrmann:
„Der Anti-Katechismus: 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt"

RASCH & RÖHRING 1991

"Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums
kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit, einschließlich und besonders des 20. Jahrhunderts,
keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich
mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche,
ganz besonders die römisch-katholische Kirche."


Aus: Karlheinz Deschner: „Oben ohne. Für einen götterlosen Himmel und eine priesterfreie Welt.
Zweiundzwanzig Attacken, Repliken und andere starke Stücke“ Seite 307, ROWOHLT 1997


****
"Wenn die Theologie sich nicht als Werkzeug der Entmündigung versteht,
wenn stattdessen "Gott" eine Metapher dafür sein sollte, dass sich
Menschen einem Bemühen unterwerfen, über alle Kulturen und über
die endlose Reihe von Generationen hinweg Menschlichkeit zu bewahren,
dann steht auch der Theologie - wie der Philosophie - ein Mitspracherecht
im gesellschaftlichen Diskurs über das zu, was Wissenschaftler tun ...

Die Zuständigkeit dafür aber, was Wissenschaft darf, wem sie zu dienen hat und zu
welchen Zwecken sie eingesetzt wird, besitzen keineswegs nur Naturwissenschaftler,
sondern alle Mitglieder einer Gesellschaft.

Es ist das Recht und die Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppen, dafür zu sorgen, dass
die Würde des Menschen auch im Bereich der wissenschaftlichen Forschung gewahrt bleibt
und dass eine faire Teilhabe aller an den Nutzanwendungen der Wissenschaft
sichergestellt wird."


Aus: Joachim Bauer: „Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess“
S188f, HEYNE 2010 (2008
)

"Für Menschen,
denen die Erde nichts mehr bietet,
wurde der Himmel erfunden.
"
Heinrich Heine
(1797-1857)
Deutschen Dichter, Schriftsteller, Journalist


****
"Was hat Christus die Welt gelehrt?:
Schießt einander tot;
hütet den Reichen die Geldsäcke;
unterdrückt die Armen, nehmt ihnen das Leben
in meinem Namen, wenn sie zu mächtig werden...
Die Kirche soll Schätze sammeln aus dem Leid ihrer Kinder,
sie soll Kanonen und Granaten segnen, Zwingburg um Zwingburg errichten,
Ämter erjagen, Politik treiben, im Verderben schwelgen
und meine Passion wie eine Geißel schwingen!"

Emil Belzner
(1901-1979)
Deutscher Journalist/Schriftsteller
in Karlheinz Deschner: "Abermals krähte der Hahn.
Eine kritische Kirchengeschichte" Seite 13. btb 6.Auflage 1996 (1962)


***
"Ein Esel stellt sich Gott als Esel vor.
Der Papst stellt sich Gott als Mann vor."




Frau Prof. Dr. theol. Uta Ranke Heinemann (b.1927) -

1954 Promotion in katholischer Theologie, 1969 Habilitation als erste Frau in diesem Fach.
Wurde 1970 weltweit die erste Professorin für katholische Theologie.
1987 verlor Sie ihren Lehrstuhl für Neues Testament und Alte Kirchengeschichte
an der Universität Essen, weil sie an der Jungfrauengeburt Mariens zweifelte.
Ende 1987 erhielt sie einen unabhängigen Lehrstuhl für Religionsgeschichte an der UNI Essen -


schreibt in Ihrem Buch „Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum“ im

20. Kapitel: "Mein Abschied vom traditionellen Christentum" Seite 411-432, 8. ergänzte Auflage HEYNE 2007:
(Erstmals erschienen unter dem Titel: „Nein und Amen. Anleitung zum Glaubenszweifel“ Hoffmann und Campe 1992)


"Es gibt lange Abschiede. Manche dauern ein Leben lang. Zudem sind sie zunächst ganz leise, und man bemerkt sie
am Anfang kaum. Ich war ein frommes Kind frommer, geliebter Eltern, und das christliche Hochfest war für mich
das Weihnachtsfest ... Die goldene Geschichte [über das Christuskind] hatte jedoch für mich kein Happyend.
Denn dieses Kind sollte am Ende einen schlimmen Tod sterben, und es sollte diesen Tod für mich sterben -
wurde mir gesagt. Dass aus einer Zaubergeschichte eine Horrorgeschichte wurde, hat mich schon als Kind
bekümmert. Und nicht zuletzt das war ein Grund meiner späteren Abwendung vom gewohnten Christentum.

Jesus ist für die Christen nur durch seinen Tod wichtig. Sein Leben tritt für sie in den Hintergrund.
Wenn die Christen, statt den Tod Jesu zu zelebrieren, sein Leben befolgten, wäre das besser.
Aber das christliche Glaubensbekenntnis, d.h. die offizielle Kurzfassung des Christentums, auch Credo
(= ich glaube) genannt, sagt über Jesu Leben nichts: Geboren von der Jungfrau Maria - gekreuzigt unter Pontius
Pilatus. Dazwischen eine Lücke. Jesus hätte genauso gut zu Hause sitzen und Kreuzworträtsel lösen können,
für das Credo der Christen spielt es keine Rolle, was er zu Lebzeiten sagte oder tat. Nur eines hätte
Jesus nicht gedurft: zu hause friedlich sterben, denn wichtig ist den Christen nur die Art seines Todes,
und zwar sein blutiger und gewaltsamer Tod. Das Christentum hat an die Stelle des Wortes Jesu
eine Henkertheologie gesetzt und verherrlicht einen Galgen ...

Die Christen jedoch sollten sich dafür interessieren, was Jesus damals sagte, auch wenn sie das
nur noch schwer feststellen können, weil sie ihm vieles nachträglich in den Mund gelegt
und anschließend ihn mit Gold übermalt haben.

Es scheint mir, übrigens mit Rudolf Bultmann [1885-1976, evangelischer Theologe,
Programm der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung], dass es
vor allem zwei Dinge sind, die Jesus lehrte: die Absage an die Vergeltung
[Bergpredigt Mt 5, 39b-41 und das Gebot der Feindesliebe [Mt 5,44-48] ...


Die Absage an die Vergeltung und die Feindesliebe, das also hätte die offizielle Kurzfassung des Christentums
sein sollen, nicht ein Glaubensbekenntnis, sondern eine Lebensregel. Wenn die Kirchen den Menschen 2000 Jahre
nur die zwei Worte: "Keinen Krieg" oder "keine Bomben" ins Herz geschrieben hätten ... das wäre der Weg
zur Erlösung, d.h. Herauslösung aus dem Teufelskreis der Vergeltungen gewesen, aber niemals das Blut ...

Und so bin ich fort gegangen, fort von Jungfraumutter und Henkervater, von dem Gott mit den blutigen Händen ...
Ich wandte mich ab von den Theologen, die meine Wissenslücken mit ihrer Verstandesfeindlichkeit und ihren
grausamen Märchen füllten und glaubte ihnen nicht mehr. Und ihr Buch, die Bibel, war mir nicht mehr Gottes Wort.
Es wurde Menschenwort und tröstete mich nicht ...

Ich müsste jemanden finden, der gleichermaßen meinen Verstand und meine Sehnsucht befriedigt, jemanden,
der mir klar macht, dass meine Sehnsucht nach einem ewigen, glücklichen Leben jenseits des Todes, nach
einem Wiedersehen mit den vorausgegangenen geliebten Vermissten, meinem Mann, mit meiner Mutter,
nicht auf leerem Wunschdenken beruht, auf meinem Sich-nicht-abfinden-Wollen ...

Außerdem, warum soll ich an Gott glauben, wenn ich weiß, dass es Gott gibt?
Und so habe ich also an Stelle des christlichen Glaubensbekenntnisses, von dem mir
nur der Anfang und der Schluss verblieb (Gott und Ewiges Leben), allenfalls

Mein siebenfaches negatives Glaubensbekenntnis:

1. Die Bibel ist nicht Gottes-, sondern Menschenwort.

2.
Dass Gott in drei Personen existiert, ist menschlicher Fantasie entsprungen.

3.
Jesus ist Mensch und nicht Gott.

4.
Maria ist Jesu Mutter und nicht Gottesmutter.

5.
Gott hat Himmel und Erde geschaffen, die Hölle haben die Menschen hinzuerfunden.

6.
Es gibt weder Erbsünde noch Teufel.

7.
Eine blutige Erlösung am Kreuz ist eine heidnische Menschenopferreligion
nach religiösem Steinzeitmuster
.

Und jetzt das Positive:
Gott, der Urheber des Universums, hat allen Menschen
- außer der goldenen Verhaltensregel, die da lautet:
"Menschlichkeit und wohlwollen" humanity and benevolence, David Hume (+1776) - die Sehnsucht nach einem
glücklichen Leben jenseits des Todes ins Herz geschrieben
...

"Das, was man von Gott erkennen kann ... wird seit Erschaffung der Welt an den Werken der Schöpfung
durch das Denken wahrgenommen", sagen also die Christen selbst, weil es in ihrer Bibel steht.
Aber sie halten sich nicht daran. Den Christen genügt solche Gotteserkenntnis nicht. Sie wollen mehr
von Gott erkennen, als man von Gott erkennen kann. Sie wollen nicht die gottgegebenen Naturgesetze
denkend wahrnehmen, sondern an Wunder glauben. Darum errichten sie ihr christliches Märchengebäude
und schauen sogar hinter das Universum direkt auf Gott selbst, ja sogar in Gott hinein (Dreifaltigkeit).
Jedenfalls behaupten sie, das zu können, dank ihrer christlichen Sonderoffenbarung.

Nun darf zwar jeder Mensch so viel fantasieren wie er will. Aber er darf nicht
sein Phantombild Gottes allen anderen Menschen aufdrängen ...


Für uns, die wir, solange wir leben, immer nur das Universum, aber nie Gott sehen können,
ist das Universum ein riesiger Knäuel, das wir immer mehr abwickeln, ohne in diesem kurzem Leben
auch nur an das Ende des Fadens, geschweige denn über den Faden hinaus zu gelangen.
Gott selbst können wir nicht ergründen. Er entzieht sich unserer Wissenschaft ...

Das Einzige, das Positive, was mir vom Christentum geblieben ist ... dieses Einzige
also ist die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den geliebten Toten ...

Oder ich kann sagen: Gott, der Urheber des Universums, hat von Anfang an allen Menschen
die Ewigkeit ins Herz gelegt als eine Hoffnung, die tief in jedes Menschen Herz lebt, auch
wenn ein Gebirge von Hoffnungslosigkeit sich darüber zusammengefaltet haben mag ...

Dass es sich bei der Ahnenverehrung der Chinesen um eine Form der Familientreue,
um einen besonderen Familiensinn handelt, ist hierzulande zu wenig bekannt ...

Bei den Chinesen gilt gemäß konfuzianischer Lehre [Konfuzius +479 v. Chr.]
die Liebe der Kinder zu ihren Eltern als das höchste moralische Gebot
...

Das Christentum geriet ... mit dem chinesischen Ahnenkult in Konflikt,
und zwar aus zwei Gründen.


Erstens, weil es infolge seiner Intoleranz geneigt war, fast alle Ungetauften und Ungläubigen und Heiden,
also z.B. die toten Eltern und Großeltern usw. der Chinesen in die Hölle zu verdammen, wobei sie sich
auf Augustinus (+430) beriefen, den für Katholiken und Protestanten maßgebenden Kirchenvater, der seinerseits
sich auf das Neue Testament berief, z.B. auf ... Markus 16,16, Jesus sagt: "Wer da glaubt und getauft wird,
der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." Dass Jesus das gar nicht gesagt hat,
vielmehr diese Worte im später angefügten, unechten Markusschluss (MK16,9-20) stehen, stört die Christen kaum.
Papst Johannes Paul II [1920-2005, Amtszeit: 1978-2005] jedenfalls schreibt in seinem Neuen Weltkatechismus ... :
"Die Kirche kennt kein anderes Mittel als die Taufe, um den Eintritt in die ewige Seligkeit sicherzustellen" (Nr.1257).
Diejenigen Chinesen also, die ihren Eintritt in die ewige Seligkeit "sicherstellen" wollen - allerdings nicht so sehr,
um dort ihre verstorbenen Eltern und Ahnen zu treffen, die ja alle ungetauft verstarben -
die lassen sich sicherheitshalber taufen.

Der zweite Grund betrifft speziell die katholischen Missionare. An die Stelle des Ahnenkults ist bei ihnen
der Heiligenkult getreten, und die Heiligen sind fast ausschließlich jungfräulich und somit nicht Ahnen.
Priestern, Mönchen und Nonnen ist jeglicher Ahnenkult fremd, denn sie betrachten es als besonders gottwohlgefällig,
dass mit ihnen eine Kette der Ahnen abbricht und zu Ende geht, und sie setzen alles daran, auf keinen Fall eine Familie
zu gründen, hüten sich vielmehr davor wie vor ihrem schwersten Fehltritt, nicht zuletzt mit Berufung auf Jesu Wort:
"Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen Vater und seine Mutter und sein Weib und seine Kinder und seine Brüder
und seine Schwestern ... hasst, kann er nicht mein Jünger sein" (Lk 14,26). Es handelt sich hier um einen jener ehe- und
familienfeindlichen Sprüche, die Jesus in den Mund geschoben wurden, ursprünglich aber von der Qumran-Sekte stammen ...
In der katholischen Kirche mit ihrem Zölibatswahn, ihrer Sexualfeindlichkeit, ihrer Verehrung von lauter jungfräulichen Heiligen,
deren größte Heilige sogar als Mutter noch jungfräulich blieb, haben diese familienfeindlichen Sprüche eine fortdauernde Gefolg-
schaft gefunden. "Die Heilige Familie" des Papstes besteht aus drei Singles eigener Art: einer Jungfrau, einem Mann,
der nicht der Vater ihres Kindes ist, und einem Eingeborenen, dessen jüngere Geschwister, nämlich vier namentlich
bekannte Brüder und mehrere nicht namentlich bekannte Schwestern (Mk 6 und Mt 13), sämtlich theologisch abgetrieben
wurden, weggesprayt mit einem antisexuellen Insektizid. Die chinesische Verehrung der Ahnen wurde von katholischen
Missionaren und Päpsten jahrhunderte lang als "Götzendienst" verfemt im so genannten "Ritenstreit".
Ahnentafeln, d.h. Tafeln mit Namen oder Bildern von Ahnen, wurden als "Götzenbilder" bezeichnet und verboten,
Verbeugungen vor einem Sarg mussten unterbleiben, allenfalls "etwas zur Seite" geschehen, damit sie nicht dem Toten
galten und Götzendienst bedeutet hätten. Im Laufe dieses Ritenstreites vertrieben die Chinesen 1724 die katholischen
Missionare aus China. Der französische Adelige, Jesuit und Chinamissionar Joseph-Anne-Marie de Moyriac de Mailla
(+1748 in Peking), hervorragender Kenner der Lehren des Konfuzius und der chinesischen Kultur und Wissenschaft
und vergeblich um Verständnis für die chinesische Ahnenverehrung bemüht, schreibt in einem Brief vom 16. Oktober 1724
über das Scheitern der Chinamission, dass die Chinesen das Christentum ablehnen "wegen seiner Empfehlung der Jung-
fräulichkeit und seiner Vernachlässigung der Ahnenverehrung". Im Verlauf der Vertreibungen der Missionare
warf während einer Audienz im Jahr 1732 Kaiser Yong-tsching den christlichen Missionaren vor, sie ehrten
die Ahnen nicht, und "eine solche Gottlosigkeit könne nicht geduldet werden.
(Ludwig v. Pastor, Geschichte der Päpste, Bd. XV, 1930, s. 729) ...

So viel zum Konflikt des Christentums mit dem chinesischen Ahnenkult,
zur Intoleranz der Christen gegenüber einer humaneren Jenseitshoffnung ...


... die Gottheit des Sohnes wurde 325 auf dem Konzil von Nicäa,
die Gottheit des Heiligen Geistes 381auf dem Konzil von Konstantinopel festgelegt.
Die Christen wissen also jetzt, dass Gott einer ist und in drei Personen existiert.

Sokrates hingegen wusste, dass er nicht weiß, wobei Nichtwissen und Wissen, dass man nicht weiß,
durchaus nicht dasselbe ist. Ein Zeichen menschlicher Beschränktheit hingegen ist es, sich Gott,
dem Unendlichen, mit Zahlen (eins, drei) nähern zu wollen. Die Selbstzufriedenheit der monotheistischen
Religionen ist völlig unangebracht, insofern sie nur die irdische Hackordnung einschließlich
männlicher Überlegenheit und das Jenseits kopieren ... "Gott ist nicht ein Gott der Toten,
sondern der Lebendigen" (Mk 12,27)"

****

Worin die "Sünde" wider den Geist besteht
Die Unfähigkeit des Menschen, seinen Ursprung und sein ganzes Wesen in GOTT zu erkennen,
sein Gefühl, von der göttlichen Quelle abgetrennt zu sein, und seine irrige Auffassung,
die von Menschen aufgestellten Gebote seien göttliche Gebote - dies und nichts anderes
ist die ERBSÜNDE. Sie ist der Abfall des Menschen von seiner Bestimmung, der Verrat
seines GÖTTLICHEN ERBES, dessen Hüter er ist. Unser Erbe sind HARMONIE und LIEBE,
GESUNDHEIT, FRIEDEN und FÜLLE. Der "gefallene Engel", der "Sturz aus dem Himmel",
"Luzifers Fall" bedeuten ein und dasselbe:
den Sturz aus Harmonie, Frieden, Schönheit und
Liebe, den Sturz aus dem Zustand der Begnadung.


Verstehen Sie unter dem "Himmel" die unsichtbare göttliche Weisheit, in der Sie leben,
sich bewegen und ihr ganzes Sein, Ihren Seelenfrieden haben. Wie wahr ist doch das alte Wort:
"Selbstvergebung ist der Himmel, Selbstverurteilung ist die Hölle." Jesus sagte: Dieweil ich bei
ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich
bewahrt, und ist keiner von ihnen verloren, außer dem verlorenen Kind, auf daß die Schrift
erfüllet würde
(Joh 17,12).

Sie selbst erhalten alles, wenn Sie in seinem Namen, im Namen GOTTES, sich voll
Überzeugung das vergegenwärtigen und bekräftigen, was Sie sein wollen. Wenn Sie
zum Beispiel krank sind, bekräftigen Sie:
"Ich bin gesund. Ich danke GOTT." GOTT
ist allgegenwärtig. Er wohnt Ihnen inne, seine Weisheit, seine Heilkraft. Was Sie im
Vertrauen auf die GÖTTLICHE HEILKRAFT erflehen, wird Ihnen zuteil werden.

Unter dem im vorstehend zitierten Johanneswort genannten "verlorenen Kind" sollten
Sie den FEHLGLAUBEN verstehen, das Leben müsse mit Armut und Leid, mit Glück-
losigkeit und Krankheit verbunden sein.
Erst dieser Glaube an Verlust bringt Verlust
in Ihr Leben.
Die IDEE GOTTES ist LIEBE, FREUDE und FÜLLE. GÖTTLICHES kann
nicht verlorengehen. GOTT verliert sich nicht. Und GOTT ist Ihr Leben, Ihre Wirklichkeit.

Er wohnt Ihnen kraft Geistes, Geist von seinem Geiste, inne.

So kann zwar geschehen, daß Sie die Gesundheit, den Frieden, die Freude oder den Wohl-
stand verlieren; dann müssen Sie Ihre Einstellung, Ihre Überzeugungen ändern. Sie könnnen
sich jederzeit an die UNENDLICHE QUELLE wenden, die nie versiegt, an die GOTTES-
KRAFT in Ihnen, die alles heilt.

Von dem
Ihnen innewohnenden GEIST GOTTES ist auch die Rede in dem - falsch verstanden
so unbegreiflich hart anmutenden - Markuswort (3,29): Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat
keine Vergebung ewiglich, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts.
Den dem Menschen inne-
wohnenden Geist Gottes
zu leugnen und zu mißachten, das heißt lästern im biblischen Sinn,
und sündigen bedeutet die einzige, die große Bestimmung des Menschen verfehlen,
die Harmonie und Freude, Gesundheit und Frieden ist.

Gegen den HEILIGEN GEIST verstoßen Sie, wenn Sie nicht erkennen, daß
GOTT allgegenwärtig
und deshalb auch in Ihnen ist, GOTT als Inbegriff des unendlichen Geistes, an dem Sie teilhaben.

Es gibt keine andere Macht als die des Geistes. Wenn Sie äußeren Umständen Macht zuerkennen,
beten Sie falsche Götter an. Eine unverzeihliche Sünde gibt es nicht.

Aus: Dr. Joseph Murphy (1898-1981, Amerikanischer Philosoph, Psychologe, Vertreter der Neu-Geist Bewegung, New Thought):
“Wahrheiten, die Ihr Leben verändern“ (These Truths Can Change Your Life 1982) Kapitel 2: Haben Sie einen freien Willen
oder nicht? Worin die "Sünde" wider den Geist besteht S.37ff Arkana Goldmann 1992 (1985)


****
"Die Bibel ist das am meisten überschätzte Buch der Weltliteratur.
Weil sie die grundlegenden Schriften der bislang noch größten Weltreligion enthält und in hohen Auflagen
in fast allen Sprachen gedruckt wird, schreiben selbst der Kirche Fernstehende diesem Buch eine gewisse
inhaltliche Qualität zu. Die Bibel profitiert von einem Klassikerkult, die auch denen Respekt abnötigt,
die selbst gar keine Christen sind. Sie wird gelobt, obwohl die meisten sie kaum gelesen haben.
Und geschichtliche Wirkung hat sie ja auf alle Fälle gehabt.

Doch bedeutet geschichtliche Wirkung nicht immer auch inhaltliche Qualität.
Und so ist es ein hartnäckig sich haltendes Gerücht, dass sie Bibel eine wertvolle Lektüre sei,
dass sich in ihr nicht nur Glauben, sondern auch ein werthaftes Ethos spiegele, dass sie Orientierung
und Sinnhaftigkeit vermitteln und dass sie deshalb besonders auch Heranwachsenden
empfohlen werden könne.

Doch dies ist falsch oder stimmt zumindest heute nicht mehr.
Wir haben es bei den Schriften des Alten und des Neuen Testaments mit antiken Texten zu tun,
die mit unserer Zeit und unserer Gesellschaft nicht nur nichts mehr zu tun haben, sondern die an unzähligen Stellen
elementaren Grundsätzen einer modernen und freiheitlichen Rechts- und Gesellschaftsordnung widersprechen.

Viele Handlungsmuster und Prämissen der Bibel sind über weite Strecken für den heutigen Menschen
nicht nur unbrauchbar geworden, die Bibel zeigt an vielen Stellen geradezu beispielhaft, wie man nicht handeln sollte.

Man kann ihr daraus nicht einmal einen Vorwurf machen. Denn die Bibel ist ein Relikt
aus einer anderen Zeit, Überbleibsel einer Epoche und eines Paradigmas,
welches zu Recht auf den Schutthaufen der Geschichte gehört.


Der Begründung dieser These sind die ersten Kapitel dieses Buches gewidmet, die den Blick freigeben
auf manches Abgründige, Erschreckende und Absurde in den Heiligen Schriften der Christenheit.

Das Ansehen und der Einfluss der Kirchen war schon einmal größer ... es laufen ihr die Gläubigen davon.
Dagegen erfreut sich die Person Jesus, ihr angeblicher Gründer, weiter ungebrochener Sympathie,
sogar bei ausgewiesenen Kirchengegnern oder Anhängern der esoterischen Subkultur.
Jesus ja, Kirche nein - mit dieser Kurzformel kann man die Haltung
vieler Zeitgenossen umreißen ...

Doch war seine Botschaft wirklich so gut?
Eignet er sich wirklich als Vorbild oder gar als anzubetender Gott?


Die historische Forschung ist sich weitgehend einig, dass der Jesus, wie ihn die Kirchen verkündigen
und wie er teilweise schon in der Bibel verkündet wird, so niemals existiert hat.

Prozess und Kreuzigung Jesu
Aus: www.bibelkritik.ch/jesus/f12.htm




Leider gibt es keinen Augenzeugen, (auch keinen
biblischen) der der Nachwelt einen Bericht über
die angebliche Kreuzigung Jesu hinterlassen hat.

Niemand weiß also mit Sicherheit, wie Jesus wirklich
ums Leben gekommen ist - immer vorausgesetzt,
er hat überhaupt gelebt.

Kein einziger Bibelschreiber behauptet von sich selbst,
der Kreuzigung beigewohnt zu haben. Alle berichten
nur vom Hörensagen und das Jahrzehnte später.

Wie schon so oft, weiß auch keiner der vielen
Geschichtsschreiber außerhalb der Bibel etwas
über das berühmteste Todesurteil der Weltgeschichte.
Philon von Alexandrien
(etwa 20 v.u.Z.- 50 n.u.Z.),
ein jüdisch hellenistischer Theologe und Philosoph,
prangerte in einer Schrift etliche ungerechtfertigte
Hinrichtungen durch Pontius Pilatus an, erwähnte
aber die eines Jesus aus Nazareth nicht
.

Der römische Historiker Tacitus (55-115 n.u.Z)
bereiste das Heilige Land ausgiebig und hinterließ eine
detaillierte Beschreibung der Ereignisse jener Zeit.

Leider geht auch er mit keiner Silbe auf die
Verurteilung und Kreuzigung eines gewissen Jesus ein.


Der Schriftsteller Plinius der Ältere (23-79 n.u.Z.)
hätte ein solches Ereignis in seiner in 37 Bänden
erhaltenen "Naturalis historia" ebenfalls erwähnt, wäre
es wirklich vorgefallen. Die Kreuzigung eines Mannes
namens Jesus kann also, historisch gesehen, im
besten Fall ein unbedeutendes Ereignis am Rande
eines religiösen Festes
gewesen sein.

Weltweit existiert auch kein einziger Bericht über
Phänomene wie plötzliche Finsternis, zerrissene
Felsen oder auferstehende Tote. Nur in der Bibel lesen
wir, was alles in jener Minute geschah, als Jesus
verstarb (Mt 27,52): "Die Erde erbebte, und die Felsen
zerrissen, und die Gräber taten sich auf, und viele
Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf."

Die Evangelisten Markus und Lukas glaubten sogar zu
wissen, dass die Sonne kurzzeitig ausgeschaltet
worden sei (Mk 15,33): "Und zur sechsten Stunde kam
eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde."

Solche Überlieferungen gehörten damals zum
volkstümlichen Glaubensgut und wurden bei Geburt
und Tod besonderer Persönlichkeiten geradezu
erwartet. Schon der römische Dichter Vergil [Publius
Vergilius Maro (70 - 19 v. Chr.] hatte behauptet, bei
Caesars Tod (100 – 44 v. Chr.) habe sich
die Sonne verfinstert.


Wie die Bibel das am meisten überschätzte Buch der Weltliteratur ist,
dürfte Jesus die am meisten überschätzte Person der Weltgeschichte sein.


Wer Jesus wirklich war und was man heute wissenschaftlich verantwortbar über ihn sagen kann,
soll deshalb in einem zentralen Kapitel über ihn festgehalten werden ...

Die Ergebnisse sind für Gläubige und auch seine profanen Verehrer nicht immer angenehm.
Nicht jeder möchte das so genau wissen.

Was hat die Kirche aus Jesu Lehre gemacht? Hat er überhaupt eine tragende Rolle gespielt bei
der Ausgestaltung der Kirche und ihrer Glaubenssätze? Hat die Kirche auf ihn Rücksicht genommen?
Oder kam ihm bei der Aufführung der theologischen Oper nur die Rolle des Hausmeisters zu?...

Das Christentum wird ... als Quelle der Ethik und als Grundlage
für eine moderne Gesellschaft bei Weitem überschätzt ...

Die Frage der Entscheidung stellt sich nun gar nicht mehr, sondern nur noch die Frage,
ob man persönlich bereit ist, diese Ergebnisse [durch die Forschung]
zu akzeptieren oder vor ihnen die Augen zu verschließen ...

Das starre Festhalten an überlieferten und angeblich ewigen und heiligen Glaubenssätzen
trotz des klaren Nachweises deren historischen Gewordensein, das Behaupten einer Scheinwelt
neben der empirisch erfahrbaren Welt, gar die Erwartung einer Hölle mit ewigen Qualen
oder eines Paradieses (mit oder ohne Jungfrauen) samt eines Lebens nach dem Tode;
dies hat durchaus wahnhafte Züge ...

Nach anfänglicher Irritation wurde das Leiden und Sterben Jesu für die Christen bald zum zentralen Inhalt
ihrer Verkündigung. Die Katastrophe, die Niederlage am Kreuz wurde zu einem Sieg umgedeutet.
Mit einem nur lehrenden und nur Wunderwirkenden Jesus wäre die frühe Kirche nicht weit gekommen,
mit einem für unsere Schuld gestorbenen und wieder auferstandenen Gott trat die neue Religion
ihren Siegeszug in der damals bekannten Welt an. Mit dem Leiden ihres Herren begann aber auch das Leiden
seines Volkes, mit Golgatha nahm aber auch der christliche Antijudaismus seinen Anfang ...

Der Tod des vermeintlichen Messias (wie ihn die Judenchristen sahen) oder des Sohnes Gottes (als den ihn bald
die Heidenchristen verehrten) reichte freilich als Grundlegung dieser neu entstehenden Weltreligion nicht aus.
Der Symphonie fehlte noch der Paukenschlag, damit sie sich nachdrücklich im Gedächtnis festsetzen konnte.
Richtig interessant wurde Jesus erst nach seinem Tod, als seine Anhänger ihn als Auferstandenen verkündigten.
Solange er nur ein Getöteter war, haftete der Makel des Gescheiterten an ihm, als man ihn aber als Auferstandenen
verkündete, wurde er zu einem Sieger. Und Sieger haben zu allen Zeiten die Menschen magisch angezogen.
Auch wenn die Kirchen später aus theologischen Gründen das Kreuz als die entscheidende Heilstat bezeichneten
und die Auferstehung eher nachordneten, wurde die behauptete Auferstehung Jesu
zum archimedischen Punkt des Christentums ...

Bedenklicher ist da schon der Umstand, dass es für die Auferstehung Jesu keinerlei neutrale Zeugen gibt.
Alle, die seine Auferstehung bezeugen, waren seine Anhänger und Jünger. Diese mangelnde Beglaubigung ist schon
in der Antike aufgefallen. So bemerkt Porphyrius [3.Jhd.n.u.Z.], der wohl bedeutendste Christentumskritiker der Antike:
"Wenn der auferstandene Christus sich angesehenen Männern offenbart hätte, dann wären durch sie alle
zum Glauben gelangt, und kein Richter hätte sie [die Jünger] als Erfinder absonderlicher Märchen verurteilt."
(Makarios II, 14, nach der Harnack'schen Zählung)

Man mache sich das klar: Geschen ist die nach Meinung der Christen entscheidende Wende der Weltgeschichte,
und der auferstandene Herr macht sich (nach Lukas noch am gleichen Tage) davon wie ein Dieb in der Nacht,
nachdem er sich nur einigen seiner engsten Anhänger gezeigt hat. Besonders vertrauenswürdig ist das nicht gerade.
Der Theologe Origenes [2./3.Jhd.n.u.Z] wusste sich gegen den Christentumskritiker Celsus [Kelsos, spätes 2.Jhd.n.u.Z]
nur zu helfen, indem er meinte, die anderen Menschen hätten den Anblick seiner verklärten Erscheinung nicht ertragen
können. (Origenes, contra Celsum 2/63,64) Und spätere Christen machten aus der Not eine Tugend und betonten,
es komme ja auf den Glauben an, zu viel Wissen sei da gar nicht gut. Mit den vielgestaltigen Geheimnissen
des Glaubens geht vor allem die katholische Kirche heute noch hausieren.

Es hilft nichts, wenn Theologen immer wieder versichern, dass der Glaube sich nicht von historischen Fakten
abhängig machen dürfe, dass dies dem Glauben gerade widerspreche und dass es auf die persönliche Entscheidung
ankomme. Denn vor Fakten kann auch kein Glaube die Augen verschließen, wenn er nicht sich und seinen Träger
auf Dauer lächerlich machen will. Es wäre absurd, trotzig noch an der Scheibenform der Erde festzuhalten,
nachdem diese widerlegt ist. Historische Erkenntnisse haben natürlich nicht die gleiche Dichte wie natur-
wissenschaftliche. Doch verlangt die intellektuelle Redlichkeit dennoch das Eingeständnis, dass
die Fundamente des Christentums nicht nur brüchig sind, sondern nie wirklich existiert haben.
Das Christentum insgesamt mit seiner Geschichte und seiner Dogmatik entpuppte sich
als weltgeschichtlicher Irrtum, als folgenreicher Selbstbetrug,
als eine weltanschauliche Luftnummer

Dass die Kirchen dies nicht zugestehen können, ist verständlich. So wie jeder Anhänger einer Religion,
wäre er mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, dies bestreiten würde. Es darf vermutet werden,
dass auch andere Religionen keine ausreichende Legitimation haben,
würde man sie nur einmal kritisch daraufhin befragen." ...
Heinz Werner Kubitza
(Dr. theol., Tectum Wissenschaftsverlags Inhaber):
Aus: „Der Jesuswahn. Wie die Christen sich ihren Gott erschufen.
Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung“
Auszugsweise aus: Vorwort Seite 9-13; Wer ist schuld am Tod Jesu - Die Anfänge des christlichen Judenhasses?
Seite 162; Die Auferstehungslegenden - Hypothesen zum Urmirakel des Christentums Seite 176,179;
Das Christentum als weltgeschichtlicher Irrtum - Ein Zwischenfazit Seite 228f
TECTUM Verlag 2011
www.tectum-verlag.de

"Religiöser Glaube ist die persönliche Übernahme und Einwilligung in ein meist traditionelles System
von Fremdbestimmung. Statt selbst zu leben, übernimmt der Gläubige ein Modell des Lebens und
ordnet sich diesem unter. Da jeder religiöse Glaube letzlich auf Phantasien und Wahnvorstellungen
beruht, hat der religiöse Glaube zumindest eine tendenzielle Neigung zu neurotischen
und pathologischen Kategorien [Aussagen, Eigenschaften, Anklagen] ...

Aberglaube war lange ein Kampfbegriff, mit dem eine Religion sich von anderen abgrenzte.
Besonders das Christentum hat von diesem Begriff regen Gebrauch gemacht. Schon im
Kampf gegen die polytheistischen Gottheiten der Antike meinte das Christentum sich mit
diesem Begriff von diesen absetzen zu können. Auch bei Religionen, die das Christentum
etwas ernster nahm, bei Judentum und Islam, grenzte man den eigenen Glauben von
deren Aberglauben ab ... Das Interessante daran ist, dass die Gläubigen mit diesem
Kampfbegriff im Wesentlichen durchaus richtig liegen. Das Wort "Aberglaube" erkennt
richtig, dass Menschen sich irrige oder absurde Vorstellungen über Gott und die Welt
machen, die einer kritischen Überprüfung nicht standhalten. Sie leben ein Leben unter
falschen Voraussetzungen, unterwerfen sich erfundenen Göttern, scannen die Wirklichkeit
nach Zeichen und Wundern, die als Bestätigung dessen dienen,
wozu sie sich bekannt haben ...

Glaube ist Aberglaube, das müssen deshalb selbst Gläubige im Prinzip zugestehen.
Ausgenommen ist für Sie lediglich die eigene Religion, der Sie die Deutungshoheit
über Ihre Welt einräumen. Denn diese halten Sie ja für etwas Besseres ...

Heinz Werner Kubitza
(Dr. theol., Tectum Wissenschaftsverlags Inhaber)
Aus: „Der Dogmenwahn: Scheinprobleme der Theologie. Holzwege einer angemaßten Wissenschaft“
Der Glaube, Seite 71, Glaube ist Aberglaube, Seite 79f
TECTUM Verlag 2015


***
"Doch überall habe ich festgestellt, dass die Menschen sehr gerne fabulieren, um der Wirklichkeit nicht ins Auge
sehen zu müssen. Die Erfindung von irgendwelchen himmlischen Paradiesen wäre halb so schlimm, bezahlte
man dafür nicht einen hohen Preis: das Vergessen der Wirklichkeit, und damit die schuldhafte Vernachläs-
sigung der einzigen realen Welt. Dort, wo der Glaube die Immanenz - d.h. einen selbst - missachtet,
da versöhnt die Atheologie mit der Erde, die ja eine andere Bezeichnung für das Leben selbst ist ...

Ich verachte die Gläubigen nicht ... aber die Tatsache, dass sie die beruhigenden, kindhaften Vorstellungen
den grausamen Gewissheiten der Erwachsenenwelt vorziehen, bringt mich zur Verzweiflung.
Der besänftigende Glaube erhält also gegenüber der beunruhigenden Vernunft den Vorzug,
auch wenn der Preis dafür ein ewiger Infantilismus ist ...

Daher empfinde ich, was seit jeher in mir aufsteigt, wenn sich Selbstentfremdung vor meinen Augen
so deutlich abzeichne: ein starkes Mitgefühl für den Getäuschten, verbunden mit einer unbändigen Wut
gegen diejenigen, die so beharrlich täuschen ...

Die Leichtgläubigkeit der Menschen übersteigt jede Vorstellung ...

Man beschäftigt sich lieber mit Fabeln, Fiktionen, Mythen und Kindergeschichten, als dass man die
grausame Wirklichkeit bloßlegt und so gezwungen wäre, die tragischen Tatsachen dieser Welt zu ertragen.
Um den Tod zu bannen, klammert der homo sapiens ihn kurzerhand aus. Um das Problem nicht lösen

zu müssen, unterdrückt er es. Sterben zu müssen betrifft nur die Sterblichen. Der Gläubige - naiv
und einfältig wie er ist - weiß, dass er unsterblich ist und den Weltuntergang überleben wird ...

Atheologie ... eine Gegenbewegung zur Theologie, die den Diskurs über Gott noch einmal aufrollt
und dessen Mechanismus genauer untersucht, um die Kehrseite eines vom Monotheismus
durchdrungenen Welttheaters zu entdecken."...


Aus: Michael Onfray: „Wir brauchen keinen Gott. Warum man jetzt Atheist sein muss“ Seite 18,19,20
(Traité d’athéologie. Physique de la métaphysique Traite 2005) PIPER 5.Auflage 2010 (2006)


***
"Man kann und müsste eigentlich, insbesondere als Intellektueller, Wissenschaftler, gar als "Professor"
(= Bekenner!), über spezifische religiöse Aussagen reden, etwa wenn sie inhuman-archaische Inhalte
implizieren und/oder klar erkennbaren Tatsachen widersprechen, insbesondere dann, wenn,
wie heute weltweit unverkennbar in den großen Buchreligionen, fundamentalistische Strömungen
erstarken und die mühsamen und mit großen Opfern errungenen humanen Fortschritte und
menschlichen Grundrechte bedrohen! Dieses "Flaggezeigen" ist indessen heute nicht "in".
Klare, eindeutige Aussagen in religiösen Dingen sind heute nicht gefragt.
Man larviert lieber."




Franz Buggle
(1933-2011)
Prof. Dr. f. klinische Psychologe, Religionskritiker
Aus
:
„Denn sie wissen nicht, was sie glauben.
Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift“

Alibri Verlag, überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2004 (1992) Seite 360

"Einen Gott, der Eroberungskriege inklusive der ausdrücklich angeordneten Hinschlachtung von Kindern, Frauen und Greisen
befiehlt, der eine inhuman grausame Blutjustiz immer wieder eindringlich fordert und die extrem grausame Hinrichtung seines
eigenen Sohnes als Sühneopfer ausdrücklich wünscht, der Teilgruppen und Minderheiten wie etwa Frauen und Sklaven
diskriminiert, der die Ausrottung Andersgläubiger befiehlt, Geisteskrankheit auf Besessenheit zurückführt oder ewige (!)
Höllenstrafen androht,
einen solchen Gott, auch wenn er, extrem widersprüchlich, an anderer Stelle Nächstenliebe,
ja sogar Wehrlosigkeit fordert,
als höchstes absolutes Vorbild und Verhaltensmodell zu propagieren,
scheint (mir) schwer zu rechtfertigen:


Die Geschichte hat ja gezeigt, wie sehr der Mensch dann auch darin zum Ebenbild Gottes wurde [8].

Dass die Bibel als Gottes Wort teilweise auch historisch, nicht nur naturwissenschaftlich, die Unwahrheit sagt,
z.B. auch in der so beliebten Weihnachtsgeschichte - Erfindung einer Volkszählung als Arrangement, den Geburtsort Jesu
nach Bethlehem, von wo der Messias kommen sollte, zu verlegen -, sei nur am Rande vermerkt.

Diese sehr harten Aussagen müssen, eben weil sie unserem gegenwärtigen teils nebelhaft verunklarten, teils dezidierten
Klima ungebrochener Bibelverehrung krass widersprechen, ins Gesicht schlagen, im einzelnen belegt werden ...

Die Bibel beinhaltet und propagiert an erschreckend zahlreichen Stellen und in ausgeprägter Weise eine Tendenz zu archaisch
grausamer Gewalttätigkeit, und zwar sowohl gegen Fremdgruppen, "Outgroups" ("Feinde", Andersgläubige usw.), wie auch gegen
von den je eigenen Glaubensvorstellungen und Verhaltensnormen abweichende Mitglieder der eigenen Gruppe
...

In der Tat müsste man sehr vieles wegnehmen, um die Bibel vor einem auch nur bescheidenen Maßstab heute zu fordernder Humanität
und ethischer Minimalstandards bestehen zu lassen, insbesondere hier im Kernstück des Alten Testaments, den fünf Büchern Mose
(aber keineswegs nur in diesen und keineswegs auch nur im Alten Testament, wir werden das noch zeigen); denn diese hier nur an
wenigen Beispielen aufgezeigte Gesinnung der Gewalttätigkeit gegen Außengruppen (Fremdvölker, Andersgläubige, Abweichende) findet
sich immer wieder und erschreckend häufig in den biblischen Texten: Man sollt auch diese Aussage nicht ungeprüft hinnehmen,
sondern sich durch eigene Lektüre überzeugen.

Tatsächlich scheint das heute noch bestehende hohe Ansehen der Bibel außer auf den durch Angstinduktion gestützten psychologischen
Strategien frühkindlicher Indoktrination auf einer hochselektiven, einseitigen Darbietung positiver Bibelstellen zu beruhen, nicht zuletzt
auch durch die Tatsache ermöglicht, dass nur eine ganz verschwindende Zahl von Christen die Bibel in ihrem vollständigen Text
selbst liest und sich nicht nur mit hochselektiven Ausschnitten in Gottesdiensten und in Bibelunterweisungen begnügt.

Aber schon diese Auswahl scheint den Kirchen und Bibelanhängern nicht geringe Schwierigkeiten zu bereiten. Denn auch unter den für
Liturgie und Bibelunterweisung ausgewählten Stellen findet sich bei näherem Hinsehen auf die Originaltexte und deren Einbettung diese
Grundeinstellung der Gewalttätigkeit und der kaum gezügelten Tendenz zur Vernichtung von menschlichem Leben; so z.B. auch bei
der so gut wie in allen Schulbibeln als alttestamentarisches Vorbild der neutestamentlichen Erlösung immer wieder dargestellten
Herausführung Israels aus Ägypten: nicht nur betont Gott immer wieder, dass er das Herz des Pharao "verhärtet" habe, damit er das Volk
Israel nicht ziehen lasse, damit er diese "Zeichen" unter ihnen vollbringen konnte (Ex. 4;21 u. 10; 20 u.a). Eines dieser "Zeichen",
das Jahwe ankündigt und vollbringt: "So spricht Jahwe: Um Mitternacht will ich mitten durch Ägypten gehen. Dann wird jeder Erstgeborene
in Ägypten sterben, vom Erstgeborenen des Pharao, der auf dem Thron sitzt, bis zum Erstgeborenen der Magd an der Handmühle und
bis zu den Erstlingen unter dem Vieh. Geschrei wird sich in ganz Ägypten erheben, so groß, wie es keines je gegeben hat oder geben
wird" (Ex. 11; 4-6). "In dieser Nacht gehe ich durch Ägypten und erschlage in Ägypten jeden Erstgeborenen
bei Mensch und Vieh" (Ex. 12; 12).

Die Tötung von Kindern (das damit zugefügte unsägliche Leid etwa der betroffenen Mütter und Angehörigen) wird auch hier wieder
offenbar ohne einen Anflug von Gewissensregung oder Mitleid akzeptiert und beschrieben. Ganz im Gegenteil: "Diesen Tag sollt ihr
als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest zur Ehre des Herrn!" (Ex. 12; 14) ...

Auch in den in der Minderzahl befindlichen ethisch positive oder neutral (man wird bescheiden beim Bibellesen) einzuschätzenden
Stellen, die von den Kirchen in Gottesdienst und Lehre hochselektiv vermittelt werden, finden sich oft unmittelbar nach den häufig zitierten
Stellen ganz andere Töne, und man sieht, wie sehr die Kirchen hier selegieren müssen. Die berühmten viel zitierten Verse Jes. 42; 10-12
"Singt dem Herrn ein neues Lied ..." werden unmittelbar durch eindeutig Kriegführung verherrlichende Verse fortgesetzt: "Der Herr zieht in
den Kampf wie ein Held, er entfacht seine Leidenschaft wie ein Krieger. Er erhebt den Schlachtruf und schreit, er zeigt sich als Held
gegenüber den Feinden ..." (Jes. 42; 13), und das folgende Kapitel 43, das im ersten Vers die berühmten tröstlichen Worte enthält:
"Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen", fährt unmittelbar anschließend im dritten Vers fort:
"Ich gebe Ägypten als Kaufpreis für dich, Kusch und Seba gebe ich für dich ... Ich gebe für dich ganze Länder und für dein Leben ganze
Völker ...", und dann Vers 16 und 17: "So spricht der Herr ..., der Wagen und Rosse ausziehen lässt zusammen mit einem mächtigen
Heer". Diese Einbettung und enge Verschränkung in von den Kirchen und christlichen Religionsgemeinschaften häufig zitierte Texte
zeigen, dass die zitierten Stellen der kriegerischen Gewalttätigkeit nicht nur ihrer Häufigkeit wegen, sondern auch ihrer untrennbaren
Verbundenheit mit den von den Kirchen und Religionsgemeinschaften als Gottes Wort explizit hervorgehobenen Stellen nicht akzidentelle
"Betriebsunfälle" oder Fremdkörper darstellen, sondern die Grundeinstellung weitester Teile der Bibel zur kriegerischen Gewalttätigkeit
genuin wiedergeben ...

Auch im Neuen Testament findet sich, wo das Problem "Anders- oder Ungläubige" angesprochen wird, immer wieder eine Atmosphäre
der Intoleranz, der Feindseligkeit bis zu unversöhnlichem Hass und exzessiven Bestrafungsphantasien (= -wünschen). Schon im
ältesten Evangelium nach Markus sagt Jesus in seiner Abschiedsrede, im Unterschied zur verschwommenen Einerseits-andererseits
Diktion vieler moderner Theologen, sehr eindeutig und klar: "Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt,
wird verdammt werden" (MK. 16;16)
...

Kann ein Buch, das so durchdrungen ist von dieser Denkweise wie die Bibel ... weiterhin
als göttlich autorisierte Quelle ethischer Normen angesehen werden?...


Wie sehr - und mit welch verheerenden historischen Folgen! - sich die diskriminierende Ablehnung des Apostels Paulus gegen die nicht
christgläubigen Juden richtet, zeigen Stellen wie die folgende: "Denn, Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa gleich geworden,
die sich zu Christus Jesus bekennen. Ihr habt von euren Mitbürgern das gleiche erlitten wie jene von den Juden. Diese haben sogar
Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen; sie hindern
uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß
ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen" (1 Thess. 2; 14-16)"...

Wer die Kirchengeschichte mit ihren unzähligen und umfassenden Glaubenskämpfen, der millionenfachen und jahrhundertelangen
Verfemung (Verdammung, Ächtung) und Ermordung Andersgläubiger (inklusive der Juden) überblickt, wird sich fragen müssen, wieweit
nicht hier in dieser schon biblisch angelegten, also göttlich und damit als unfehlbar richtig autorisierten Grundgesinnung der Unduld-
samkeit und Verfemung, der gegenseitigen Bannflüche, dem Bedürfnis nach Bestrafung und Vernichtung des Andersgläubigen oder gar
"Abgefallenen", die oder zumindest eine Wurzel all dieser Grausamkeiten und Inhumanität gesehen werden muss. Die Jahrhunderte
währende, im wesentlichen erst durch die Aufklärung und den aufgeklärten modernen Staat beendete Übereinstimmung
zwischen biblischen Vorbildern und vielen Bibelgläubigen muss jedenfalls sehr nachdenklich stimmen.".[..

Auch auf dem Gebiet sexueller Normabweichung [Sünde] gibt es viel Arbeit für den Henker. So wird die Todesstrafe angeordnet für
vorehelichen Verkehr: "Wenn ein Mann eine Frau geheiratet und mit ihr Verkehr gehabt hat ... und behauptet: "Diese Frau habe ich
geheiratet, aber als ich mich ihr näherte, entdeckte ich, dass sie nicht mehr unberührt war!" ... Wenn der Vorwurf aber zutrifft, wenn sich
keine Beweisstücke für die Unberührtheit des Mädchens beibringen lassen, soll man das Mädchen hinausführen und vor die Tür ihres
Vaterhauses bringen. Dann sollen die Männer ihrer Stadt sie steinigen und sie soll sterben; denn sie hat eine Schandtat in Israel
begangen, indem sie in ihrem Vaterhaus Unzucht trieb. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen"
(eine immer wieder eingehämmerte Devise) (Dtn. 22 13,14,20,21) ...

Ebenso sollen Geschlechtsverkehr mit einer menstruierenden Frau - "Ein Mann, der mit einer Frau während ihrer Regel schläft und ihre
Scham entblößt, hat ihre Blutquelle aufgedeckt, und sie hat ihre Blutquelle entblößt; daher sollen beide aus ihrem Volk ausgemerzt
werden" (Lev. 20; 18) - oder homosexuelle Kontakte - "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie
eine Greueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen" (Lev. 20; 13) - mit der Todesstrafe
geahndet werden, von Ehebruch (z.B. Lev. 20; 10 u. Dtn. 22; 22), sexuellen Beziehungen zu Verwandten (Lev. 20; 11-17) und
Verkehr mit Tieren (Ex. 22; 18 u. Lev. 20; 15,16) ganz zu schweigen ...

Nicht nur die Androhung prompter Bestrafung, sondern ebenso die Art der Strafe nach Vielfalt und Schwere bei
Nichtbefolgung der
göttlichen Gebote und Weisungen muss jeden empören, der sich gegen frühkindliche Sozialisationseinflüsse, dort induzierte Ängste und
Denkhemmungen noch einen Rest prometheischen Widerstandsgeistes, "metaphysischer Zivilcourage" (Günter Anders) und humaner
Sensibilität bewahrt hat, und lässt eine Akzeptierung der Bibel auch noch in heutiger Zeit nur schwer verständlich erscheinen: "... so wird
der Herr seine Freude daran haben, euch auszutilgen und euch zu vernichten ..." (Dtn. 28; 15,20,22,26-29,32,35,53,58-61)
Man sollte sich immer wieder klarmachen, was ein solches Gottesbild psychologisch anrichten kann! ...

Sollte nicht allmählich auch dem letzten klar werden, dass die wirklich gewichtigen Einwände gegen die Bibel nicht so sehr
naturwissenschaftlicher, sondern ethisch-moralischer und anthropologischer Art sind? ... das ethisch-moralische Niveau des biblischen
Gottes, der ja die Verkörperung des höchsten Gutes sein sollte, in vielen seiner Aussagen sich als so archaisch-inhuman erweist, dass
es jedem heute lebenden Menschen nicht schwer fallen dürfte, eine Menge ihm bekannter Menschen zu benennen, deren, bei allen klar
gesehenen Schwächen und Mängeln, ethisch-moralisches Niveau das des biblischen Gottes bei weitem übersteigen dürfte ...

Dass auch auch die Interpretation des Kreuzestodes als Sühneopfer und Erlösungstat, das zentrale Ereignis für alle christlich-biblischen
Religionen, überhaupt nur auf dem Hintergrund eines auf Strafe bedachten gewalttätigen alttestamentarischen Gottes psychologisch
erklärbar wird ... nur durch frühkindliche und permanent fortdauernde Indoktrination ... [diesen] nicht mehr sichtbaren,
aber eigentlich offen zutage liegenden Tatbestand ...


Jesus führt eine für das Neue Testament spezifische Strafvorstellung ein, nämlich von der ewigen Höllenstrafe [Mk. 9; 43-48, Mt. 5 29,30;
im Rahmen der Bergpredigt!)], eine Strafandrohung, deren unheilvolle, psychisch verheerende Wirkung in der Geschichte des
Christentums auf unzählige Menschen gar nicht übertrieben werden kann (vgl. etwa Herbert Vorgimler, "Geschichte der Hölle", 1993).
Man versuche, sich von aller Gewöhnung durch religiöse Erziehung einmal frei und sich klarzumachen, was eine Drohung mit ewig
dauernden extremen Qualen (psychischer Terror!) psychologisch bedeutet; dagegen verblassen alle sonst bekannten Folterungen und
Strafen, weil diese immerhin zeitlich endlich sind. Bei aller Anerkennung der positiven Züge Jesu (und bei aller Schonung der Gefühle von
Gläubigen): Kann ein ethischer und religiöser Lehrer, der solche Strafandrohungen wie selbstverständlich heranzieht und mit ihnen
umgeht, der solche Strafphantasien offenbar unproblematisch akzeptiert oder entwickelt, kann ein solcher Mann heute noch
als Verkörperung des absoluten Guten, der absoluten Liebe, als Gott verkündet werden? ...

Spätestens hier müsste sich für jeden nur einigermaßen human denkenden Menschen die Frage der Entscheidung stellen, ob er eine
"heilige Schrift" akzeptieren will, die diese Lehre enthält. Denn dass diese Lehre genuiner Bestandteil des Neuen Testamentes ist, diese
Peinlichkeit wird zwar heute von modernen Theologen teils verschwiegen, teils durch allerlei dialektische Künste zu verharmlosen
versucht. Demgegenüber halten so gut wie alle Kirchen in ihren offiziellen, verbindlichen Lehrverlautbarungen an dieser Lehre
von den ewigen Höllenqualen fest, widerrufen sie zumindest nicht offiziell ...


Es folgt unmittelbar der bei christlichen Begräbnissen gerne zitierte Vers "Selig die Toten, die im Herrn sterben ..." (Offb. 14; 13), ohne
dass je sein zu dem vermittelten Trost kontrastierender Hintergrund eines extrem gewalttätigen und grausam strafenden Gottes erwähnt
würde: Welche Verschleierung ist hier offenbar notwendig, um dem "Wort Gottes" den Respekt der Unwissenden zu erhalten! ...

In diesen exzessiven Ausdruck von Strafsucht und Sadismus ist auch das berühmte und von den christlichen Kirchen und
Glaubensgemeinschaften aller Richtungen gerne und häufig selektiv in seine in seinen Anfangsversen zitierte, scheinbar so trostreiche
Kapitel 21 [der Offenbarung des Johannes] eingebunden, wenn unmittelbar auf die wohl jedem Christen bekannten Verse "Er wird alle
Tränen von ihren Augen abwischen" und "Seht, ich mache alles neu" der so gut wie immer unterschlagene Vers 8 folgt: "Aber die
Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner - ihr Los
wird der See von brennendem Schwefel sein" (Offb. 21;8) ...

Die Kirchen müssen sich so die Frage gefallen lassen, warum sie, trotz dieser extrem inhumanen Inhalte, die Bibel immer noch
ungekürzt mit sehr großem finanziellen und personellen Aufwand und nach wie vor mit dem Anspruch verbreiten, eine absolute, letzte,

göttliche Quelle von Verhaltensnormen zu vermitteln, ja geradezu eine Renaissance der Bibellektüre anstreben und, soweit erreicht,
freudig begrüßen. Aber auch alle verantwortlichen (Sozial-)Wissenschaftler, Ethiker, Pädagogen, Eltern, darüber hinaus jedes nicht
gedankenlos und unkritisch dahinlebende Mitglied einer humanen, demokratischen, aufgeklärten Lebensnormen verpflichtenden
Gesellschaft müssen sich fragen lassen, warum sie diese Praxis der Kirchen unwidersprochen über sich und über ihre Kinder ergehen
lassen, durch archaisch-inhumane, angsterzeugende Inhalte Verhalten und Erleben mit allen bekannten verheerenden psychischen
Folgen kontrollieren zu wollen sowie weiterhin Vorbilder extremer Gewalttätigkeit und inhumanen Sadismus
als Verhaltensleidbilder absoluter Autorität zu vermitteln ...

Durch (früh)kindliche Indoktrination wird so das Bild eines Gottes verinnerlicht, der zu seiner Versöhnung den Kreuzestod, bekanntlich
eine der grausamsten Hinrichtungsarten - auch hier sollte man die durch Gewohnheit eingetretene Abstumpfung überwinden und sich
dieses grauenhafte Geschehen einmal in allen Einzelheiten vorzustellen versuchen -, eines Menschen und darüber hinaus eines
Menschen, zu dem er in einem Vater-Kind-Verhältnis steht, seines Sohnes, nicht nur annimmt, sondern auch nach mehrfachem
biblischem Zeugnis ausdrücklich wünscht: "Er [Jesus] sprach: "Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht,
was ich will, sondern was du willst (soll geschehen)"" (Mk. 14; 36 entspr. Mt. 26; 39; Lk. 22; 42). "Nach dem Willen unseres Gottes und
Vaters" (Gal. 1; 4). "Es war nämlich Gottes gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt" (Hebr. 2; 9 u.a.). Die Verinnerlichung und
Verfestigung eines solchen Gottesbildes stellt einen Eingriff in die Psyche eines Kindes von kaum zu überschätzender psychologischer
Problematik dar und kann eine möglicherweise lebenslang wirksame Quelle interner tiefliegender Ängste und aggressiver Impulse
sowie eines bedrohlich-verdüsterten Weltbildes werden
...

Nicht zuletzt die moderne klinische Psychologie hat aufgezeigt, wie sehr eine so induzierte Selbstabwertung [Lehre von der Verderbtheit,
Verworfenheit, Verdammungswürdigkeit des Menschen], die Vermittlung eines so negativen Selbstbildes sowohl im Sinne der
"Hilflosigkeit", d.h. des Glaubens und des Gefühls, durch eigene Anstrengung und Aktivität nichts selbst bewirken zu können, wie auch
der moralischen Selbstabwertung als völlig "verderbter" Sünder zur Quelle psychischer Störungen, insbesondere, aber nicht allein,
depressiver Störungen werden kann. So kann es den klinisch-psychologisch Informierten nicht überraschen, dass wesentliche Teile
der biblischen Moralvorschriften, der Willkür Gottes und der frag- und bedingungslosen Unterwerfung des Menschen entsprechend,
willkürlich-ritualistische Züge tragen und nicht selten zu entsprechenden zwangsneurotisch anmutenden Versuchen der Bewältigung
führen, eine Eigenschaft der (biblischen) Religiosität, die schon Freud gesehen hat ...

Dem Vertreter einer abweichenden Glaubensauffassung, insbesondere eines radikalen, atheistischen Standpunktes werden nicht so sehr
sachliche (gleichgültig ob richtige oder falsche) Argumente zugestanden, sondern hinter seinem Standpunkt wird noch immer oder schon
wieder das Wirken böser Mächte, des Teufels gesehen. Bis heute gilt intensive Abwehr und Ablehnung des Christentums "unter Kennern"
als eines der Kernmerkmale für Besessenheit (vgl. etwa Willem Cornelis van Dam, 1970; Adolf Rodewyk, 1966; Corrado Balducci; 1976;
u.a.) ... diese Verbindung von Andersdenken und -glauben mit dem Wirken des Teufels ... hat eine sehr lange und sehr
verhängnisvolle christlich-kirchliche Tradition
...

Neben den tausendfachen Verbrennungen und Folterungen von Frauen und Kindern als "Hexen" war eine besonders beschämende
Implikation des Teufelwahns die jahrhundertelange Diskriminierung und Verfolgung der Juden, ebenfalls neutestamentlich
begründet und/oder gerechtfertigt [Joh. 8; 44; Offb. 2; 9 u. 3: 9; Ps. 106; 37,38] ...

Die Verbindung, ja fast Gleichsetzung der Juden mit dem Teufel zieht sich kontinuierlich durch die Geschichte der christlichen Völker,
insbesondere auch des deutschen, bis zum Nationalsozialismus. Hitler brauchte hier die jahrhundertealte, religiös begründete
psychologische Gleichsetzung von Teufel und Juden nur aufzugreifen und für seine Zwecke auszunutzen. so empfahl er etwa, die Juden
als "den bösen Feind der Menschheit, als den wirklichen Urheber allen Leids dem allgemeinen Zorn [zu] weihen"
(Hitler, Mein Kampf, 1934, s. 724) ...

Nur zu oft verschaffte ja der Teufelsglaube erst das gute Gewissen für Diskriminierung, Folterungen und Hinrichtungen, für umfassende,
religiös motivierte sadistische Exzesse (Inquisition, Hexenverfolgung, Kreuzzüge u.a.), ein Tatbestand, den auch kirchliche Theologen
eingestehen (Camille Gerest, "Der Teufel in der theologischen Landschaft der Hexenjäger des 15. Jahrhunderts" Concilium, Heft 3,
11. Jahrgang 1975. S. 181. Internationale Zeitschrift für Theologie) ...

Die moderne Psychologie und Verhaltensbiologie hat aufgezeigt, wie die verbale Herabsetzung, Verunglimpfung und nicht zuletzt
Dämonisierung immer wieder die psychologische Vorbereitung zur Realisierung exzessiver kollektiver Aggressionen mit ihrer
erbarmungslosen Abschlachtung von Andersdenkenden und Minderheiten dargestellt hat (Religionskriege, Kreuzzüge, Ketzer-
und Judenverfolgungen, Sklaverei, Kolonialismus usw.). Auch dazu ließ und ließe sich die Bibel gebrauchen ...

Es ließe sich im einzelnen zeigen, dass die Bibel zu den dringendsten heutigen Weltproblemen, wie Aufrüstung und Kriegsgefahr ...
atomaren Gefahren ... Bevölkerungsexplosion ... Hunger, Unternährung und Umweltproblemen, keine oder gefährlich falsche
Handlungsanweisungen gibt, die teilweise angesichts der Nöte, Probleme oder Katastrophen gerade der Dritten Welt im besten Falle
naiv egozentrisch, im schlimmsten zumindest objektiv zynisch klingen müssen
...


Versucht man ein erstes Fazit aus dem bisher Gesagten ... so sieht man sich mit der erstaunlichen, ja provozierenden Tatsache
konfrontiert, dass unserer institutionalisierten und auch weitgehend privaten Religiosität und der aus ihr abgeleiteten Moral ein Buch
zugrunde liegt, das weithin bestimmt ist durch eine archaisch-inhumane Grundhaltung, durch eine Haltung der Gewalttätigkeit, durch den
Ausdruck ausgeprägter Strafphantasien und -bedürfnisse, durch düstere Drohungen mit extremsten Strafen. Einem weithin gewalttätig-
willkürlichen Gott steht ein als sündig und verderbt gezeichneter Mensch gegenüber, der wenig bis nichts für sein eigenes Heil
bewirken kann, sondern allein auf Gottes Gnade angewiesen ist.


Diese provozierende Sachverhalt wird nicht dadurch geheilt, dass die Bibel, wie wohl jeder Niederschlag menschlichen Denkens, Fühlens
und Wertens, auch positive Aspekte enthält, wie etwa das Liebesgebot oder einige Aussagen über Züge der Liebe, des Heilswillens, der
Güte und Barmherzigkeit des biblischen Gottes. Denn zunächst werden diese biblisch eher zurücktretenden positiven Züge bei weitem
durch die immer wieder zu findenden und im vorigen umfassend belegten gewalttätig-düsteren, grausam-unhumanen Züge des
biblischen Gottes mehr als kompensiert, wie sich jeder über die oben angeführten Belege hinaus durch eigene Bibellektüre überzeugen
kann. Die zweifellos vorhandenen, wenn auch insgesamt eher zurücktretenden positiven Züge, ich habe dies ausführlich zu zeigen
versucht, sind darüber hinaus im einzelnen und insgesamt untrennbar eingebunden in die angeführten negativen inhumanen Aspekte.

Dies lässt sich selbst, ich habe dies ebenfalls dargelegt, am Beispiel der Bergpredigt aufzeigen, immer wieder als Höhepunkt
neutestamentlicher Ethik hervorgehoben, oder am zentralsten Glaubensinhalt aller christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften,
den blutigen Sühneopfer Jesu am Kreuz, das überhaupt nur Sinn erhält, so auch die eindeutige biblische Interpretation, wenn man es auf
dem Hintergrund des alttestamentarischen archaischen Gottesbildes sieht. Noch einmal muss an dieser Stelle gefragt werden:
Wie ist es um die Liebe und Güte eines Gottes bestellt, die eingebunden ist in eine Gesinnung, die, wieder nach klarem biblischen
Zeugnis, eine der grausamsten Hinrichtungsarten, vollzogen an einem Menschen, zu dem er in einem Vater-Kind-Verhältnis steht,
nicht nur akzeptiert, sondern ausdrücklich wünscht und verlangt, um so durch das Blut seines eigenen Sohnes versöhnt zu werden
und von ewiger Bestrafung abzusehen (immerhin nur bei einem Teil der Menschheit)?

Dass dieser Kern der christlichen Botschaft auf heute lebende Menschen nicht in höherem Ausmaß provozierend wirkt, kann wieder nur
psychologisch mit der intensiven Wirkung frühkindlicher Indoktrination und der durch ein Heer von Theologen geleisteten Verunklarung und
Immunisierung, die auf Kosten einer redlichen Rezeption der entsprechenden biblischen Texte gehen muss, erklärt werden. Wer würde
heute, durch keine frühkindliche Indoktrination beeinflusst, als Erwachsener eine solche Lehre nicht entrüstet zurückweisen? Welche
Macht der Projektion gegenüber der biblischen Realität, welche Stärke der zugrundeliegenden Bedürfnisse und welches Ausmaß
an Desinformation offenbart sich in der heute immer noch so weit verbreiteten Bibelverehrung!


Auch der häufig gehörte Rettungsversuch, man dürfe nicht alles, was in der Bibel stehe, als göttliche Offenbarung ansehen, dürfe nicht
alles wörtlich, sondern manches nur "symbolisch" usw. verstehen, kann nicht verfangen. Denn zum einen macht das, was aus humanen
Erwägungen gestrichen werden müsste, einen so wesentlichen Anteil aus, dass die Bibel ohne diese Anteile eben nicht mehr das wäre,
was sie in Wirklichkeit ist; zum anderen sind es eben auch gerade ganz zentrale Kernaussagen, die untrennbar diesen arachisch-
inumanen Charakter tragen, wie eben z.B. die zentrale Aussage über den Kreuzestod Jesu und seine eindeutige Interpretation als
Sühneopfer. Es geht gar nicht so sehr um ein "Wörtlichnehmen" (bei einem göttlich inspirierten Text so gefährlich?) der biblischen Texte,
ob im alten fundamentalistischen oder modernen gattungs- oder formgeschichtlich modifizierten Verständnis (vgl. Paul Overhage & Karl
Rahner, Das Problem der Hominisation. 1961, S. 40ff.), schon gar nicht in naturwissenschaftlichen Dingen oder von historischen
Berichten, sondern um die in der Bibel umfassend deutlich werdenden und mit dem Anspruch letzter Verbindlichkeit und göttlichen
Ursprungs vermittelten archaisch-inhumanen ethischen und religiösen Grundeinstellungen, um den "Geist", die Gesinnung, die sich in
diesen Texten ausdrückt! Dabei ist es von untergeordneter Bedeutung, ob diese deutlich werdenden und in der bisherigen Geschichte
des Christentums in teilweise überaus verhängnisvoller Weise wirksamen religiösen und ethischen Grundeinstellungen
in der einen oder anderen Literaturgattung ausgedrückt werden.


Und weiter muss auch hier noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die Kirchen in ihren Lehraussagen bis heute keine
entsprechenden Konsequenzen gezogen haben. So definiert etwa die katholische Kirche nach wie vor als für alle Gläubigen verbindliche
Aussage, dass "die Bücher des alten wie des Neuen Testaments in ihrer Ganzheit mit allen ihren teilen als heilig und kanonisch" gelten
müssten,
"weil sie unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben, Gott zum Urheber haben ... Zur Abfassung der heiligen Bücher
hat Gott Menschen erwählt, die ihm dazu dienen sollten, all das und nur das, was er - in ihnen und durch sie wirksam - geschrieben
haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern. Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als
vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die
Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in Heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte"
(Josef Neuner u. Heinrich Roos/
Karl Rahner u. Karl Heinz Weger, "Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung" 1986, s. 109).

Die psychologischen Folgen dieses Sachverhaltes erscheinen fatal; denn es werden heute außer
der eher seltenen konsequenten
Ablehnung der Bibel als Quelle göttlich autorisierter Sinngebung und letztverbindlicher Normen
vor allem zwei mögliche Konsequenzen
sichtbar: Die erste liegt darin, der offiziösen kirchlichen (hier katholischen) Lehre folgend
die Bibel "in ihrer Ganzheit, mit all ihren Teilen"
als von Gott geoffenbart und "alles, was die inspirierten Verfasser aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagte", irrtumlose, von Gott
garantierte Wahrheit anzusehen
.
Dann ergibt sich der psychologisch in seiner Gefährlichkeit kaum zu überschätzende Sachverhalt, dass
die der Bibel spezifische genuine Einbindung humaner Züge in eine inhuman-archaische Grundhaltung der Gewalttätigkeit übernommen
und durch das letztlich verbindliche Vorbild des biblischen Gottes als des unbedingten und höchsten Maßstabes innerpsychisch
in kaum zu überbietendem Maße stabilisiert wird ...


Im Abdrängen und Übersehen dieses verhängnisvollen Doppelcharakters der Bibel
[göttlich autorisierte Legierung (Verbindung) von
Gewalttätigkeit und Liebe], auch der neutestamentlichen, scheint die Schwäche der andern, zweiten Position ansonsten zum Teil, etwa
bei manchen Umweltfragen oder der Kritik der Massenvernichtungsmittel, fortschrittlich oder human engagierter Personen wie z.B. Franz
Alt [b.1938] zu liegen. Er bestätigt einerseits den angeführten Sachverhalt zunächst unfreiwillig, indem er ebenfalls auf die mannigfachen
Beispiele "christlicher" Politiker, ihre Affinität zu Gewalt und Gewaltandrohung in den internationalen, erst kürzlich noch in den Ost-West
Beziehungen, ihre Schwierigkeiten mit wirklicher (und nicht nur verbaler) Abrüstung hinweist, zum anderen in seiner viel gelesenen Schrift
"Friede ist möglich. Die Politik der Bergpredigt" (1983) seinen Friedens- und Abrüstungsappell auf die Bergpredigt stützt
und diese zu Beginn zitiert.

Obwohl die Bergpredigt als Höhepunkt der neutestamentlich, biblischen, jesuanischen Ethik gilt, zeigt schon der von Alt zitierte kurze
Abschnitt wieder den typischen Doppelcharakter, d.h. neben der Aufforderung zu Friedens- und Feindesliebe und zur Gewaltlosigkeit
offenbar untrennbar die andere Seite des Jesus der Evangelien ... gipfelnd in der mehrfachen Drohung mit der ewigen Höllenstrafe für
vergleichsweise geringfügige Vergehen, etwa für das Vergehen, zu seinem Bruder "du Narr" zu sagen oder das "lüsterne" Ansehen einer
Frau. Wird selbst einem Mann wie Franz Alt nicht deutlich, dass die neutestamentliche ewige Höllenstrafe, von Jesus immer wieder
ausdrücklich bestätigt und angedroht, selbst einen noch so schrecklichen atomaren Holocaust in ihrer unmenschlichen Grausamkeit in
dem Maße noch weit übertrifft, als die Höllenqualen nach ausdrücklichem biblischen, jesuanischen Zeugnis im Gegensatz zu den atomar
verursachten Qualen eben von unendlich langer, ewiger Dauer sind? Ein Text, der solche extrem inhumanen Drohungen enthält, soll die
Grundlage einer Politik der Gewaltfreiheit sein? Kann eine Aufforderung zur Gewaltlosigkeit als Fundament einer modernen Friedens-
gesinnung glaubwürdig sein, wenn gleichzeitig Menschen wegen vergleichsweise geringfügiger Verfehlungen mit unendlichen extremen
Strafen und Quälereien bedroht werden? Hier, in dieser partiellen Blindheit Franz Alts dokumentiert sich exemplarisch - neben einer
verbreiteten, zwischen Gleichgültigkeit und Denkverzicht anzusiedelnden Haltung - ein heute gerade auch unter Intellektuellen sehr häufig
anzutreffender Verarbeitungsmodus der oben skizzierten Problematik, die sich aus dem Konflikt zwischen humanistischen, aufgeklärten
ethischen Standards und biblischen Aussagen ergibt: eine selektive, objektiv unredliche Haltung, die die biblischen Aussagen entgegen
dem ausdrücklichen biblischen Gebot verfälschend verkürzt, indem sie nur die dem eigenen (modernen humanistischen) ethischen
Standard nicht widersprechenden Aussagen aus dem Gesamtzusammenhang herausgreift, entgegenstehende, damit genuin
verbundene Aussagen aber stillschweigend übergeht oder verleugnet ...
...und da man eben glauben will (oder muss?),
ersetzt man die Überprüfung an der Realität
durch Gruppenübereinstimmung
, eine wesentlich Basis aller religiösen
oder ideologischen Gruppierungen ...


"Ein humanes Gottesbild ist nur bei Inkonsequenz und unredlicher Verdrängung
der in diesem Punkte sehr klaren biblischen Aussagen möglich."
(Prof. Dr. Albert Görres, 1918-1996, Psychoanalytiker, Psychotherapeut) ...

"Ist es mit dem modernen Bewusstsein vereinbar, Christ zu sein?...
Wie so häufig wird das Problem verschärft, wenn man versucht,
sein Bestehen zu leugnen" ...


(Carl Friedrich von Weizsäcker, 1912-2007,
deutscher Physiker, Philosoph Friedensforscher)


Man kann das defizitäre Ethos der Wahrhaftigkeit, der intellektuellen Redlichkeit
nicht durch das Ethos der mitmenschlichen Solidarität, Hilfe, Zuwendung
und des politisch-sozialen Engagements kompensieren
.

Genau dies aber versuchen ja die christlichen Kirchen permanent. Besonders bei vielen menschlich teilweise
durchaus sympathischen jungen "idealistischen" Pfarrern findet sich diese (ihnen häufig sicher nicht klar bewusste)
Taktik, unstimmig-defizitäre christliche Glaubens"wahrheiten" durch persönliches, soziales und mitmenschliches
Engagement doch noch akzeptierbar erscheinen zu lassen ...

..., dass es natürlich nicht um den Abbau des Ethos der Mitmenschlichkeit gehen kann, ganz im Gegenteil,
sondern um den
(Wieder-) Aufbau des Ethos der Wahrhaftigkeit ...
um des Ethos der Mitmenschlichkeit willen."


[8] Auch schon für die Bibel und nicht erst für das auf ihr aufbauende Christentum lässt sich sagen:

"Wer sich über die Bibel nicht empört, kennt sie nicht.
Oder ist zu feige oder innerlich zu unfrei,

sich zu empören"
Joachim Kahl
(b.1941)
"Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott"

Reinbek 1993, S.15

"Wahrhaftig, wer einen solchen Gott
als einen Gott der Liebe preist,
denkt nicht hoch genug

von der Liebe selber"
Friedrich Nietzsche
(1844-1900)
Deutscher Philosoph, Dichter, klassischer Philologe
"Also sprach Zarathustra! Ein Buch für Alle und Keinen" (1883–1885)


Im Klappentext - auf der Buchrückseite steht:
"Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann.
Eine Streitschrift“
Alibri Verlag, überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2004 (1992)

"Die Brisanz des vorliegenden Buches liegt in der Bestreitung der weitgehend (gerade auch bei "progressiven" Christen)
akzeptierten Prämissen [Annahmen] heutiger Kirchen- und Christentumskritik, dass zwar die Kirche mangelhaft sein möge,
die Bibel aber als ethisches Fundament unverzichtbar sei. Franz Buggle zeigt, dass der humanitäre Standard des biblischen
Gottes hinter dem seiner allermeisten heutigen Anhänger weit zurückbleibt.

Seine Diagnose, dass die Bibel als unabdingbare Basis aller christlichen Religiosität gravierende ethisch-humanitäre und
psychologische Defizite aufweist, belegt der Autor anhand zahlreicher Stellen aus den alt- und neutestamentarischen Schriften.
Ausführlich setzt er sich mit den vielfältigen Rettungsversuchen renommierter theologischer und nicht-theologischer Apologet
[Verteidiger] auseinander und weist ihnen intellektuelle Unredlichkeit im Umgang mit christlichen Glaubensvorstellungen nach.

Indem Franz Buggles Studie Gründe und Hintergründe dieses Reflexionsstopps benennt, greift sie weit über eine bloße Bibelkritik
hinaus. Nach dem Urteil des bedeutenden Religions- und Ideologiekritikers Hans Albert [b.1921] leistet das Werk viel umfassender
"eine ganz ausgezeichnete Analyse der aktuellen religiösen Situation". Der führende katholische Psychoanalytiker und
Religionspsychologe Albert Görres [1918-1996] nannte es
"die beste Antitheologie, die ich gefunden habe".

"Man kann dem Buch Buggles eine äußerst wichtige Funktion in der religiösen Grundlagendiskussion nicht absprechen.
Denn zum einen dürfte es kein deutsches Buch geben, das die Kritik am Christentum derart umfassend belegt, leicht verständlich
und engagiert zum Ausdruck bringt und zum zweiten führt Buggle eine so offensive wie spannende Auseinandersetzung
mit den gegenwärtigen deutschen Geistesgrößen..."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"Noch nie ist dem progressiven Küng [Hans K., b.1928, Schweizer Theologe, römisch-katholischer Priester, Autor, Prof. em. für
Ökumenische Theologie/Eberhard Karls Universität Tübingen, Präsident der von ihm gegründeten Stiftung Weltethos]
von einem anderen Progressiven öffentlich so viel intellektuelle Inkonsequenz nachgewiesen worden."
(Spiegel Spezial Literatur)


"Diese Haltung der Anpassung an herrschende Mächte
scheint leider schon immer bei Gelehrten sehr verbreitet gewesen zu sein,
unbeschadet des ebenfalls immer wieder zu konstatierenden
bewundernswerten Mutes kleiner Minderheiten.

Schon vor 300 Jahren klagt Piere Bayle (1647-1706):
[französischer Schriftsteller und Philosoph]

"Wir sehen ... ein wirklich entsetzliches Zusammentreffen von zwei oder drei Momenten.
Das erste ist die feierliche Bekanntmachung von Strafgesetzen gegen solche,
die nicht gewisse Ansichten über religiöse Gegenstände hegen ...

Das zweite Moment ist die strenge und oft sehr blutige Vollziehung dieser Gesetze in allen Fällen,
die sich nur immer darboten; das dritte - das schrecklichste von allen -  ist die Billigung und
Beistimmung von Seiten ... der meisten Gelehrten.

Ich wiederhole es: Dies ist das Schrecklichste, das wahrhaft Ungeheure ... Dies ist der höchste Grad
der geistigen und moralischen Verdorbenheit, dass eine so wahnsinnige Lehre, eine Lehre,
welche die Bestrafung eines Menschen rechtfertigt, der aus Gewissensgründen die Unterschrift
einer Glaubensformel verweigert, sich in der christlichen Kirche mit fast allgemeinen Beifall von Seiten
der Lehrer ausgebreitet und sich ein solches Ansehen gegeben hat, dass man fast für einen Ketzer gilt,
selbst unter den Protestanten, wenn man nur ein deutliches Wort zugunsten der Toleranz spricht
(zit. nach Karl Heinz Deschner: "Das Christentum im Urteil seiner Gegner" 1986, s. 80f")

Gewiss, die Inhalte haben sich geändert, die Sanktionen sind milder und sublimer geworden ..."
(F. Buggle Seite 362)

"Ludwig Feuerbachs [1804-1872] vor etwa 150 Jahren gemachte Erfahrungen
beschreiben auch die heutige Situation, auch und gerade an Universitäten,
was Christentumskritik betrifft, sehr prägnant:

"Ich habe endlich, und zwar schon durch die rücksichtslose Sprache, mit welcher ich jedes Ding
bei seinem wahren Namen nenne, einen entsetzlichen, unverzeihlichen Verstoß gegen
die Etikette der Zeit gemacht. Der Ton der "guten Gesellschaften", der neutrale, leidenschaftslose Ton
konventioneller Illusionen und Unwahrheiten ist nämlich der herrschende, der normale Ton der Zeit -
der Ton, in welchem ... auch die religiösen ... Angelegenheiten besprochen werden müssen.
Schein ist das Wesen der Zeit - Schein unsere Politik, Schein unsere Sittlichkeit, Schein unsere Religion ...
Wer jetzt die Wahrheit sagt, der ist impertinent, "ungesittet", wer "ungesittet", unsittlich.
Wahrheit ist in unserer Zeit Unsittlichkeit. Sittlich, ja autorisiert und honoriert ist die heuchlerische
Verneinung des Christentums, welche sich den Schein der Bejahung desselben gibt;
aber unsittlich und verrufen ist die wahrhaftige, die sittliche Verneinung des Christentums - die Verneinung,
die sich als Verneinung ausspricht ... sittlich ist die taktlose Halbheit ... der liderliche Widerspruch,
aber unsittlich die Strenge der Konsequenz, sittlich die Mittelmäßigkeit, weil sie mit nichts fertig wird,
nirgends auf den Grund kommt ... - kurz, sittlich ist nur die Lüge, weil sie das Übel der Wahrheit oder -
was jetzt eins ist - die Wahrheit des Übels umgeht, verheimlicht"
(Feuerbach, "Das Wesen des Christentums" 1948; 1980, S. 14f, F. Buggle Seite 363)

Quellen: „Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift“ Alibri Verlag 2004 (1992)
I. Der verdrängte Skandal: Die Bibel, Basis und letzte Instanz aller christlichen Religiosität und Moral: ein gewalttätig-inhumanes Buch?
A. Die Bedeutung der Bibel als basale Quelle und letzte Instanz in religiösen und ethischen Fragen - und einige Probleme und Gefahren,
die sich daraus ergeben: Seiten 62, 64. B. Welche Modelle vermittelt die Bibel zum Umgang ethnischer Großgruppen miteinander?
Die Bejahung von Eroberungskriegen und Völkermord (Genozid): Seiten 71f, 74. C. Die biblische lieblose, hasserfüllte Abwertung Anders-
und Nichtgläubiger: Seiten 83, 86, 88. D. "Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen": Gewalttätigkeit gegen normabweichende,
"sündige" Menschen und deren äußerst inhumane Bestrafung auf Wunsch und Befehl des biblischen Gottes und seiner Frommen: Seiten 97, 100, 110,
120f, 144f, 149. E. Die archaisch-inhumanen Implikationen der zentralen neutestamentlich-christlichen Lehre vom Kreuzestod Jesu als Erlösungstat und
Sühneopfer: Seiten 156f.
F. Die absolute Willkür des biblischen Gottes und die Forderung nach bedingungsloser und rechtloser Unterwerfung des zum Guten
aus eigener Kraft unfähigen, die ewige Verdammnis verdienenden Menschen unter die völlig freie und ungebundene Gnade Gottes: Seiten173.
G. Biblische Einstellungen gegenüber diskriminierten gesellschaftlichen Teilgruppen: Seiten 194, 196,199, 200.
H: Weitere, hier bislang nicht berücksichtigte kritische Aspekte der biblischen Botschaft: Seiten 206f.

I. Erstes Fazit: Die biblische Legierung [Verbindung] von ethisch positiven und negativen Zügen, archaisch grausamer Gewalttätigkeit
und Forderungen nach Nächstenliebe: Seiten 208f, 210, 213f.
II. Zu Versuchen, den biblisch-christlichen Gottesglauben mit dem modernen Weltbild und humanistisch-aufgeklärter Ethik
in Einklang zu bringen, dargestellt am Beispiel "Existiert Gott?" [1978] und "Christ sein" [1974] von Hans Küng.
A. Zur Wahl der Küngschen Hauptwerke "Existiert Gott?" [1978] und "Christ sein";[1974] a. Von der Anhänglichkeit an alte Weltanschauungen,
auch wenn sie klar Vernunft und Erfahrung widersprechen: Seite 220. c. Weitere Abwehrstrategien: Die bloße Nennung von Problemen soll ihre Lösung vortäuschen.
Uminterpretation problematischer Handlungen und Eigenschaften des biblischen Gottes in ihr Gegenteil: Seite 236. III. Die religiöse Szene im deutschen Raum.
C. Vier typische Reaktionen deutscher Intellektueller und Hochschullehrer auf die dargestellte religiöse Situation. 1. Walter Jens: Warum ich Christ bin: Seite 308, 312. 3.
Carl Friedrich v. Weizsäcker [1912-2007]: Garant kirchlich-christlicher Gläubigkeit? (3) Carl Friedrich v. Weizsäcker als Prototyp des gebildet-informierten, aber in religiösen Dingen
inkonsequent-widersprüchlich denkenden deutschen Wissenschaftlers und Intellektuellen: Seite 339f.


***
"Ein konsequenter Abschied vom moralischen Dreigestirn "SCHULD - SÜHNE - STRAFE"
das Beste wäre, was uns passieren könnte ... In der Tat würde sich unser Verhältnis zur Welt
in dramatischer Weise verbessern, wenn wir unsere altbackenen Moralvorstellungen endlich
aufgeben könnten. Denn diese Vorstellungen haben uns summa summarum krank, kritikunfähig,
selbstsüchtig und dumm gemacht ... Die Belegung "des FREMDEN", "des ABWEICHLERS",
"des GEGNERS" mit dem "SIGNUM des BÖSEN" erlaubte erst jene Eskalation von Gewalt, die
sich wie ein blauroter Faden durch die Geschichte der Menschheit zieht. Ein Abschied von diesem
archaischen Denkmuster würde uns nicht nur in ethischer Hinsicht stärken, er würde uns auch zu einer
entspannteren Weltsicht verhelfen. Dieser Perspektivenwechsel würde unser Verhältnis zu uns selbst
und zu unseren Mitmenschen entkrampfen, ja, er hätte durchaus auch eine "spirituelle Dimension":
Denn was Gläubige tagaus, tagein in ihren Gebeten erflehen, die "Erlösung von dem Bösen", liefert uns eine
humanistische, rational-wissenschaftliche Weltsicht gewissermaßen "frei Haus". Zu dieser "Erlösung" bedarf es
nämlich keiner göttlichen Gnade, keines wie auch immer gearteten Beistands von oben, sondern lediglich
einer kritischen Überprüfung unserer Annahmen über die Welt ... Selbstverständlich werden wir auch nach
dem philosophischen Abschied von Gut und Böse nicht das "Paradies auf Erden" finden. Leid, Schmerz und
Tod bleiben unsere ständigen Begleiter". Allerdings können wir sehr wohl lernen, mit diesen Widrigkeiten
des Lebens etwas vernünftiger, etwas gelassener, etwas humorvoller umzugehen ... Wenn wir die Kraft
der Wissenschaft nutzen, um den illusionären Ballast über Bord zu werfen, mit dem wir gewöhnlich
durch die Stürme und Flauten des Lebens schippern, so verhilft uns dies zu einer alternativen, heiter-
gelassenen Lebenseinstellung, zu einer "neuen Leichtigkeit des Seins"... Es handelt sich um eine
Lebensauffassung, die so manche negativen Emotionen, die uns als Einzelpersonen belasten
und auch das Zusammenleben mit anderen erschweren - etwa Versagensängste, Minder-
wertigkeitskomplexe, Größenwahn oder Rachsucht -, gar nicht erst aufkommen lässt. "

Aus: Michael Schmidt Salomon: "Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind"
Einleitung. S.11. 6.Auflage PENDO 2011 (2009)




Michael Schmidt-Salomon
(b.1967)
Deutscher Philosoph, Sozialwissenschaftler


Die zehn Angebote des evolutionären Humanismus
Aus: Michael Schmidt-Salomon: „Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur“
Seite 156-159, S.162, S.169-171. ALIBRI 2. korrigierte u. erweiterte Auflage 2006 (2005)


Diese zehn „Angebote“ wurden von keinem Gott erlassen und auch nicht in Stein gemeißelt.
Keine „dunkle Wolke“ sollte uns auf der Suche nach angemessenen Leitlinien für unser Leben erschrecken,
denn Furcht ist selten ein guter Ratgeber. Jedem Einzelnen ist es überlassen, diese Angebote angstfrei
und rational zu überprüfen, sie anzunehmen, zu modifizieren oder gänzlich zu verwerfen.

1. Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“ (die bei genauerer Betrachtung nichts weiter als naive Primatenhirn-
Konstruktionen sind), sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern! Diejenigen, die behaupteten,
besonders nah ihrem „Gott“ zu sein, waren meist jene, die dem Wohl und Wehe der realen Menschen besonders fern standen.
Beteilige dich nicht an diesem Trauerspiel! Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion!


2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!
Du wirst nicht alle Menschen lieben können, aber du
solltest respektieren, dass jeder Mensch – auch der von dir ungeliebte! – das Recht hat, seine individuellen Vorstellungen
von „gutem Leben (und Sterben) im Diesseits“ zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht
gegen die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt.


3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Bedenke, dass
die Stärke eines Arguments völlig unabhängig davon ist, wer es äußert. Entscheidend für den Wahrheitswert einer Aussage
ist allein, ob sie logisch widerspruchsfrei ist und unseren realen Erfahrungen in der Welt entspricht. Wenn heute noch
jemand mit „Gott an seiner Seite“ argumentiert, sollte das keine Ehrfurcht, sondern Lachsalven auslösen.


4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale
der Humanität durchzusetzen!
Wer in der Nazidiktatur nicht log, sondern der Gestapo treuherzig den Aufenthaltsort
jüdischer Familien verriet, verhielt sich im höchsten Maße unethisch – im Gegensatz zu jenen, die Hitler durch Attentate
beseitigen wollten, um Millionen von Menschenleben zu retten. Ethisches Handeln bedeutet keineswegs, blind

irgendwelchen moralischen Geboten oder Verboten zu folgen, sondern in der jeweiligen Situation abzuwägen,
mit welchen positiven und negativen Konsequenzen eine Entscheidung verbunden wäre.


5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Es gibt in der Welt nicht „das Gute“ und „das Böse“, sondern bloß Menschen
mit unterschiedlichen Interessen, Bedürfnissen und Lernerfahrungen. Trage dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen
aufgehoben werden, unter denen Menschen heute verkümmern, und du wirst erstaunt sein, von welch freundlicher,

kreativer und liebenswerter Seite sich die vermeintliche „Bestie“ Homo sapiens zeigen kann.

6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest.
Durch solche Kritik hast du nicht mehr zu verlieren als deine Irrtümer, von denen du dich besser heute als morgen
verabschiedest. Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen, die sich aus tiefer Angst heraus als „unfehlbar“ und ihre Dogmen
als „heilig“ (unantastbar) darstellen müssen. Sie sollten in einer modernen Gesellschaft nicht mehr ernst genommen werden.


7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig erscheint, kann schon morgen überholt sein!
Zweifle aber auch am Zweifel! Selbst wenn unser Wissen stets begrenzt und vorläufig ist, solltest du entschieden
für das eintreten, von dem du überzeugt bist. Sei dabei aber jederzeit offen für bessere Argumente, denn nur so
wird es dir gelingen, den schmalen Grat jenseits von Dogmatismus und Beliebigkeit zu meistern.


8.
Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine
Entscheidung triffst!
Du verfügst als Mensch über ein außerordentlich lernfähiges Gehirn, lass es nicht verkümmern!
Achte darauf, dass du in Fragen der Ethik und der Weltanschauung die gleichen rationalen Prinzipien anwendest, die du
beherrschen musst, um ein Handy oder einen Computer bedienen zu können. Eine Menschheit, die das Atom spaltet
und über Satelliten kommuniziert, muss die dafür notwendige Reife besitzen.


9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben! Sei dir deiner und unser aller Endlichkeit
bewusst, verdränge sie nicht, sondern „nutze den Tag“ (Carpe diem)! Gerade die Endlichkeit des individuellen Lebens macht
es so ungeheuer kostbar! Lass dir von niemandem einreden, es sei eine Schande, glücklich zu sein! Im Gegenteil:
Indem du die Freiheiten genießt, die du heute besitzt, ehrst du jene, die in der Vergangenheit im Kampf
für diese Freiheiten ihr Leben gelassen haben!


10. Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren,
lebenswerteren Ort machen woll(t)en!
Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig, sondern auch das beste Rezept für
eine sinnerfüllte Existenz. Es scheint so, dass Altruisten die cleveren Egoisten sind, da die größte Erfüllung unseres Eigennutzes
in seiner Ausdehnung auf Andere liegt. Wenn du dich selber als Kraft im „Wärmestrom der menschlichen Geschichte“ verorten
kannst, wird dich das glücklicher machen, als es jeder erdenkliche Besitz könnte. Du wirst intuitiv spüren, dass du nicht
umsonst lebst und auch nicht umsonst gelebt haben wirst!


Dass sich bestimmte Personen oder Personengruppen durch das Aufstellen "heiliger" (d.h. unantastbarer) Spielregeln
jeglichem kritischen Zugriff entziehen und dadurch eigene Denkfehler als verbindlich in die Zukunft fortschreiben,
kann und darf in einer modernen Gesellschaft keine akzeptable Praxis mehr sein!


"Der [österreichische Biologe] und Wissenschaftstheoretiker Franz Wuketits [b.1955] macht deutlich,
weshalb mit Evolution mehr verbunden ist als nur die Erkenntnis über die Entstehung der Arten,
die noch im Zentrum von [Charles] Darwins [1809-1882] Überlegungen stand:


"Die Evolution liefert uns keine "Haltegriffe" für unser Handeln, sie schreibt uns nicht vor, was wir tun
oder unterlassen sollen. Aber die Evolutionstheorie zeigt uns, dass wir mit allen anderen Lebewesen auf der Erde
verbunden sind, vor unserer eigenen Entwicklungsgeschichte nicht davonlaufen können und uns in dem Maße,
in dem wir die natürlichen und damit unsere eigenen Lebensräume zerstören, den Boden
unter unseren eigenen Füßen wegziehen ... Insgesamt also ist das Evolutionsdenken
eine der tragenden Säulen eines säkularen, humanistischen Weltbildes."
"




Dreiteiliger Definitionsversuch des evolutionären Humanismus

1) Grunddefinition: Der von Julian Huxley [1887-1975] eingeführte Begriff „evolutionärer Humanismus“ kennzeichnet
eine aus vielfältigen wissenschaftlichen, philosophischen und künstlerischen Quellen gespeiste, postnationale,
säkulare und kritisch-rationale (d. h. sowohl antidogmatische als auch antirelativistische) Weltanschauung,
die die erkenntnistheoretische Perspektive des Naturalismus mit dem ethisch-politischen Auftrag
einer umfassenden Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse verbindet
(Ermöglichung von Chancengleichheit und Freiheit, Durchsetzung der Menschenrechte,
Abbau von direkter, struktureller und kultureller Gewalt etc.).


2) Abgrenzungen:
Da der evolutionäre Humanismus die biologische Spezies Homo sapiens sapiens [moderne Mensch]
als zufälliges, unbeabsichtigtes Produkt der natürlichen Evolution begreift, das sich nur graduell, nicht prinzipiell von anderen
irdischen Lebensformen unterscheidet, wendet er sich entschieden gegen religiöse oder weltlich-idealistische Konzeptionen,
die der Menschheit eine Sonderstellung im Kosmos einräumen, die ihr Eigenschaften zuschrieben, welche mit den Naturgesetzen
nicht zu vereinbaren sind, die Moralkataloge aufstellen, die einer Primatenspezies nicht entsprechen, und/oder infolge ihrer
anthropozentrischen Weltwahrnehmung die Interessen nichtmenschlicher Lebensformen (insbesondere die der höher entwickelten
Tiere) nicht ausreichend berücksichtigen. Ebenso deutlich wehrt sich der evolutionäre Humanismus allerdings auch gegen politische
Strömungen, die die naturalistische Position zwar teilen, aber aus der Erkenntnis des in Natur und Kultur wirksamen Eigennutz- und
Wettbewerbsprinzips sozialdarwinistische Modelle ableiten und somit die bahnbrechenden wissenschaftlichen Errungenschaften
der Evolutionstheorie in den Dienst antihumanistischer Ideologien zu stellen.


3) Theorie und Praxis:
Zusammenfassend lässt sich der evolutionäre Humanismus beschreiben als a. (auf theoretischer Ebene)
als der Versuch, wissenschaftliche Aufklärung und humanistische Ethik miteinander in Einklang zu bringen, sowie
b. (auf praktischer Ebene) als Beitrag zur Stärkung der „Leitkultur Humanismus und Aufklärung“, die als „dritte Kraft“
im „Kampf der Kulturen“ darauf ausgerichtet ist, unhaltbare Mythen zu entzaubern und die so gewonnenen Freiräume
für die Etablierung neuer Spielregeln in der Ethik, der Politik, Ökonomie, Kultur zu nutzen, damit der Eigennutz
der Individuen in humanere Bahnen gelenkt werden kann."


Humanismus ist eine Weltanschauung, die auf die abendländische Philosophie der Antike zurückgreift und sich an den Interessen,
den Werten und der Würde des einzelnen Menschen orientiert. Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit gelten als wichtige
humanistische Prinzipien menschlichen Zusammenlebens. Die eigentlichen Fragen des Humanismus sind aber:
„Was ist der Mensch? Was ist sein wahres Wesen? Wie kann der Mensch dem Menschen ein Mensch sein?“
Humanismus bezeichnet die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und des Strebens danach, das menschliche Dasein
zu verbessern. Der Begriff leitet sich ab von den lateinischen Begriffen humanus (menschlich) und humanitas (Menschlichkeit).


Der Humanismus beruht auf folgenden Grundüberzeugungen:
1. Das Glück und Wohlergehen des einzelnen Menschen und der Gesellschaft
bilden den höchsten Wert, an dem sich jedes Handeln orientieren soll.

2. Die Würde des Menschen, seine Persönlichkeit und sein Leben müssen respektiert werden.

3. Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln.

4. Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich entfalten können.

5. Die menschliche Gesellschaft soll in einer fortschreitenden Höherentwicklung
die Würde und Freiheit des einzelnen Menschen gewährleisten.

Der Begriff des Evolutionären Humanismus bezeichnet eine neuere, wissenschaftlich geprägte Strömung innerhalb
der humanistischen Weltanschauungen. Sie wird historisch zurückgeführt auf Julian Huxley [1887 London - 1975 ebenda; ein
englischer Biologe, Philosoph und Schriftsteller], den ersten Generaldirektor [1946-48] der UNESCO [United Nations Educational,
Scientific and Cultural Organization; Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur], welcher
dieser Bewegung ihren Namen gab und sich für eine neue Religion aussprach, die kompatibel mit der Wissenschaft sei.

Ausgehend von den Werten der Aufklärung etablierte sich eine durch Kunst, Wissenschaft und Philosophie
inspirierte humanistische Bewegung mit entschieden naturalistischem Charakter.
Wesentliche Merkmale des Evolutionären Humanismus sind
eine kritisch-naturalistische Weltanschauung, Säkularismus (mentaler Prozess der Trennung von Religion und Staat)
und eine Vernunftbasierte allgemeine Ethik (in Abgrenzung zur traditionellen, religiös geprägten Moral). Diese Ethik wendet sich
gegen die Postulierung von unumstößlichen Dogmen und sieht auch moralisches Handeln in einem evolutionären Prozess begriffen,
der sich neuen Erkenntnisgewinnen und veränderten sozialen Begebenheiten anpassen können muss. Darüber hinaus grenzt sich
der evolutionäre Humanismus klar von speziesistischen und sozial-darwinistischen Weltbildern ab, welche den Interessen
von verschiedenen Spezies oder Individuen prinzipiell ein unterschiedliches Gewicht einräumen möchten. [Quelle: Internet]


"Richard Dawkins spricht sich dafür aus,
auch MORAL und ETHIK
auf evolutionäre Prozesse zurückzuführen.
Vier Gründe für moralisches Handeln könnten genannt werden:
VERWANDTSCHAFT, GEGENSEITIGKEIT,
VORTEILE DURCH GUTEN RUF und
REKLAME FÜR SICH SELBST."

[Host Herrmann]

"Woher unsere heutige Ethik auch kommen mag,
aus der Bibel stammt sie jedenfalls nicht"

[Richard Dawkins]

"Ich bin ein Gegner der Religion.
Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein,
dass wir die Welt nicht verstehen?"

[Richard Dawkins]

"... Stellen wir uns doch mit John Lennon [1] mal eine Welt vor, in der es keine Religion gibt -
keine Selbstmordattentäter, keinen 11.September [2001], keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn [7.7.2005],
keine Kreuzzüge [1095/99], keine Hexenverfolgung [1450-1750], keinen Gunpowder Plot
[2], keine Aufteilung Indiens [1947],
keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung von Juden als
"Christusmörder", keine "Probleme" in Nordirland, keine "Ehrenmorde", keine pomadigen Fernsehevangelisten im Glitzeranzug,
die leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen ("Gott will, dass ihr gebt, bis es wehtut").
Stellen wir uns vor:
Keine Zerstörung antiker Statuen durch die Taliban, keine öffentlichen Enthauptungen von Ketzern, keine Prügel auf weibliche
Haut für das Verbrechen, zwei Zentimeter nackte Haut zu zeigen. Übrigens berichtete mir mein Kollege Desmond Morris (b.1928),
dass John Lennons großartiger Song ["Imagine"] in den Vereinigten Staaten manchmal ohne die Zeile
"and no religion too"
gespielt wird. In einer besonders dreisten Version wurde sie sogar zu "and one religion too" abgeändert..."

[1] John Lennon: (1940 - 8.12.1980 erschossen), Gitarrist der Rockband The Beatles; Das Lied "Imagine" 1971:
Imagine there's no Heaven It's easy if you try No Hell below us Above us only sky. Imagine there's no countries
It isn't hard to do Nothing to kill or die for And no religion too Imagine all the people living life in peace usw.
Kompletter Text: ganz unten.
http://www.youtube.com/watch?v=2xB4dbdNSXY
[2] Gunpowder Plot: Schießpulververschwörung, Versuch von britischen Katholiken, am 5. November 1605
den protestantischen König von England, Jakob I. (1566-1625), seine Familie, die Regierung
und alle Parlamentarier zu töten


Aus: „Der Gotteswahn“ (The God Delusion 2006)
Vorwort: Seite 12. ULLSTEIN 9. Auflage 2007

Richard Dawkins
(b.1941)
Britischer Zoologe, theoretischer Biologe, Evolutionsbiologe
Oxford-Professor, Autor wissenschaftlicher u. populärwissenschaftlicher Literatur


www.humanismus.de/
www.schmidt-salomon.de/ferkel.htm
www.giordano-bruno-stiftung.de/
www.leitkultur-humanismus.de/
www.horstherrmann.com/
www.deschner.info/


***

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes,
sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.
Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch
der Aufklärung ... Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat,
einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt ...
so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen ... Dass der bei weitem größte Teil der Menschen ...
den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte,
dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.
Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen
Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften,
so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen.
Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen;
allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab ...
Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen ... Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert
als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die:
von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber
von allen Seiten rufen: Räsonniert [nörgelt, meckert] nicht! Der Offizier sagt:
Räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: Räsonniert nicht,
sondern bezahlt! Der Geistliche: Räsonniert nicht, sondern glaubt!"
Immanuel Kant
(1724-1804)
"Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? "
Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft 1784. S. 481-494


Auch wenn das Menschenbild und der Zukunftsoptimismus der Aufklärung nicht so rasch wie erhofft in die Tat umgesetzt
werden konnten, sind aufklärerische Grundpositionen meines Erachtens nach wie vor oder heute erst recht wichtig und aktuell.
Alle Probleme, mit denen die einzelnen Menschen oder die Menschheit zu kämpfen haben, sind nur - wenn überhaupt - von
Menschen und mit den Menschen zu lösen. Eine diesseitige Lebensorientierung kann am ehesten Probleme wie Umweltzerstörung,
Ausbeutung oder zwischenmenschliche Konflikte bewältigen. Diese Sichtweise teilte schon der große Denker Epikur (341-271 v.u.Z.),
wenn er betonte: "
Unsinnig ist es, von den Göttern etwas zu erbitten, was man aus eigener Kraft zu leisten vermag."
Beten mag für Menschen hilfreich sein: Trotzdem müssen sie die anstehenden Probleme im Hier und Jetzt lösen - kein Gott
nimmt ihnen auch nur eine Entscheidung ab.
Auch Nietzsche (1844-1900) sah diese Thematik ähnlich:
"Wenn man das Schwergewicht des Lebens nicht ins Leben, sondern ins Jenseits verlegt - ins Nichts -, so hat man dem Leben
überhaupt das Schwergewicht genommen. Die große Lüge von der Personalunsterblichkeit zerstört jede Vernunft.
"
Der beharrliche - und gleichzeitig freundliche - Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Aufklärung, gepaart mit dem Wissen
um die menschliche Fehlerhaftigkeit und Unvollkommenheit, ermöglicht sozialen Fortschritt und gewährleistet Toleranz.
Am treffendsten für mich hat diese Haltung der große englische Philosoph Russell (1872-1970) ausgedrückt:
"...dass die Wahrheit, die wir erreichen können, eine bloß menschliche Wahrheit ist, fehlbar und veränderlich
wie alles Menschliche, denn die Leute verfolgen einander, weil sie glauben, sie kennten die Wahrheit.
Guter Wein braucht keinen grünen Kranz und gute Ethik keine Greuel.
" Und an einer anderen Stelle
schreibt er: "Fühle Dich keiner Sache völlig sicher.
"
Die Erkenntnis, keine ewige und unumstößliche Wahrheit zu besitzen, mildert tendenziell sture Haltungen
und verkrustete Überzeugungen. Diese Meinung vertrat Russel auch in der folgenden Aussage: "
Der Wunsch,
Erkenntnis zu besitzen, die nicht in Frage gestellt werden kann, und nach der Gewissheit einer endgültigen Wahrheit
führt wahrscheinlich weniger zu Objektivität als zu Starrheit und arrogantem Dogmatismus.
"
Maßvoller Zweifel und vernünftig dosierte Skepsis sind gesunde Geisteshaltungen und schützen vor Dogmen
jeglicher Couleur; wer so lebt und fühlt, ist weitgehend immunisiert gegen Fanatismus und Engstirnigkeit -
und aus der Sicht Russells sähe unsere Welt dann besser aus: "
Könnte man die Menschen bloß
in eine versuchsweise agnostische Geistesverfassung über diese Dinge (Religion und Politik) bringen,
neun Zehntel der Schäden in der modernen Welt würden geheilt.
"...

Dogmatisierte und fanatisch werdende Glaubensüberzeugungen - davon haben die letzten Jahrhunderte (Beispiel Christentum)
und Jahrzehnte (Beispiele: Nationalsozialismus, Leninismus-Stalinismus) genug Zeugnis abgelegt - laufen letztlich Gefahr,
für die "Unbekehrten", aber auch für die "Zweifels-Immunisierten", zur Katastrophe auszuwachsen, denn sie verhindern
u.a. zwei grundsätzliche und unabdingbar notwendige Eigenschaften für ein sinnvolles menschliches Zusammenleben,
die Russell wie folgt charakterisiert: "
... dass Freundlichkeit und Toleranz entschieden mehr wert sind
als alle Glaubensüberzeugungen der Welt ...
"

Dogmatische Glaubensüberzeugungen religiöser Art sind naturgemäß langfristig gefährlicher als solche in anderen Bereichen,
da ihre Herkunft (Offenbarung) und damit ihre Inhalte unhinterfragbar sind - und bleiben, was für politische Doktrinen
über längere Zeit kaum möglich ist. Der englische Humanist und Skeptiker Hume (1711-1776) sieht diese Problematik
genau, wenn er schreibt: "
Während die Irrtümer in der Philosophie bloß lächerlich sind,
sind die Irrtümer in der Religion gefährlich.
"...

Der Begründer der Psychoanalyse Freud [1856-1939], stand der Religion lebenslänglich kritisch gegenüber und zeigte
in vielen Schriften, so z.B. in "Die Zukunft einer Illusion" (1927) oder in "Massenpsychologie und Ich-Analyse"
(1921) fragwürdige, schädliche oder illusorische Aspekte religiöser Überzeugungen auf.
Ich zitiere Freud aus der Schrift von 1927: "
Wenn es um Fragen der Religion geht,
machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.
"
Und an einer anderen Stelle schreibt Freud: "Sie (die religiösen Lehren) sind sämtlich Illusionen, unbeweisbar,
niemand darf gezwungen werden, sie für wahr zu halten, an sie zu glauben. Einige von ihnen sind so unwahrscheinlich,
so sehr im Widerspruch zu allem, was wir mühselig über die Realität der Welt erfahren haben, dass man sie - mit
entsprechender Berücksichtigung der psychologischen Unterschiede - den Wahnideen vergleichen kann.
"

Letztlich entscheidet die individuell verarbeitete und gelebte Haltung und Lebenspraxis hinsichtlich der Menschen
und der Welt. Dies meinte wohl auch der englische Philosoph Mackie (1917-1981), mit dessen Worten ..:
"Weder Theisten noch Atheisten haben irgendein Monopol, weder auf Laster noch auf Tugenden."

Aus: Jürg Frick: „Das Ende einer Illusion. Denkanstöße zu Ethik und Pädagogik der Bibel“
S.20f. ANGELIKA LENZ VERLAG 1999
www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm


***
"
Was wir tun müssen

Wir wollen auf unsern eigenen Beinen stehen und die Welt offen und ehrlich anblicken -
ihre guten und schlechten Seiten, ihre Schönheit und ihre Hässlichkeit;
wir wollen die Welt so sehen, wie sie ist, und uns nicht davor fürchten.

Wir wollen die Welt mit unserer Intelligenz erobern und uns nicht nur
sklavisch von dem Schrecken, der von ihr ausgeht, unterdrücken lassen.

Die ganze Vorstellung von Gott stammt von den alten orientalischen Gewaltherrschaften.
Es ist eine Vorstellung, die freier Menschen unwürdig ist.

Wenn man hört, wie sich die Menschen in der Kirche erniedrigen
und sich als elende Sünder usw. bezeichnen, so erscheint das verächtlich
und eines Menschen mit Selbstachtung nicht würdig.

Wir sollten uns erheben und der Welt frei ins Antlitz blicken.
Wir sollten aus der Welt das Bestmögliche machen, und wenn sie nicht so gut ist,
wie wir wünschen, so wird sie schließlich immer noch besser sein als das,
was die andern in all den Zeitaltern aus ihr gemacht haben.

Eine gute Welt braucht Wissen, Güte und Mut;
sie braucht keine schmerzliche Sehnsucht nach der Vergangenheit,
keine Fesselung der freien Intelligenz durch Worte, die vor langer Zeit
von unwissenden Männern gesprochen wurden.

Sie braucht einen furchtlosen Ausblick auf die Zukunft
und eine freie Intelligenz.

Sie braucht Zukunftshoffnung,
kein ständiges Zurückblicken auf eine tote Vergangenheit,
von der wir überzeugt sind, dass sie von der Zukunft,
die unsere Intelligenz schaffen kann, bei weitem übertroffen wird."


Aus: „Warum ich kein Christ bin. Ein Vortag". Was wir tun müssen.
Seite 34. ROWOHLT 1969 (1963)
Bertrand Russell
(1872-1970)
Britischer Philosoph, Mathematiker, Logiker
1950 Nobelpreis für Literatur




"Vor 1700 Jahren gingen wesentliche Elemente unseres uralten Erbes verloren und waren von da an einer
Priester-Elite sowie den esoterischen Traditionen
["Eingeweihter"] der jeweiligen Epoche vorbehalten.
In dem Bemühen, die lose organisierten Religionen und historischen Traditionen seiner Zeit zu vereinfachen, berief
der römische Kaiser Konstantin [der I./derGroße. 270/288-337 n.u.Z] im 4.Jahrhundert nach Christus einen Rat
von Historikern und Gelehrten ein. Die später als das Konzil von Nicäa [325 n.u.Z] bekannt gewordene Versammlung
erfüllte ihren Auftrag und sprach die Empfehlung aus, wenigstens 25 Dokumente aus dem bestehenden Schriftenkanon
zu entfernen oder zu modifizieren [1]. Das Gremium befand viele der untersuchten Texte als redundant [überflüssig,
wiederholt], voll von mehrmals erzählten Geschichten und wiederkehrenden Gleichnissen. Andere Manuskripte waren
so abstrakt oder so mystisch, dass man ihnen keinen praktischen Wert beimaß. Daneben wurden weitere 20 Hilfsdokumente
aus dem Kanon entfernt, um als lediglich ergänzendes Material fortan dem Zugriff ausgewählter Forscher und Gelehrter
vorbehalten zu sein. Die verbliebenen Bücher wurden gestrafft und umarrangiert, damit sie für den normalen Leser
mehr Sinn ergäben und leichter zugänglich wären.
Jeder dieser Entscheidungen trug zur weiteren Verdunkelung
des Mysteriums bei, das unseren Daseinszweck, unsere Möglichkeiten und unsere Beziehung zueinander umgibt
.
Nachdem das Konzil seine Aufgabe erfüllt hatte, legte es als Ergebnis im Jahr 325 nach Christus ein einziges Dokument vor.
Dieses Resultat seiner Arbeit ist uns bis heute erhalten geblieben als einer der vielleicht meistumstrittenen Texte
in der Geschichte der heiligen Überlieferungen überhaupt: die Bibel.
Noch 1700 Jahre später bestimmen
die Konsequenzen des Konzils von Nicäa die Politik und Technik, gesellschaftliche Strukturen
und religiöse Auffassungen in unserem Leben
...

In jüngster Zeit wurden einzelne Dokumente wie auch ganze Bibliotheken [Schriften], die nach dem Tod Christi verloren gegangen
waren, wieder entdeckt, übersetzt und der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Meines Wissens existiert keine Sammlung, in der
die gesamten Informationen enthalten sind, denn die Übersetzungen wurden von verschiedenen Autoren erarbeitet, die im Lauf
der Jahrhunderte in verschiedenen Sprachen wirkten. Von Zeit zu Zeit gab es jedoch Gruppenübersetzungen. Dank der Arbeit
moderner Wissenschaftler wurde Mitte des 20. Jahrhunderts eine solche Anthologie [Sammlung von Texten] verloren
gegangener biblischer Bücher veröffentlicht [2].

Zu den Dokumenten, die aus unserer heutigen Bibel herausgestrichen
und als solche identifiziert wurden, zählen die folgenden Bücher:



Barnabasbrief
1.Clemensbrief
2.Clemensbrief
Christus und Abgarus
Apostolisches Glaubensbekenntnis
Der Hirte des Hermas I - Visionen
Hermas II - Gebote
Hermas III - Gleichnisse
Epheserbrief
Kindheit Jesu I
Kindheit Jesu II


Die Geschichte Marias
1.Buch der Kindheit
2.Buch der Kindheit
Nikodemus
Briefwechsel von Paulus und Seneca
Briefwechsel von Paulus und Thekla
Philipper
Ignatiusbriefe an die Traller
- Philadelpher
- Magnesier
- Polycarp
- Römer
Briefe von Herodes und Pilatus


Nachfolgend findet sich eine auszugsweise Zusammenfassung
von Hilfstexten, die im 4. Jahrhundert entfernt wurden.
Diese Texte blieben seitdem Gelehrten vorbehalten [3].
www.nag-hammadi.com/
www.nag-hammadi.com/ge/index.html
www.qumran.org/homes/route66/



1.Buch von Adam und Eva
2.Buch von Adam und Eva
Die Geheimnisse Henochs
Die Psalmen Salomons
Die Oden Salomons
4.Buch der Makkabäer
Die Geschichte von Ahikar
Testament von Ruben
Asher
Josef


Simeon
Levi
Judah
Issachar
Zebulon
Dan
Naphatali
Gad
Benjamin


Die Konsequenzen der Entfernung oder Veränderung dieser 41 Bücher und vielleicht weiterer Schriften, in denen
Einzelheiten zu unserem Erbe und unserer Beziehung zum Kosmos beschrieben wurden, sind noch heute spürbar.

Das Fehlen derart zentraler Texte könnte das Empfinden vieler Menschen erklären, dass unsere biblischen Aufzeichnungen
eklektisch
[ausgewählt] und unvollständig sind. Für ernsthafte Wissenschaftler und Hobbyhistoriker gleichermaßen
bedeutet das Wissen um die Existenz dieser Dokumente die Lösung eines Rätsels. Es hat viel von einem modernen
Mysterium, dass wir erst jetzt, fast zwei Jahrtausende nach ihrem Verschwinden aus der allgemein zugänglichen Literatur,
unsere Geschichte vervollständigen können. Zwar trägt jedes der uns verloren gegangenen Bücher zum Verständnis
unserer Vergangenheit bei, doch gibt es einige, deren Auswirkungen größer sind als die von anderen ...

Vom 4. Jahrhundert an änderte sich unsere Beziehung zu den Kräften der Welt um uns herum sowie in uns.

Nachdem man die Worte, die eine Existenz solcher Beziehungen bestätigten, mit dem Konzil von Nicäa (325 n.u.Z)
aus den Texten herausgestrichen hatte,
begannen wir uns als Zuschauer zu sehen, die passiv die Wunder der Natur
und unserer Körperfunktionen beobachten
. Überlieferungen wie die der Essener und amerikanischen Indianer
sagen uns, dass unsere Beziehung zur Welt weit über eine Beobachtungsrolle hinausgeht. Sie erinnern uns daran,
dass wir ein Teil von allem sind, was wir sehen. In einer Welt wechselseitiger Verbundenheit ist es unmöglich,
auch nur passiv zuzusehen, wie ein Blatt von einem Baum fällt oder eine emsige Ameise über den Boden krabbelt.
Allein der Akt des Beobachtens macht uns zu Beteiligten ...

Dass wir uns selbst als losgelöst von unserer Umwelt sehen, hat sich in einem Gefühl des Getrenntseins
niedergeschlagen. Wir glauben an ein "Hier drin", das einem "Da draußen" gegenübersteht.
Von Kindheit an
entwickeln wir die Vorstellung, dass die Welt "einfach geschieht"
. Manchmal geschehen gute Dinge, dann wieder
weniger gute. Unsere Welt scheint sich überall um uns herum abzuspielen, oft ohne ersichtlichen Grund für die
Geschehnisse. Wir wappnen uns also für alle Eventualitäten (Möglichkeiten, Chancen) des Lebens und verbringen
viel Zeit damit, Überlebensstrategien zu entwickeln und alle Herausforderungen zu umschiffen, die sich uns in
den Weg stellen mögen. Neuere Forschungsergebnisse zu Beziehung zwischen der Kraft unserer Gefühle und
unserer Körperchemie lassen darauf schließen, dass diese Perspektive - "wir" und "die anderen" - weitreichende
und manchmal unerwartete Konsequenzen hat.

Man konnte zum Beispiel wissenschaftlich belegen, dass bestimmte Gefühle bestimmte vorhersehbare chemische
Prozesse in unserem Körper in gang setzen. Ändern wir unsere Gefühle, verändern wir damit unsere Körperchemie
.
Wir haben buchstäblich so etwas, das man als "Hass-Chemie", "Wut-Chemie", "Liebes-Chemie" und so weiter sehen
könnte. Biologisch betrachtet drücken sich Emotionen in unserem Körper als der Hormon-, Antikörper- und Enzymspiegel
aus. Die "Liebes-Chemie" zum Beispiel weckt unsere Lebensgeister, indem unser Immunsystem und die Steuerfunktionen
unseres Körpers optimiert werden. Umgekehrt kann Wut, die sich mitunter in Form von Schuldgefühlen nach innen richtet,
eine Schwächung des Immunsystems bewirken ...

So zu leben, als wäre die Welt "da draußen" irgendwie getrennt von uns, macht uns anfällig für erlernte Bewertungen und Urteile,
die dann im Körper ihren chemischen Ausdruck finden. So neigen wir dazu, zwischen "guten Bakterien" und "schlechten Bakterien"
zu unterscheiden, und verwenden Worte wie "Gifte" und "Abfallstoffe", um die Nebenprodukte jener Funktionen zu beschreiben,
denen wir unser Leben verdanken. In einer derartigen Welt kann unser Körper zum Schlachtfeld für widerstrebende Kräfte werden,
wodurch der biologische Kampf entsteht, der sich in Krankheit und Siechtum äußert.

Die ganzheitliche Perspektive der Essener dagegen sieht alle Facetten unseres Körpers als Elemente einer heiligen und göttlichen Kraft,
die sich durch die Schöpfung hindurch zieht
. Jede ist ein Ausdruck Gottes. In einer Welt, in der alles, was wir wissen und erfahren mögen,
einer solchen geeinten Quelle entspringt, arbeiten Bakterien, Keime und die Nebenprodukte unseres Körpers zusammen, um unserem
Körper Kraft und Leben einzuflößen. Diese Ansicht ist eine Aufforderung an uns, Tränen, Schweiß, Blut und Ausscheidungsprodukte,
die wir als "Abfall" gekannt haben, als heilige Elemente der Erde zu sehen, die uns gedient haben, statt als Ekel erregende Abfallstoffe,
die es auszuschalten, zu entsorgen und zu vernichten gibt ...

Die folgende Analyse entstammt dem Werk des bekannten hebräischen Theologen Rabbi Benjamin Blech [
4].
Sie offenbart noch nie da gewesene Einsichten, und vielleicht sind wir durch diese Erkenntnisse sogar in der Lage,
das Geheimnis und das Zusammenspiel von Himmel, Erde und der menschlichen Seele zu lüften.

Das hebräische Wort für "Seele" heißt
"NeSchaMaH". Es wird ohne Vokale, nur mit den Konsonanten N-Sch-M-H
geschrieben. Wenden wir nun die entsprechenden Zahlencodes an, ergibt sich folgendes Bild: N = 50, Sch = 300,
M = 40, H = 5. Durch Addition dieser Zahlen ergibt sich der Wert 395 [Quersumme 8].
Numerisch ausgedrückt bedeutet also die
Zahl 395 "Seele".

Über die Zahl können wir nun eine Beziehung zu anderen Wörtern herstellen, die zwar aus anderen Buchstaben
bestehen, aber den gleichen Wert enthalten. Wir wollen im Folgenden die Beziehung zwischen Seele und Himmel
genauer untersuchen. Wir wenden daher den gleichen Prozess auf das Wort "Himmel" an.

Auf hebräisch heißt Himmel
"HaSchaMaJiM". Auch hier schreiben wir das Wort wieder ohne Vokale H-Sh-M-J-M
und wenden dann den Zahlencode an. H = 5, Sh = 300, M = 40, J = 10, M = 40. In der Addition der Zahlen
erhalten wir dann: 5+300+40+10+40 = 395 [Quersumme 8]. Daraus folgt: Himmel = Seele

Wir sehen, der numerische Wert des Wortes für Himmel ist derselbe wie für das Wort Seele.
Die Regeln der Gematrie [6] besagen, dass Worte mit demselben Zahlenwert auch eine inhaltliche Beziehung
zueinander haben. Diese Zahlenbeziehungen sprechen eine deutliche Sprache, die unabhängig von gesellschaftlichen
und kulturellen Überlagerungen ist. Die Wissenschaft der Gematrie zeigt uns also, dass Himmel und Seele identisch sind.

In vielen Überlieferungen zu unserem Ursprung erschafft Gott Himmel und Erde
als zwei aufeinander bezogene, doch deutlich voneinander getrennte Erfahrungsbereiche.

Die Haggadah [7] beschreibt die Menschheit als eine Brücke zwischen diesen beiden Reichen,
als die Verbindung zwischen Himmel (Geist oder Seele) und Erde.

"Sie (die Menschheit) vereint in sich Himmlisches und Irdisches ... Ich (Gott)
werde den Menschen als die Vereinigung dieser beiden erschaffen ..."
[5]

Während unseres Lebens verschmelzen die Eigenschaften dieser beiden Reiche zu einer einzigen Existenz.
Am Ende unseres Lebens kehren der in unserem Körper verschmolzene Himmel und die Erde
wieder zu ihrer jeweiligen Heimat zurück. Unsere Körper werden wieder zu Staub
und der Himmel und unsere Seele sind bereits eins.

Jetzt wird klar, warum der Tod nicht das Ende unseres Daseins ist.
Der verborgene Zahlencode bestätigt das ...

Historisch betrachtet, betreten wir diese Welt als Folge der Vereinigung von Mann und Frau, unserer Mutter und unserem Vater.
Gleichgültig, ob eine Absicht dahinter stand oder nicht, das neue Leben im Mutterleib entsteht aus der Verschmelzung der DNA
[2 x 23 Chromosomen = 46] unserer Eltern. Eine der großen Fragen des Lebens, die im Zeitalter des Klonens und der Gen-
manipulation besondere Brisanz erhält, ist die, ob das Vorhandensein von Ei- und Samenzelle ausreicht,
damit neues Leben entstehen kann.

Was ist das für eine unsichtbare Kraft, die den Zellen befiehlt zu wachsen und sich nach einem bestimmten Schema
zu teilen, damit ein gesundes Kind entsteht? Wer ist der "Pfeifer" [8], von dem Einstein gesprochen hat?

Eine nähere Betrachtung der Geburt aus der alten Zahlenperspektive gibt uns Hinweise. Die folgende "Gleichung" für
die Vereinigung des Mütterlichen und des Väterlichen, aus der Adam hervorging, ist nur vollständig,
wenn der numerische Wert Gottes hinzugefügt wird.

Im vierten Kapitel haben wir dargelegt, dass das hebräische Wort für den ersten Menschen ADM
geschrieben wird (ohne Vokale). In Zahlen ausgedrückt ergibt sich folgende Gleichung:

A - Alef = 1 D - Dalet = 4 M - Mem = 40. Die Summe ergibt 45, die Quersumme davon ergibt 9.

Numerisch ausgedrückt entspricht Adam also der 9. In der Sprache der Zahlen [Gematrie] können wir
uns jetzt Adams Beziehung zu seiner Mutter und seinem Vater betrachten.
Dazu müssen wir zunächst deren verborgene Zahlenwerte finden.

Das hebräische Wort für Mutter schreibt sich EM [5,6]. E - Alef = 1 M - Mem = 40 1+4 = 5
Die Summe davon 41, die Quersumme davon 5.

Der gleiche Prozess für das Wort für Vater AV [5,6] liest sich so: A - Alef = 1 V - Vet/Bet = 2 1+2= 3
Die Summe dieser Buchstabenwerte ergibt 3.

Nachdem wir alle drei Worte in Zahlenwerte verwandelt haben, können wir diese nun miteinander vergleichen.
Da Adam (die Menschheit) aus der Vereinigung von Mutter und Vater hervorgegangen ist, würden wir erwarten,
dass sein Wert der Summe der beiden entspricht. Doch aus der Summe (Vater) 3 plus (Mutter) 5 ergibt sich 8,
eins weniger als die 9 des Adam. Dieses Rätsel wird durch einen einzigen Abschnitt in der Thora [im ersten
Teil des Tanach, der hebräischen Bibel] gelöst, wie Rabbi Benjamin Blech erkannt hat. Viele Forscher interpretieren
die alten Texte als Metaphern, doch oft sind die Hinweise in der Thora durchaus direkt gemeint. Rabbi Blech verweist
auf die Genesis, in der steht, dass Gott einen Zahlenwert hat. "Der Herr ist unser Gott, der Herr ist Eins" [6]
Manche sehen darin die Aussage, dass Gott den Zahlenwert Eins hat.
In der Eins liegt jedoch ein tiefes Geheimnis ...

Die Gleichung des Lebens
Mutter 5 + Vater 3 + Gott 1 = Adam 9 ...

Der Code sagt zwar nichts darüber aus, WER Gott ist, doch er zeigt uns nach den Regeln der Wissenschaft,
dass wir weder uns noch anderes Leben in unserer Welt von der Präsenz einer höheren Kraft separieren können ...

Die im ersten Kapitel genannten Zahlen der Toten bestätigen die Aussage des Historikers Eric Hobsbaum [1917-2012],
dass das 20. Jahrhundert das mörderischste unserer Geschichte war. Die Zahlen zeigen uns auch, was viele schon
geahnt haben:
dass wir selbst durch Gewalt und Missachtung gegenüber unseren Mitmenschen
für mehr Tote verantwortlich sind als Krankheit und Naturkatastrophen
.

Angesichts dieser schrecklichen Tatsachen werde ich oft gefragt, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass eine
einzige Information zu einer Lebensfördernden Veränderung und zur Umkehr der Tendenz zur Grausamkeit
führen könnte? Hätten die Auswirkungen dieser Information eine bedeutungsvolle Größe?

Ich antworte darauf mit einem überzeugten Ja! Ich halte es nicht nur für möglich,
sondern für durchführbar und notwendig.

Die Botschaft Gottes, des Ewigen, in unseren Zellen

J = Wasserstoff (H), H = Stickstoff (N), W = Sauerstoff (O), C = Kohlenstoff (C) - Elemente der DNA.
J H W G - Die Elemente als hebräische Buchstaben. JH: allgemein akzeptierte Form der Abkürzung
von JHWH, dem alten Namen Gottes WG/GW: das Innere/ im Körper
(ebenda S.159)


könnte genau der Katalysator sein, der
die notwendige Veränderung in Gang setzt
...

Die Buchstaben des Namen Gottes in unseren Zellen sind universell,
unabhängig von unserer Unterschiedlichkeit.

In jeder Zelle jedes Körpers finden wir denselben Code mit derselben Botschaft, über alle Sprachgrenzen,
Glaubensgrenzen und Rassengrenzen hinweg, frei von Vorurteilen oder Ausnahmen ...

Jenseits von Christentum, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Schintoismus, Schwarz, Weiß, Rot oder Gelb -
ob Mann, Frau oder Kind - die Botschaft erinnert uns an unser Mensch-Sein. Und wenn wir diese unveränderliche
Wahrheit einmal anzweifeln sollten, brauchen wir nicht weit zu suchen:
Jede Zelle unseres Körpers erinnert uns daran."...

Aus: Gregg Braden: 1. „Der Jesaja Effekt. Das verborgene Wissen von Prophezeiungen und Gebeten alter Kulturen neu entschlüsselt“
Seite 55-62: Vergessene Technologie. Seite 219ff: Kapitel 8: Die Wissenschaft vom Menschen. Geheimnisse des Gebets und der Heilung
KOHA 2009 (The Isiah Effekt: Decoding the Lost Science of Prayer and Prophecy“ 2000)

2. „Der Gottes Code. Das Geheimnis in unseren Zellen“ (The God Code. The Secret of Our Past, the Promise of Our Future 2004)
Kapitel 3: Von den verlorenen Büchern der Schöpfung: Himmlische Macht in irdischen Körpern. Verschollene Bibelbücher Seite 69f.
Kapitel 5: Die Entdeckung: Buchstaben werden zu Elementen Seite116-118.
Kapitel 7: Die Botschaft vom Ursprung: Die Entzifferung der Sprache Gottes.
Das Geheimnis von "Gott ist Eins Seite 184-186. Die Gleichung des Lebens 187-188.
9.Kapitel: Der Gottes Code - Ein Grund zu glauben. Der perfekte Zeitpunkt Seite 237.
Jenseits unserer Verschiedenheit Seite 252. Unsere unveränderliche Wahrheit Seite 260"
KOHA 2.Auflage 2011


[1,2,3] Gerd Lüdemann, Martina Janssen: "Bibel der Häretiker. Die gnostischen Schriften aus Nag Hammadi.
Erste deutsche Gesamtübersetzung" RADIUS 1997 (The Lost Books of the Bible and the Forgotten Books of Eden 1963)


[4,9]
Benjamin Blech (b.1939): "The Secrets of Hebrew Words" Jason Aronson 1991

[5]
Willis Barnstone (b.1927): "The other bible. Jewish Pseudepigrapha, Christian Apocrypha, Gnostic Scriptures, Kabbalah, Dead Sea Scrolls"
Edited with Introductions, San Francisco: HarperSan Francisco, 1984.


[6] Friedrich Weinreb (1910-1988 Zürich, jüdisch-chassidischer Erzähler, Schriftsteller): „Der göttliche Bauplan der Welt – Der Sinn der Bibel nach der ältesten jüdischen Überlieferung“
ORIGO 1978, „Die Astrologie in der jüdischen Mystik“ THAUROS1982, „Schöpfung im Wort – Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung“ THAUROS 2002,
„Die Symbolik der Bibelsprache“ ORIGO 1999, „Zahl-Zeichen, Wort – Das symbolische Universum der Bibelsprache“ THAUROS 1999

[7]
Haggadah: Die Nacherzählung (Haggada) dieses im Buch Exodus des Tanach erzählten Geschehens. Erzählung und Handlungsanweisung für den Sederabend
[Vorabend und Auftakt des jüdischen Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie oder der Gemeinde des Auszugs aus Ägypten gedacht. Das Fest der Befreiung
der Israeliten aus der ägyptischer Sklaverei], dem Fest der ungesäuerten Brote. Die Haggada ist ein meist reich bebildertes Büchlein,
aus dem beim Festmahl mit der Familie gemeinsam gelesen und gesungen wird.


[8] Albert Einstein über seine Gedanken zu einer der Schöpfung zugrunde liegenden Ordnung und seine Ahnung, woher diese Ordnung wohl kommen könnte:
"Ich sehe ein Muster, aber der Schöpfer dieses Musters entzieht sich meiner Vorstellungskraft ... Wir tanzen alle nach dem geheimnisvollen Lied eines fernen,
unsichtbaren Pfeifers"
In: "The Expanded Quotable Einstein" Collected and edited by Alice Calaprice. With a foreword by Freeman Dyson.
Princeton University Press 2000



*****
"Noch heute indes kommt niemand mit einer Idee von "Gott" zur Welt,
jedes Kind weiß nichts vom "lieben Himmelvater",
bis es Leute beschwätzen, die genau
so wenig davon wissen."


Aus: Karlheinz Deschner: „Oben ohne. Für einen götterlosen Himmel und eine priesterfreie Welt.
Zweiundzwanzig Attacken, Repliken und andere starke Stücke“ Kapitel: Warum ich Agnostiker bin (1976)
Seite 20, ROWOHLT 1997

George Denis Patrick Carlin / Zeit zum Leben und Lieben
>>>



"Ach! Zwei Seelen wohnen in meiner Brust"
frei nach Goethes FAUST.

Johann Wolfgang von Goethe / In den Wissenschaften >>>

"Die meisten von uns [sind] in ständigem Kampf mit der eigenen Persönlichkeit. Mit dem Ego,
mit den schwierigen Gefühlen, mit der Sexualität, mit Gewaltfantasien, mit rassistischen Anwandlungen.
Darum kommt für mich das Konzept, wonach man verstärkt, was man bekämpft an erster Stelle der Faktoren,
die unsere Realität gestalten. Dieser Kampf in uns bestimmt in wesentlicher Art, wie wir unser Leben erfahren.
Deshalb halte ich die VERSÖHNUNGSARBEIT MIT SICH SELBST für die wichtigste Arbeit in unserem Leben.
Das ist der Hauptgrund für meine Vorsicht gegenüber den traditionellen Religionen mit dem verurteilenden Gott.
Sie lehren hauptsächlich die Verurteilung von uns selbst - anstatt einer Versöhnung mit uns. Die Versöhnung
wird an eine externe Instanz, beispielsweise Christus, delegiert. Diese Dienstleistung wird uns angeblich geliefert
zum Preis der Unterdrückung von Teilen unserer Persönlichkeit. Mit anderen Worten: Die Versöhnung
wird uns geschenkt unter der Bedingung, dass wir in ständigem Krieg mit uns selbst leben,
das heißt, mit uns selbst unversöhnt bleiben!


Aus: Jakob Bösch: „Versöhnen und Heilen: Spiritualität, Wissenschaft und Wirtschaft im Einklang“
Kapitel: Bewusstsein schafft Realität. Seite 61. AT VERLAG 2008




"Nur in dem Maße, als der Mensch sich immer wieder der Vernichtung aussetzt,
kann das Unvernichtbare ins Innesein treten ... Nur im immer neuen Durchschreiten
einer Zone der Vernichtung kann die Fühlung mit dem aller Vernichtung enthobenen Sein
sich festigen. Und je mehr der Mensch lernt, ohne Reserve der ihn gefährdenden, sinn-
widrigen, mit Isolierung drohenden Welt zu begegnen, um so mehr öffnet sich ihm
die Tiefe des Grundes, und ein Tor zu neuem Leben und Werden geht auf."

Aus: Karlfried Graf Dürckheim (1896-1988, deutscher Diplomat, Psychotherapeut, Zen-Lehrer):
„Der Alltag als Übung. Vom Weg zur Verwandlung“ Kapitel: Das Rad der Verwandlung
3. Das Eingehen in den Grund. Seite 101. HANS HUBER 2004 (2001, 1966)


"Die Hoffnungsbilder, die Religionen dem Menschen vermitteln, weil er
ohne sie das Leben kaum ertragen kann, verdrängen den "Tod des Ich".
Dieses letzte Tabu wagt keine Religion anzutasten. Dadurch aber
verdrängen sie die Erfahrung Gottes!"

Aus: Willigis Jäger/Ko-un Rōshi:
"In jedem Jetzt ist Ewigkeit - Worte für alle Tage"
7. Oktober S.187 KÖSEL 2003


"RELIGION muss in der Tiefe unseres Seins aufkeimen und nicht aus einer IDEOLOGIE.
Unser wahres Selbst soll zum Durchbruch kommen. Wir sollen erkennen,
was wir schon längst waren und sind."

Aus: Willigis Jäger/Ko-un Rōshi:
"In jedem Jetzt ist Ewigkeit - Worte für alle Tage"
10. September S.170 KÖSEL 2003


Meine ganz persönliche und lang währende Reise durch die "Nebel" der Religions-Ideologien
und Indoktrinationen, die "Erlösung des Geistes" von vorgegebenen Dogmen und Konformis-
men, ist nun, auch an einem ganz persönlichen "Punkt" angelangt. Herausfordernderweise,
hoffentlich, mitnichten, nicht schon bald zu Ende!


"Und allem Weh zum Trotze bleib ich verliebt in die verrückte Welt" [1]

Ich bedanke mich daher herzlichst bei Allen, welche ich in dieser "Montage" angeführt habe,
im Besonderen bei Herrn Prof. em. Dr. Horst Herrmann, welcher mir freundlicherweise, mit
Schreiben (e-mail) vom 17.2.2011, erlaubt hat, aus seinem Buch "Agnostizismus - Freies
Denken für Dummies" zu zitieren und zu exzerpieren. Die meisten "Textausschnitte" vor den
Sternsymbolen *** stammen aus seinem Buch. Ansonsten ist die genaue "Quelle" angegeben.
Meine persönlichen Ergänzungen habe ich in eckigen Klammern [] eingefügt.


"Wegweiser ins Paradies" pdf >>>
Matthias Schulz: Spiegel Nr.23/2006
Archäologen haben in der Osttürkei Spuren einer 11.000 Jahre alten „goldenen Epoche“ der Steinzeit entdeckt.
Gazellenjäger schufen dort mächtige Schlangentempel und lebten wie im Garten Eden. Der Verdacht: Adam gab
es wirklich, im Gleichnis vom Sündenfall steckt ein wahrer Kern. "120 Generationen lang, etwa von 9000 bis 6000
vor Christus, dauerte diese brutalste Veränderung, die der Homo sapiens bis dahin durchlaufen hatte. Es wäre ein
Wunder, wenn sie in der Bibel kein Echo gefunden hätte" (S.169) Aus: Der Spiegel 23/2006, S.158-170
http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/47134822


"Bevor die letzte Eiszeit ("Würm") Europa vor 110.000 Jahren zum Eisschrank machte,
war Europa wärmer, als es heute ist. In Südskandinavien lebten Schildkröten.
Der Meeresspiegel lag zehn Meter über dem heutigen ... Bis zur Wieder-
erwärmung der Erde vor etwa 12.000 Jahren herrschten hier
für den Menschen raue Lebensbedingungen ... "
Aus: Joachim Bauer: "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt"
Kapitel 5: Auf der Suche nach unseren Ursprüngen oder: Der Mensch vor und nach der
neolithischen Revolution [~10.000 v.u.Z]. Evolutionär angekommen: der Homo sapiens
S.141, Fußnote 274 S.238 Wilhelm Heyne Verlag 3.Auflage 2013 (2011)


"Manche Menschen treten aus der Kirche aus,
um zu "Gott" [zur "Quelle-Alleins-Ursprung"]
zu kommen!

Aus: Willigis Jäger/Ko-un Rōshi:
"In jedem Jetzt ist Ewigkeit - Worte für alle Tage"
10. Oktober S.189 KÖSEL 2003
[Meine Ergänzung]


[1] Gestutzte Eiche
Wie haben sie dich, Baum, verschnitten,
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!

Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.

Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,

Und allem Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.

Juli 1919

Hermann Karl Hesse
(1877-1962)
Deutscher Schriftsteller, Dichter, Maler
1946 Nobelpreis für Literatur




"Ich musste dieses alte, grausame Gottesbild von einem ungerechten und rächenden Gott hinter mir lassen.
Auch die Überwachung und Lenkung aller Menschen durch diesen Gott widersprach der Vernunft. Je mehr
ich den Schritt aus diesem geistigen Gefängnis machen konnte, umso befreiter fühlte ich mich. Mein Sehnen
hörte aber nicht auf; die Bestätigung der östlichen Autoren, man könne die Einheit mit dem Göttlichen in sich
erfahren, war Licht auf meinem Weg. Während diese Auseinandersetzungen mit der alten Religion abliefen,
entdeckte ich mehr und mehr die Naturwissenschaften. Deren spirituelle Grundnatur begann für mich zu
leuchten. Es war eine weitere Befreiung, eine Faszination für diese Art der Erkenntnis, die ich als wesentlich
spiritueller empfand als die traditionellen Religionen. Ich entdeckte, wie viele der großen Forscher und Begründer
der naturwissenschaftlichen Methoden von einer tiefen Spiritualität geprägt waren.
Erst allmählich begriff ich, wie weit die Mehrheit der zeitgenössischen Forscher ihre Sichtweise auf eine geistlose
und tote Welt verengt hatte. Es schien mir, ihr Herz sei verschlossen gegenüber dem Göttlichen. Warum konnten
sie die geistigen Zusammenhänge nicht sehen? Das unser Leben begründende Prinzip von Liebe und Freiheit
war in den Naturwissenschaften verloren gegangen. Heute spüren wieder viel mehr Menschen diesen Zusammen-
hang als Basis unserer Existenz. Sie lassen sich weniger vereinnahmen. Viele von diesen Menschen fühlen sich
einer areligiösen Spiritualität verbunden, eben einer spiritualite' sans Dieu, einer göttlichen Welt
ohne den verurteilenden Gottvater meiner Kindheit."


Aus: Jakob Bösch (Schweizer Psychiater, PD): „Versöhnen und Heilen: Spiritualität, Wissenschaft und Wirtschaft im Einklang“
Kapitel: Lernen, neu zu denken. Auszugsweise aus Seite 27f. AT VERLAG 2008


“Aufklärung ist der gute Wille,
der Dummheit zu schaden.”
Friedrich Nietzsche
(1844-1900)
Aus: Jürgen Beetz: „Denken – Nach-Denken – Handeln.
Triviale Einsichten, die niemand befolgt“
Seite 37. ALIBRI 2010


Siehe ZITATE: Alles ist nur Übergang >>>

“There is probably no God.
Now stop worrying
and get on with your life"


„Es gibt wahrscheinlich keinen Gott.
Also mach' dir keine Sorgen und lebe/
"genieße" dein Leben.“

Ariane Sherine
(b.1980)
Britische Journalistin, Autorin Menschenrechtsaktivistin
"Ihre religionskritische Atheist Bus Campaign in London 2008"
Siehe:
www.guardian.co.uk/commentisfree/2008/jun/20/transport.religion
http://de.wikipedia.org/wiki/Atheist_Bus_Campaign

www.buskampagne.de/


Maurits Cornelis Escher
(1898-1972)
"The Eye" (1946)




"Gerufen und ungerufen
wird Gott da sein
"

Carl Gustav Jung
(1875-1961)
hatte diesen Spruch
"Vocatus atque non vocatus deus aderi",
der Erasmus von Rotterdam (1466-1536)
- "Deus aderit" - zugeschrieben wird,
im Portal seiner Villa in Küsnacht,
einmeißeln lassen.


"Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott,
aber ich kenne eine sehr persönliche Kraft,
deren Wirkung kein Widerstand entgegengesetzt
werden kann. Ich nenne sie "Gott"..."

Carl Gustav Jung

Aus: Josef Zehentbauer (b.1945, deutscher Arzt und Psychotherapeut):
„Abenteuer Seele. Psychische Krisen als Chance“ Seite 29. ALBATROS 2012 (2000)


"Die Philosophie des Individuums:
Jeder Mensch kann in sich selbst hineinhorchen und sich fragen,
ob da ein Innenleben ist, und wenn ja, wie die innere Welt
oder Seele beschaffen ist, die er spürt.
Hierfür braucht er weder Wissenschaft
noch Religion."
Josef Zehentbauer
„Abenteuer Seele. Psychische Krisen als Chance“
Seite 11, 24. ALBATROS 2012 (2000)


Übung: "Die Seele als offener Krug?"
Stellen Sie sich an einen für Sie guten Platz, mit beiden Füßen fest auf dem Boden,
die Arme nach oben geöffnet - so, wie ein offener Krug ... der unendliche Raum füllt auch
einen tönernen Krug: der Raum in dem Kruge unterscheidet sich von dem all-umfassenden Raum
nur durch seine Begrenztheit. Ähnlich ist es mit der Seele. Die allumfassende Ur-Seele füllt auch
den einzelnen Menschen - so entsteht die Individual-Seele, die sich von der Ur-Seele nur durch
ihre Begrenztheit unterscheidet. Nehmen Sie also die Haltung des Kruges ein, öffnen Sie sich
nach oben und spüren Sie Ihre Verbindung zur all-umfassenden Ur-Seele ... spüren Sie,
wie es in sie hineinfließt und herausfließt ... eine energievolle Verbindung zur Ur-Seele ...


"Wenn jemand anderer Meinung ist als wir, bezeichnen
wir ihn als Spinner und die Sache ist erledigt. Ich meine
natürlich, so ist es heutzutage, denn heute können wir
ihn nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrennen."

Mark Twain
Samuel Langhorne Clemens
(1835-1910)
US-amerikanischer Schriftsteller.

Aus: William F. Bengston, Sylvia Fraser: „Bengston Energy Healing - Heilen aus dem Nichts:
Wissenschaftlich belegt - in der Praxis bewährt - für jeden erlernbar“
(„The Energy Cure. Unraveling the Mystery of Hands-On Healing“ Sounds True 2010)
Seite 115. Übersetzung: Beate Brandt. 2.Auflage VAK Verlag 2012




1971
IMAGINE

Imagine
there's no Heaven
[and no religion too]
It's easy if you try
No Hell below us
Above us only sky


Imagine
all the people
Living for today


Imagine
there's no countries
It isn't hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too


Imagine
all the people
Living life in peace ... yuhuuuuhh


You may say I am a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will be as one


Imagine
no possessions
Wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man


Imagine
all the people
Sharing all the world ... yuhuuuh


You may say I am a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will be as one


John Winston Ono Lennon MBE [1]
[9. X 1940-8. XII 1980 (ermordet)]
Mitgründer, Sänger, Gitarrist der britischen Rockband
"The Beatles" (1960-1970)

[1]
The Most Excellent Order of the British Empire




Reinhard Mey - "Ich glaube nicht" pdf >>>
www.youtube.com/watch?v=F4EH-4iI220

"Die Theologie ist damit die einzige "Wissenschaft", die nicht belegen oder gar beweisen kann, dass ihr Gegenstand,
um den sich bei ihr alles dreht, überhaupt existiert. Theologen müssen sich mit Recht fragen lassen, ob ihr Fachgebiet
damit nicht insgesamt - und das seit 2000 Jahren - ein reines Hirngespinst hochgezüchteter Einbildungen ist, das auch dann
nicht an Wirklichkeit gewinnt, wenn es von zumeist intelligenten Menschen an staatlichen Universitäten betrieben wird.
Es wäre doch die erste Forderung an eine Theologie als Wissenschaft, die Existenz ihres Gegenstandss zunächst einmal
schlüssig zu beweisen. Doch das kann sie offenbar nicht, denn sonst hätte sie uns dies längst präsentiert. Die mittelalterliche
Theologie hat es mit Gottesbeweisen zumindest versucht. Diese Verfahren haben jedoch heute auch für Theologen keine
Beweiskraft mehr. "Gott läst sich nicht beweisen"; das ist eine Binsenweisheit, für die Theologen aber geradezu Lob zu
erwarten scheinen, wenn sie dies zuweilen freimütig eingestehen. Stattdessen tun Theologen einfach so, als wäre
die Existenz ihres Gegenstands bewiesen, und halten sich nicht lange mit den Grundlagen auf. Man kann bestenfalls
dann Theologie betreiben, wenn man mit dem kritischen Denken einfach etwas später anfängt
.
Und es geht ja nicht um Gott im Allgemeinen. Mit dem Gott der Philosophen kann die Theologie wenig anfangen.
Um den geht es leider nicht ... Immer weiter sehen sich Theologen gezwungen, die an sich schon nicht beweisbare
philosophische Gottesvorstellung auf das niedrige Niveau kirchlicher Bekenntnisse herunterzubrechen, d.h. dem
schon nicht schlüssig zu beweisenden Gott dann gleich auch noch die Menschwerdung einer Teilgotteheit
und seinen angeblichen Tod für uns am Kreuz zu unterstellen ...


Wissenschaft besteht u. a. gerade darin, dass sie intersubjektiv vermittelt werden kann. Und diesem Anspruch kann
keine Religion genügen. Nachvollziehbar und einsichtig ist die theologische Vorgehensweise nur für Insider, also für
andere Theologen oder Gläubige, die die gleichen Prämissen teilen ... Ähnlich verhält es sich mit der Methodisierbarkeit.
Auch diese ist nur Theologen einsehbar und hält einer wirklich kritischen Nachfrge nicht stand. Und man muss immer
damit rechnen, dass von Theologenseite die Flucht ins Mythologische angetreten wird ...

Auch wenn in den exegetischen und geschichtlichen Fächern durchaus wissenschaftlich gearbeitet wird, ist die Theologie
als Ganzes natürlich keine Wissenschaft. Sie ist es deshalb nicht, weil es ihr nicht gelingt und auch nach eigenem Anspruch
nicht gelingen kann, ihren Gegenstand "Gott" überhaupt nachzuweisen. Sie ist es deshalb nicht, weil die Kirchen wissenschafts-
fremde Einflüsse auf die Besetzung von Professuren nehmen und ein der Kirche genehmes, opportunistisches Verhalten eines
Bewerbers vor der Berufung provozieren. Sie kann auch deshalb nicht wissenschaftlich sein, weil sie konfessionell ist, und es
keine evangelische oder katholische Wissenschaft geben kann. Sie ist es deshalb nicht, weil in Dogmatiken der Theologen selbst
freimütig eingeräumt wird, dass wissenschaftsfremde Bedingungen (eigene Gläubigkeit, Bibel, Bekenntnisse) die Grundlagen
bestimmen, und dass man ohne diese nicht Theologie treiben kann ...


Wenn die Theologen dennoch Wert auf Wissenschaftlichkeit legen, geschieht dies offenbar aus dem Antrieb heraus,
ihre Existenz gerade an einer wissenschaftlichn Universität gegenüber ihren Studierenden, anderen Fachbereichen
und der Öffentlichket zu rechtfertigen. Obwohl der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit also vorderhand nicht aufgegeben
wird, findet sich in allen untersuchten Dogmatiken eine übergroße Zahl an Stellen, die die beanspruchte Wissenschaft-
lichkeit selbst wieder relativieren ... Man versucht die Theologie in die Nähe der Geisteswissenschaften, der Kunst oder
der Philosophie anzusiedeln. Doch auch diese im Vergleich zu Naturwissenschaften niedrigere Hürde kann die Theologie
nicht nehmen, denn ihre Kernbestandteile, von einigen Theologen in Anlehnung an seriöse Wissenschaften "Axiome" genannt,
sind im eigentlichen Sinn lediglich religiöse Bekenntnisse. Was die Wissenschaftlichkeit belegen soll, ist somit das Problem
selbst. Theologie ist demnach keine Wissenschaft, nicht in der Theorie und auch nicht nach den wesentlichen Aussagen
der Dogmatiker selbst. Sie bleibt ein Relikt im Wissenschaftsbetrieb, Überbleibsel vorwissenschaftlichen Denkens
aus einer Zeit religiöser Bevormundung. Die Unterhaltung theologische Fakultäten, an der der kirchliche Nachwuchs
ausgebildet wird, lässt sich der Staat (und nicht etwa die Kirchen!) jährlich fast 280 Millionen Euro kosten [1].
Als Gegenleistung verwässern und beschädigen die theologischen Fakultäten den wissenschaftsanspruch
der Universität, die sich dies, aus Tradition, immer noch gefallen lässt ...

Die Situation der Theologie ist viel ernster als dies Dogmatiker wahrhaben wollen. Die Dogmatik sollte eigentlich mause-
tot sein, weil sie nach über 200 Jahren historisch-kritischer Forschung in fast allen ihren Teilen als widerlegt angesehen
werden muss. Das Christentum ist eigentlich keine Frage des Glaubens mehr, denn noch vor allem Glauben fallen
die Bekenntnis-Eckdaten, wie sie Alte Kirche, Mittelalter und Reformation noch überzeugt vertreten haben, heute
allesamtdurch das Raster der intellektuellen Redlichkeit. Sie sind Ausdruck von Literatur, mehr nicht.
Wer jetzt noch glaubt, ist einfach nur schlecht informiert oder tut dies aus Trotz.
Eine "moderne" Theologie kann es deshalb aus Prinzip nicht geben, denn eine Theologie, die sich dieser Situation
ehrlich stellen würde, müsste sich eigentlich wegen hinreichnd belegter Gegenstandslosigkeit selbst auflösen.
Das kann man als Dogmatiker natürlich nicht wollen, und deshalb tut man geschäftig und bastelt in den theologischen
Fakultäten weiter kreativ an Scheinlösungen für Scheinprobleme. Und unser Gemeinwesen leistet sich aus Tradition
auch weiterhin für ca. 280 Millionen Euro jährlich an staatlichen Universitäten gelehrte Mythologie,
gläubiges Denken und konfessionell gebundene Wahrheiten."


Heinz Werner Kubitza

(Dr. theol., Tectum Wissenschaftsverlags Inhaber)
Aus: „Der Dogmenwahn: Scheinprobleme der Theologie. Holzwege einer angemaßten Wissenschaft“
Theologie, die gläubige Wissenschaft. Warum Theologie keine Wissenschaft sein kann.
Theologie als Wissenschaft ohne Gegenstand, Seite 28. Die Uneinsichtigkeit theologischer
Sätze, Seite 32. Theologie, ein Relikt im wissenschaftsbetrieb, Seite 41f
Schlusswort: Das Elend der Theologie, Seite 377
TECTUM Verlag 2015

[1] Carsten Frerk (b.1945, Politologe, Journalist): „Violettbuch Kirchenfinanzen.
Wie der Staat die Kirchen finanziert“ Seite 136. ALIBRI 2010




Der Widerspruch in der Existenz Gottes (Ludwig Feuerbach - Das Wesen des Christentums 1849)

Die Religion ist das Verhalten des Menschen zu seinem eignen Wesen – darin liegt ihre Wahrheit und sittliche Heilkraft –, aber zu seinem Wesen nicht als dem seinigen, sondern als einem andern, von ihm unterschiednen, ja entgegengesetzten Wesen –, darin liegt ihre Unwahrheit, ihre Schranke, ihr Widerspruch mit Vernunft und Sittlichkeit, darin die unheilschwangere Quelle des religiösen Fanatismus, darin das oberste, metaphysische Prinzip der blutigen Menschenopfer, kurz, darin der Urgrund aller Greuel, aller schaudererregenden Szenen in dem Trauerspiel der Religionsgeschichte.

Die Anschauung des menschlichen Wesens als eines andern, für sich existierenden Wesens ist jedoch im ursprünglichen Begriffe der Religion eine unwillkürliche, kindliche, unbefangne, d.h. eine solche, welche ebenso unmittelbar Gott vom Menschen unterscheidet, als sie ihn wieder mit dem Menschen identifiziert. Aber wenn die Religion an Jahren und mit den Jahren an Verstande zunimmt, wenn innerhalb der Religion die Reflexion über die Religion erwacht, das Bewußtsein von der Einheit des göttlichen Wesens mit dem menschlichen zu dämmern beginnt, kurz, wenn die Religion Theologie wird, so wird die ursprünglich unwillkürliche und harmlose Scheidung Gottes vom Menschen zu einer absichtlichen, ausstudierten Unterscheidung, welche keinen andern Zweck hat, als diese bereits in das Bewußtsein eingetretene Einheit wieder aus dem Bewußtsein wegzuräumen.

Je näher daher die Religion ihrem Ursprunge noch steht, je wahrhafter, je aufrichtiger sie ist, desto weniger verheimlicht sie dieses ihr Wesen. Das heißt: im Ursprunge der Religion ist gar kein qualitativer oder wesentlicher Unterschied zwischen Gott und dem Menschen. Und an dieser Identität nimmt der religiöse Mensch keinen Anstoß; denn sein Verstand ist noch in Harmonie mit seiner Religion. So war Jehova im alten Judentum nur ein der Existenz nach vom menschlichen Individuum unterschiednes Wesen; aber qualitativ, seinem innern Wesen nach war er völlig gleich dem Menschen, hatte er dieselben Leidenschaften, dieselben menschlichen, selbst körperlichen Eigenschaften. Erst im spätern Judentum trennte man aufs schärfste Jehova vom Menschen und nahm seine Zuflucht zur Allegorie, um den Anthropopathismen [A] einen andern Sinn unterzustellen, als sie ursprünglich hatten. So war es auch im Christentum. In den ältesten Urkunden desselben ist die Gottheit Christi noch nicht so entschieden ausgeprägt, wie später. Bei Paulus namentlich ist Christus noch ein zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und dem Menschen oder überhaupt den dem Höchsten untergeordneten Wesen schwebendes, unbestimmtes Wesen – der Erste der Engel, der Erstgeschaffne, aber doch geschaffen; meinetwegen auch gezeugt, aber dann sind auch die Engel, auch die Menschen nicht geschaffen, sondern gezeugt; denn Gott ist auch ihr Vater. Erst die Kirche identifizierte ihn ausdrücklich mit Gott, machte ihn zu dem ausschließlichen Sohn Gottes, bestimmte seinen Unterschied von den Menschen und Engeln und gab ihm so das Monopol eines ewigen, unkreatürlichen Wesens.

Die dem Begriffe nach erste Weise, wie die Reflexion über die Religion, die Theologie das göttliche Wesen zu einem andern Wesen macht, außer den Menschen hinaussetzt, ist die Existenz Gottes, welche zum Gegenstande eines förmlichen Beweises gemacht wird.

Die Beweise vom Dasein Gottes hat man für dem Wesen der Religion widersprechend erklärt. Sie sind es; aber nur der Beweisform nach. Die Religion stellt unmittelbar das innere Wesen des Menschen als ein gegenständliches, andres Wesen dar. Und der Beweis will nichts weiter als beweisen, daß die Religion recht hat. Das vollkommenste Wesen ist das Wesen, über welchem kein höheres gedacht werden kann – Gott ist das Höchste, was der Mensch denkt und denken kann. Diese Prämisse des ontologischen Beweises – des interessantesten Beweises, weil er von innen ausgeht – spricht das innerste geheimste Wesen der Religion aus. Das, was das Höchste für den Menschen ist, wovon er nicht mehr abstrahieren kann, was die wesentliche Grenze seiner Vernunft, seines Gemüts, seiner Gesinnung ist, das ist ihm Gott – id quo nihil majus cogitari potest [„das, über dem Größeres nicht gedacht werden kann“ Anselm von Canterbury (1033-1109)]. Aber dieses höchste Wesen wäre nicht das höchste, wenn es nicht existierte; wir könnten uns dann ein höheres Wesen vorstellen, welches die Existenz vor ihm voraus hätte; aber zu dieser Fiktion gestattet uns schon von vornherein der Begriff des vollkommensten Wesens keinen Raum. Nichtsein ist Mangel; Sein Vollkommenheit, Glück, Seligkeit. Einem Wesen, dem der Mensch alles gibt, alles opfert, was ihm hoch und teuer, kann er auch nicht das Gut, das Glück der Existenz vorenthalten. Das dem religiösen Sinn Widersprechende liegt nur darin, daß die Existenz abgesondert gedacht wird und dadurch der Schein entsteht, als wäre Gott nur ein gedachtes, in der Vorstellung existierendes Wesen, ein Schein, der übrigens sogleich aufgehoben wird; denn der Beweis beweist eben, daß Gott ein vom Gedachtsein unterschiednes Sein, ein Sein außer dem Menschen, außer dem Denken, ein wirkliches Sein, ein Sein für sich zukommt.

Der Beweis unterscheidet sich nur dadurch von der Religion, daß er das geheime Enthymema [Schluss mit nicht ausgesprochenen Prämissen/Aristoteles] der Religion in einen förmlichen Schluß faßt, entfaltet und deswegen unterscheidet, was die Religion unmittelbar verbindet; denn was der Religion das Höchste, Gott, das ist ihr kein Gedanke, das ist ihr unmittelbar Wahrheit und Wirklichkeit. Daß aber jede Religion selbst auch einen geheimen, unentfalteten Schluß macht, das gesteht sie in ihrer Polemik gegen andere Religionen ein. Ihr Heiden habt euch eben nichts Höheres als eure Götter vorstellen können, weil ihr in sündliche Neigungen versunken waret. Eure Götter beruhen auf einem Schlusse, dessen Vordersätze eure sinnlichen Triebe, eure Leidenschaften sind. Ihr dachtet so: Das trefflichste Leben ist, unbeschränkt seinen Trieben zu leben, und weil euch dieses Leben das trefflichste, wahrste Leben war, so machtet ihr es zu euerm Gott. Euer Gott war euer sinnlicher Trieb, euer Himmel nur der freie Spielraum der im bürgerlichen, überhaupt wirklichen Leben beschränkten Leidenschaften. Aber in Beziehung auf sich natürlich ist sie sich keines Schlusses bewußt, denn der höchste Gedanke, dessen sie fähig, ist ihre Schranke, hat für sie die Kraft der Notwendigkeit, ist ihr also kein Gedanke, keine Vorstellung, sondern unmittelbare Wirklichkeit.

Die Beweise vom Dasein Gottes haben zum Zweck, das Innere zu veräußern, vom Menschen auszuscheiden [1]. Durch die Existenz wird Gott ein Ding an sich: Gott ist nicht nur ein Wesen für uns, ein Wesen in unserm Glauben, unserm Gemüte, unserm Wesen, er ist auch ein Wesen für sich, ein Wesen außer uns – kurz, nicht bloß Glaube, Gefühl, Gedanke, sondern auch ein vom Glauben, Fühlen, Denken unterschiednes, wirkliches Sein. Aber solches Sein ist kein andres als sinnliches Sein.

Der Begriff der Sinnlichkeit liegt übrigens schon in dem charakteristischen Ausdruck des Außer-uns-Seins. Die sophistische Theologie nimmt freilich das Wort: außer uns nicht in eigentlichem Sinne und setzt dafür den unbestimmten Ausdruck des von uns Unabhängig- und Unterschieden-Seins. Allein wenn dieses Außer-uns-Sein nur uneigentlich ist, so ist auch die Existenz Gottes eine uneigentliche. Und doch handelt es sich ja eben nur um eine Existenz im eigentlichsten Verstande und ist der bestimmte, nicht ausweichende Ausdruck für Unterschieden-Sein allein Außer-uns-Sein.

Wirkliches, sinnliches Sein ist solches, welches nicht abhängt von meinem Mich-selbst-Bestimmen, von meiner Tätigkeit, sondern von welchem ich unwillkürlich bestimmt werde, welches ist, wenn ich auch gar nicht bin, es gar nicht denke, fühle. Das Sein Gottes müßte also sinnlich bestimmtes Sein sein. Aber Gott wird nicht gesehen, nicht gehört, nicht sinnlich empfunden. Er ist für mich gar nicht, wenn ich nicht für ihn bin; wenn ich keinen Gott glaube und denke, so ist kein Gott für mich. Er ist also nur, indem er gedacht, geglaubt wird – der Zusatz: für mich ist unnötig. Also ist sein Sein ein wirkliches, das doch zugleich kein wirkliches – ein geistiges Sein, hilft man sich. Aber geistiges Sein ist eben nur Gedachtsein, Geglaubtsein. Also ist sein Sein ein Mittelding zwischen sinnlichem Sein und Gedachtsein, ein Mittelding voll Widerspruch. Oder: es ist ein sinnliches Sein, dem aber alle Bestimmungen der Sinnlichkeit abgehen – also ein unsinnliches sinnliches Sein, ein Sein, welches dem Begriffe der Sinnlichkeit widerspricht, oder nur eine vage Existenz überhaupt, die im Grunde eine sinnliche ist, aber, um diesen Grund nicht zur Erscheinung kommen zu lassen, aller Prädikate einer wirklichen sinnlichen Existenz beraubt wird. Aber eine solche Existenz überhaupt widerspricht sich. Zur Existenz gehört volle, bestimmte Wirklichkeit.

Eine notwendige Folge dieses Widerspruchs ist der Atheismus. Die Existenz Gottes hat das Wesen einer empirischen oder sinnlichen Existenz, ohne doch die Wahrzeichen derselben zu haben; sie ist an sich eine Erfahrungssache und doch in der Wirklichkeit kein Gegenstand der Erfahrung. Sie fordert den Menschen selbst auf, sie in der Wirklichkeit aufzusuchen; sie schwängert ihn mit sinnlichen Vorstellungen und Prätensionen; werden diese daher nicht befriedigt, findet er vielmehr die Erfahrung im Widerspruch mit diesen Vorstellungen, so ist er vollkommen berechtigt, diese Existenz zu leugnen.

[Immanuel] Kant [1724-1804] hat bekanntlich in seiner Kritik der Beweise vom Dasein Gottes behauptet, daß sich das Dasein Gottes nicht aus der Vernunft beweisen lasse. Kant verdiente deswegen nicht den Tadel, welchen er von Hegel erfuhr. Kant hat vielmehr vollkommen recht: aus einem Begriffe kann ich nicht die Existenz ableiten. Nur insofern verdient er Tadel, als er damit etwas Besonderes aussagen und der Vernunft gleichsam einen Vorwurf machen wollte. Es versteht sich dies von selbst. Die Vernunft kann nicht ein Objekt von sich zum Objekt der Sinne machen. Ich kann nicht im Denken das, was ich denke, zugleich außer mir als ein sinnliches Ding darstellen. Der Beweis vom Dasein Gottes geht über die Grenzen der Vernunft; richtig; aber in demselben Sinne, in welchem Sehen, Hören, Riechen über die Grenzen der Vernunft geht. Töricht ist es, der Vernunft darüber einen Vorwurf zu machen, daß sie nicht eine Forderung befriedigt, die nur an die Sinne gestellt werden kann. Dasein, empirisches, wirkliches Dasein geben mir nur die Sinne. Und das Dasein hat bei der Frage von der Existenz Gottes nicht die Bedeutung der innern Realität, der Wahrheit, sondern die Bedeutung einer förmlichen, äußerlichen Existenz, einer Existenz, wie sie jedem sinnlichen, außer dem Menschen und unabhängig von seiner Gesinnung, seinem Geiste existierenden Wesen zukommt.

Die Religion wird daher, inwiefern sie sich auf die Existenz Gottes als eine empirische, äußerliche Wahrheit gründet, zu einer für die innere Gesinnung gleichgültigen Angelegenheit. Ja wie notwendig in dem Kultus der Religion die Zeremonie, der Gebrauch, das Sakrament für sich selbst, ohne den Geist, die Gesinnung zur Sache selbst wird: so wird endlich auch der Glaube nur an die Existenz Gottes, abgesehen von der innern Qualität, von dem geistigen Inhalt, zur Hauptsache der Religion. Wenn du nur glaubst an Gott, glaubst überhaupt, daß Gott ist, so bist du schon geborgen. Ob du dir unter diesem Gott ein gutes Wesen oder ein Ungeheuer, einen Nero oder Caligula denkst, ein Bild deiner Leidenschaft, deiner Rach- und Ruhmsucht, das ist eins – die Hauptsache ist, daß du kein Atheist bist. Die Geschichte der Religion hat dies hinlänglich bewiesen. Hätte sich nicht die Existenz Gottes für sich selbst als religiöse Wahrheit in den Gemütern befestigt, so würde man nie zu jenen schändlichen, unsinnigen, greuelvollen Vorstellungen von Gott gekommen sein, welche die Geschichte der Religion und Theologie brandmarken. Die Existenz Gottes war eine gemeine, äußerliche und doch zugleich heilige Sache – was Wunder, wenn auf diesem Grunde auch nur die gemeinsten, rohsten, unheiligsten Vorstellungen und Gesinnungen aufkeimten.

Der Atheismus galt und gilt noch jetzt für die Verneinung aller Moralprinzipien, aller sittlichen Gründe und Bande: wenn Gott nicht ist, so hebt sich aller Unterschied zwischen Gut und Böse, Tugend und Laster auf. Der Unterschied liegt also nur an der Existenz Gottes, die Wahrheit der Tugend nicht in ihr selbst, sondern außer ihr. Allerdings wird also an die Existenz Gottes die Existenz der Tugend angeknüpft, aber nicht aus tugendhafter Gesinnung, nicht aus Überzeugung von dem innern Wert und Gehalt der Tugend. Im Gegenteil, der Glaube an Gott als die notwendige Bedingung der Tugend ist der Glaube an die Nichtigkeit der Tugend für sich selbst.

Es ist übrigens bemerkenswert, daß der Begriff der empirischen Existenz Gottes sich erst in neuerer Zeit, wo überhaupt der Empirismus und Materialismus in Flor kam, vollkommen ausgebildet hat. Allerdings ist auch schon im ursprünglichen, einfältigen Sinne der Religion Gott eine empirische, selbst an einem, aber überirdischen Orte befindliche Existenz. Aber sie hat doch hier keine so nackte prosaische Bedeutung; die Einbildungskraft identifiziert wieder den äußerlichen Gott mit dem Gemüte des Menschen. Die Einbildungskraft ist überhaupt der wahre Ort einer abwesenden, den Sinnen nicht gegenwärtigen, aber gleichwohl dem Wesen nach sinnlichen Existenz [2]. Nur die Phantasie löst den Widerspruch zwischen einer zugleich sinnlichen, zugleich unsinnlichen Existenz; nur die Phantasie bewahrt vor dem Atheismus. In der Einbildungskraft hat die Existenz sinnliche Wirkungen – die Existenz betätigt sich als eine Macht; die Einbildungskraft gesellt zu dem Wesen der sinnlichen Existenz auch die Erscheinungen derselben. Wo die Existenz Gottes eine lebendige Wahrheit, eine Sache der Einbildungskraft ist, da werden auch Gotteserscheinungen geglaubt [3]. Wo dagegen das Feuer der religiösen Einbildungskraft erlischt, wo die mit einer an sich sinnlichen Existenz notwendig verbundnen sinnlichen Wirkungen oder Erscheinungen wegfallen, da wird die Existenz zu einer toten, sieh selbst widersprechenden Existenz, die rettungslos der Negation des Atheismus anheimfällt.

Der Glaube an die Existenz Gottes ist der Glaube an eine besondere, von der Existenz des Menschen und der Natur unterschiedne Existenz. Eine besondere Existenz kann sich nur auf besondere Weise beurkunden. Dieser Glaube ist daher nur dann ein wahrer, lebendiger, wenn besondere Wirkungen, unmittelbare Gotteserscheinungen, Wunder geglaubt werden. Nur da, wo der Glaube an Gott sich identifiziert mit dem Glauben an die Welt, der Glaube an Gott kein besonderer Glaube mehr ist, wo das allgemeine Wesen der Welt den ganzen Menschen einnimmt, verschwindet natürlich auch der Glaube an besondere Wirkungen und Erscheinungen Gottes. Der Glaube an Gott hat sich gebrochen, ist gestrandet an dem Glauben an die Welt, an die natürlichen als die allein wirklichen Wirkungen. Wie hier der Glaube an Wunder nur noch der Glaube an historische, vergangne Wunder, so ist auch die Existenz Gottes hier nur noch eine historische, an sich selber atheistische Vorstellung."

Aus: Ludwig Feuerbach (1804-1872, evangelischer Theologe, freier Schriftsteller): „Das Wesen des Christentums“ II. Teil: Das unwahre, d.i. theologische Wesen der Religion. 21.Kapitel: Der Widerspruch in der Existenz Gottes. Seite 301-309. Text folgt der 3. Auflage 1849, RECLAM 2005 (1969)

[A] Anthropopathismus: die Auffassung Gottes als eines menschlicher Affecte (pathê) fähigen Wesens, als zürnend, eifervoll u. dgl. Quelle: Rudolf Eisler: "Wörterbuch der philosophischen Begriffe" Band 1. Berlin 1904, S. 50.

[1] Zugleich aber auch den Zweck, das Wesen des Menschen zu bewahrheiten. Die verschiedenen Beweise sind nichts andres als verschiedene, höchst interessante Selbstbejahungsformen des menschlichen Wesens. So ist z.B. der physikotheologische Beweis die Selbstbejahung des zwecktätigen Verstandes.

[2] "Christus ist in die Höhe gefahren... Das ist, er sitzt nicht alleine da oben, sondern auch hienieden. Und ist eben darum dahin gefahren, daß er hienieden wäre, daß er alle Dinge erfüllete und an allen Orten könnte sein, welches er nicht könnte thun auf Erden, denn da könnten ihn nicht alle leiblichen Augen sehen. Darum ist er dahin gesessen, da ihn jedermann sehen kann, und er mit jedermann zu schaffen habe." Luther. (T. XIII, S. 643.) Das heißt: Christus oder Gott ist ein Objekt, eine Existenz der Einbildungskraft; in der Einbildungskraft ist er auf keinen Ort beschränkt, ist er jedem gegenwärtig; und gegenständlich, Gott existiert im Himmel, ist aber eben deswegen allgegenwärtig; denn dieser Himmel ist die Phantasie, die Einbildungskraft..

[3] "Du hast Dich nicht zu beklagen, daß Du weniger geübet seyest, als Abraham oder Isaak gewesen sind. Du hast auch Erscheinungen... Du hast die heilige Taufe, das Abendmahl des Herrn, da Brod und Wein die Gestalt, Figur und Formen sind, darinnen und unter welchen Gott gegenwärtig Dir in die Ohren, Augen und Hertze redet und wirket... Er erscheinet Dir in der Taufe und ist selber, der Dich täufet und anredet... Es ist alles voll göttlicher Erscheinung und Gespräche, so er mit Dir hält." Luther. (T. II, S. 466. S. über diesen Gegenstand auch T. XIX, S. 407.) [Meine Ergänzungen]



Literatur:

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„Kriminalgeschichte des Christentums“ Band I - Die Frühzeit. Von den Ursprüngen im alten Testament bis zum Tod des hl. Augustinus (430). ROWOHLT 6.Auflage 2006 (1986); Band 2 - Die Spätantike. von den katholischen „Kinderkaisern“ bis zur Ausrottung der arianischen Wandalen und Ostgoten unter Justinian I. (527-567). ROWOHLT 4.Auflage 2008 (1988); Band 3 – Die Alte Kirche. Fälschung, Verdummung, Ausbeutung, Vernichtung. ROWOHLT 3.Auflage 2006 (1990); Band 4 – Frühmittelalter. Von König Chlodwig I. (um 500) bis zum Tode Karls „des Großen“ (814). ROWOHLT 2.Auflage 2006 (1994); Band 5 – 9. und 10. Jahrhundert. Von Ludwig dem Frommen (814) bis zum Tode Ottos III. (1002). ROWOHLT 2.Auflage 2006 (1997); Band 6 – Das 11. und 12. Jahrhundert. Von Kaiser Heinrich II., dem „Heiligen“ (1002) bis zum Ende des Dritten Kreuzzugs (1192). ROWOHLT 2.Auflage 2008 (2001); Band 7 – Das 13. und 14. Jahrhundert. Von Kaiser Heinrich VI. (1190) zu Kaiser Ludwig IV. dem Bayern (+1347). ROWOHLT 2003 (2002); Band 8 – Das 15. und 16. Jahrhundert. Vom Exil der Päpste in Avignon bis zum Augsburger Religionsfrieden. ROWOHLT 2006 (2004); Band 9 - Mitte des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Vom Völkermord in der Neuen Welt bis zum Beginn der Aufklärung. ROWOHLT 2010;
„Oben ohne. Für einen götterlosen Himmel und eine priesterfreie Welt. Zweiundzwanzig Attacken, Repliken und andere starke Stücke“ ROWOHLT 1997 (1990),„Das Christentum im Urteil seiner Gegner“ MAX HUEBER 1986 (In 2 Bänden LIMES, Wiesbaden 1969/71)
Karlheinz Deschner, Horst Herrmann: „Der Anti-Katechismus: 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt RASCH & RÖHRING 1991
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Josef Zehentbauer(b.1945, deutscher Arzt und Psychotherapeut): „Abenteuer Seele. Psychische Krisen als Chance“ ALBATROS 2012 (2000)
Manfred Deix (b.1949, österreichischer Karikaturist, Grafiker, Cartoonist, Musiker, Krimiautor): „DER HEILIGE Deix“ 1. Auflage ECOWIN 2013
Ralf König (b.1960, deutscher Comic-Zeichner, Autor): „Protyp“ “ rororo 2. Auflage 2011 (2008), „Archetyp“ rororo 2.Auflage 2012 (2009), „Antityp“ rororo 2012 (2010), „Götterspeise“ MS (Männerschwarm) Verlag 2012

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